Mittwoch, 24. September 2014

Dafuq des Tages - Der deutsche Ethikrat empfiehlt…

Das Thema ist Inzest - oder für den Laien: Sex und ggf. auch Fortpflanzung unter Blutsverwandten. Blutschande, wie es früher genannt wurde. Oder unter Adeligen: Normalität.

Leider empfiehlt hier der deutsche Ethikrat weder ein gutes Buch zum Thema - was vielleicht besser gewesen wäre - noch eine wirklich sinnige und angemessene Veränderung der Gesetzeslage. Aber ich kann diesem Gremium daraus keinen echten Vorwurf machen, denn wie wir an der Zeitspanne gesehen haben, die es brauchte, um die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zumindest ansatzweise zu ermöglichen, mahlen die Mühlen der Bürokratie ungefähr so lange, wie die katholische Kirche braucht, um eine irrtümliche Hexenverbrennung zurückzunehmen (vgl. hierzu: der Fall Johanna von Orleans.)

Um zunächst mal jeden auf Stand zu bringen, hier der Link zu einem Beitrag vom Spiegel zum Thema:

Kurz zusammengefasst ist jemandem im Ethikrat plötzlich aufgefallen, dass es ein verbrieftes Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gibt und es sich irgendwie beißt, wenn das einvernehmlichen Sex unter mündigen Geschwistern nicht mit einschließt.
Dazu an dieser Stelle kurz einen Epic Slow Clap für die namentlich nicht genannte Person: *Clap … Clap … Clap*.
Der Vorschlag der Kommission ist dann mal wieder ein typischer Fall von so viel Kompromiss, dass am Ende nicht mehr viel Lösung übrigbleibt. Dem Grundsatz nach dürften dann blutsverwandte Geschwister, sofern sie das auch beide wollen… Zum Wohle des Schutzgutes der Familie jedoch nicht, wenn sie noch in einem Familienverbund leben… Blablabla…

Mein erster Gedanke dazu: Hmm… Wenigstens kommt mal jemand auf die Idee, dass Erwachsene ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben. Es kommt mal ein klein wenig Bewegung in die Sache…
Mein zweiter Gedanke: Dafuq?!? Was sollen eigentlich diese ganzen Einschränkungen? Was ist denn bitteschön dieses ‚Schutzgut Familie‘? Ist das die Sache, die Ehepartner dazu zwingen soll, zusammenzubleiben, auch wenn sie sich lieber umbringen würden, nur damit die lieben kleinen nicht zu Scheidungskindern werden? Was zum Fick…?

Schauen wir uns mal kurz an, um welchen Paragraphen des Strafgesetzbuches es hier geht:
§ 173 - Beischlaf zwischen Verwandten

(1) Wer mit einem leiblichen Abkömmling den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Wer mit einem leiblichen Verwandten aufsteigender Linie den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft; dies gilt auch dann, wenn das Verwandtschaftsverhältnis erloschen ist. Ebenso werden leibliche Geschwister bestraft, die miteinander den Beischlaf vollziehen.
(3) Abkömmlinge und Geschwister werden nicht nach dieser Vorschrift bestraft, wenn sie zur Zeit der Tat noch nicht achtzehn Jahre alt waren.

Aha… Mh-hm… Ahso…
Dem Schutz vor Missbrauch dient dieser hier also eher nicht. Dafür gibt’s andere Paragraphen. Dieser hier regelt nur den Teil mit der Verwandtschaft und dem Sex.
Ja dann… Hier mein Gegenvorschlag auf Basis einer absolut einstimmigen Entscheidung meines persönlichen Ethik- und Rechtsempfindens:
Streichen. Das ganze Ding einfach weg. Ein Paragraph weniger tut dem Gesetz gut und dieser hier ist sinnlos.

Ich weiß, dass andere das anders sehen, aber diese anderen sind grundsätzlich zuallererst mal entweder verwirrt oder bereits ausgewachsene Vollidioten. Es sind genau die Leute, die jetzt nicht mehr politisch korrekt über Schwule und Lesben lästern dürfen und daher etwas anderes brauchen, mit dem sie ihre eigene Normalität - also Frauchen heimlich verprügeln, Kinder mit Liebesentzug strafen und sich vorstellen, wie man einem Kinderschänder die Hoden abschneidet, während mit dem Fernglas die Nachbarin bespitzelt und dazu gewichst wird - von der Perversion der anderen - die ficken miteinander und haben die gleichen Eltern = abaaaartig! - abgrenzen.
Diese Leute, die sich vor lauter Feigheit nicht einmal umdrehen, wenn auf der Straße oder in der Nachbarwohnung Kin, Hund oder sonstwer verprügelt wird, stellen sich hin und bestimmen darüber, was pervers ist. Sie wollen ihr Schutzgut Familie gesichert wissen, denn sonst hätten sie kein Druckmittel gegen ihre Frau, die sie ja verlassen könnte, wenn die dumme Pute erkennt, dass sie Rechte hat.
Oder es sind einfach spießige Arschlöcher…

Es ist nämlich eine ganz einfache Sache und wir haben ein sinnvolles Gesetz zur Regelung derselben.
Zwei Menschen wollen es treiben und sind sich einig, es auch miteinander tun zu wollen. Gemäß dem Recht auf Selbstbestimmung kann man da nur sagen: viel Spaß.
Nach diesem Grundsatz werden Homosexuelle und BDSMler gesetzlich bewertet und nach ihm müssen auch Verwandte bewertet werden. Dabei muss es Gesetze und Mechanismen geben, um vor Missbrauch zu schützen. Aber wenn das ausgeschlossen ist, geht es verdammt noch mal keinen was an, ob die kleine Susi mit ihrem Bruder Heinzi oder auch mit Papa Karl rumhühnern will.
Sicherlich ist das nicht ‚normal‘ im strengsten Sinn des Wortes. Es ist aber auch nicht mehr unnormal in einer Gesellschaft, die sich weit, weit, weit von den Begrenzungen der natürlichen Selektion der Arten nach Darwin entfernt hat.
Tatsächlich ist es eigentlich sogar ziemlich normal, dass diese sexuelle Anziehung existiert, aber ich will dem mal nicht zu genau auf den Grund gehen, um den Rahmen zu sprengen.

Natürlich gibt es Gründe, die dagegen sprechen. Angefangen bei ‚ekelig‘ bis hin zu einem immerhin zumindest geringfügig erhöhten Risiko zur Weitergabe rezessiver Erbkrankheiten. Aber es gibt auch Gründe gegen BDSM. Beispielsweise kann es dabei zu Verletzungen kommen und die sind per Definition ungesund. Oder die Gründe gegen Sex mit einer Gummipuppe… Verschwendung von potentiell brauchbarem Zeugungsmaterial in einer Welt, ind er Lebensraum im Osten besiedelt…
Halt, warte… Das waren die 30er und 40er. Das gilt nicht mehr…

Fakt ist doch, dass es kein Gesetz gibt, dass Menschen mit nachgewiesener Schädigung des Erbgutes das Kinderkriegen verbietet. Außer sie sind verwandt…
Aber was bedeutet Verwandtschaft eigentlich? Gehört die wirklich auf ein Podest gehoben und heiliggesprochen?

Ich kenne einen Vater, dessen Tochters gelegentlichen Wunsch ihn einfach umzubringen ich von ganzem Herzen teile. Gerade WEGEN seiner Verwandtschaft zu ihr nimmt dieser Mensch, der so narzisstisch und antizsozial gestört ist, dass er beinahe ein Psychopath sein könnte, sich Dinge heraus, die eigentlich nur eine Antwort verdienen - eine Faust in die Fresse.
Verwandtschaft kann schön oder schrecklich sein, je nachdem, welche Individuen beteiligt sind. Inwiefern unterscheidet sie sich also von allen anderen Arten von zwischenmenschlichen Beziehungen?
Ja, es gibt Aspekte - insbesondere die Beziehung zwischen Eltern und Kindern betreffend - die besondere Beachtung verdienen, aber spätestens, wenn alle Beteiligten erwachsen sind, bestimmen sie auch alle selbst ihr Schicksal - oder haben zumindest das Recht und die Freiheit, das zu tun.
Nur ficken dürfen sie nicht, because… reasons…

Dafuq, was ist los mit dir, Menschheit? Was geht es denn andere an, was Leute einvernehmlich im Schlafzimmer tun? Was interessiert es denn andere überhaupt??
Was spielen sich einige als Sittenwächter auf? Mit welchem Recht, welcher Befugnis?

Genetik? Hatten wir im Dritten Reich schon mal, lassen wir lieber. Außer es wird von nun an jeder auf Gendefekte geprüft, der ein Kind zeugen oder empfangen will. Alles andere wäre Ungleichbehandlung.
Moral? Fuck - you! Moral ist, wenn man einschreitet, wenn anderen Unrecht oder Leid getan wird. Moral hat rein gar nichts damit zu tun, wen ich wie lange und mit welchen Hilfsmitteln ficke und wie nahe oder fern ich mit ihm oder ihr verwandt bin - immer vorausgesetzt, die andere Person will es auch.
Tradition? Am Arsch! Die gewaltsame Entfernung der Klitoris in Teilen Afrikas oder der Vorhaut in Teilen des Rests der Welt hat Tradition und das macht es nicht richtiger. Was die meisten meinen, wenn sie Tradition sagen, ist eigentlich Spießigkeit - sie wollen, dass alle zwangsweise verdonnert werden, nur gut zu finden, was sie selbst gut finden.
Bleiben nur leere Blicke und ominöse ‚Reasons‘, mehr nicht.

Ich ganz persönlich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn beispielsweise Geschwister den akzeptierten Freiraum erhalten, ihre Erfahrungen miteinander zu machen. Ich sehe keine Welt voller behinderter Hillbillys daraus erwachsen, sondern eher mehr Menschen zu einem unverkrampfteren Umgang mit ihrer eigenen Sexualität erblühen. Die meisten würden es austesten und dann gut sein lassen, weil zu viel von der speziellen Vertrautheit, bei der man sich von Kindesbeinen an kennt, einfach selten zu romantischer Liebe führt. Und falls doch, ist es auch gut so. Hauptsache die Beteiligten sind glücklich.
Ich möchte nicht nur dem deutschen Ethikrat, sondern der Mehrheit der Gesellschaft gerne raten, den Stock aus dem Arsch zu ziehen. Toleranz ist nur ein leeres Wort, wenn sie ausschließlich für die Bereiche gilt, die allgemein akzeptiert sind. Echte Toleranz bedeutet, eben genau das zu akzeptieren, was man selbst nicht versteht oder abstoßend findet.
Ich bin gegen Fremdbestimmung und für persönliche Freiheit. Und das schließt einvernehmlichen Inzest ganz eindeutig mit ein. Alles andere ist nicht nur blinder Aktionismus, sondern auch lächerliche Flickschusterei.

In diesem Sinne…

…fröhlichen, interfamiliären Beischlaf noch. :-P

Dienstag, 23. September 2014

Offener Brief an Emma Watson anlässlich ihrer Rede vor der UN

Liebe Emma,

eine schöne Rede hast du da vor den Damen und Herren der UN zum Start der HeForShe Kampagne gehalten. Dem Grundsatz nach hätte ich dem eigentlich auch mehr Zustimmung entgegenzubringen, als Ablehnung, aber du hast da die eine oder andere Frage gestellt und auch ein paar Aussagen getroffen, die ich nicht unkommentiert stehen lassen will.

Zunächst mal ist da die Sache mit der Idee und dem Wort. Feminismus sei nur ein Wort und es sei die Idee, die zähle, sagtest du. Daher solle man nicht die Idee aufgrund des unliebsamen Wortes ablehnen.
Klingt toll, aber… Ideen sind nur private Gedanken, bis sie in Worte gefasst und geteilt werden. Die Worte definieren die Idee und bestimmen sie dadurch in gewisser Weise. Angesichts des… ‚schlechten Rufs‘, den das Wort Feminismus - meiner Meinung nach nicht völlig zu Unrecht - hat, wäre vielleicht ein anderes Wort als Oberbegriff angebrachter. Der gute Joss Whedon hat da einige Überlegungen angestellt, die dich zu diesem Thema interessieren könnten. Ruf ihn mal an, das könnte euch beide noch ein Stück weiter bringen.

Davon mal ab, kann ich dir allerdings sagen, weswegen mich dieses Wort so stört: Es steht nicht für die Gelichberechtigung und Gleichbehandlung, die auch deine Kampagne als hehres Ideal erkoren hat, sondern für einen Angriff auf die männliche Hälfte der Gesellschaft. Es ist ein Banner für die Rachegelüste, die manche Frauen offenbar wegen der Dinge verspüren, die ihnen oder ihren Müttern und Großmüttern angetan wurden.
Feminismus, wie ich ihn leider zu oft miterlebt habe, ist nicht auf Harmonie oder Aussöhnung aus, sondern auf ‚Gebietsgewinne‘. Es ist ein kriegerisches Wort und der Kampf gilt dem anderen Geschlecht.
Danach beurteile ich dieses Wort, ebenso wie ich das sogenannte Christentum nach seinen Errungenschaften und Taten beurteile. Oder von mir aus auch den Nationalsozialismus. Ein anderes Messinstrument habe ich dafür nicht, denn wie man so schön sagt: Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert. Oder anders ausgedrückt: Schön, wenn eine Idee gut ist, aber es kommt darauf an, was daraus gemacht wird.

Darüber hinaus habe ich aber auch mit dem Ideal selbst ein Problem, da will ich ganz offen sein. Ich störe mich daran, wenn Ideale rassistisch sind. Und Feminismus ist eine rassistische Idee durch Auslassung. Beim Feminismus werden per Definition alle Männer und Jungen außen vor gelassen. Und ebenso alle anderen Geschlechter, zu denen sich irgendwer zugehörig fühlt.
Ich finde das nicht fair, denn so, wie du recht damit hast, dass in keinem Land der Welt alle Frauen völlig fair behandelt werden, gibt es auch kein Land der Welt, in dem alle Männer fair behandelt werden. Benachteiligung ist nicht in erster Linie eine Frage des Geschlechts oder der Hautfarbe, sondern eine Frage der Machtverteilung und vielleicht auch der Lobbys.
Ungleiche Bezahlung gibt es überall und gegenüber allen möglichen Leuten. Es gibt sie überall dort, wo ein Chef oder eine Firma skrupellos genug ist, es zu versuchen und damit durchkommt. Einschränkungen bezüglich der Verfügungsgewalt über den eigenen Körper gibt es ebenfalls auch bei männlichen Menschen. Um hier mal ein Beispiel zu bringen, will ich auf Beschneidung im Kindesalter verweisen, die längst nicht mehr nur aus religiösen Gründen durchgeführt wird, sondern wegen… naja… deswegen halt. Weil Tradition und so…

Will ich hiermit den Fokus von den Frauen weg auf die armen Opfermännchen verschieben und dem Feminismus den Wind aus den Segeln nehmen? Will ich das den Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen aufgrund von deren Geschlecht gegenüberstellen?
Nein, verdammt!

Was ich verdeutlichen will ist, dass eine Gleichbehandlungsidee nur dann etwas taugt, wenn sie alle ungleich behandelten mit einbezieht. Die IDEE wohlgemerkt, nicht notwendigerweise die jeweilige Bewegung in allen Details.
Ich verstehe, dass man sich bei begrenzten Ressourcen und limitierter Arbeitskraft erreichbare Ziele stecken muss. Ein solches Ziel - auch wenn man über die Erreichbarkeit sicherlich streiten kann - ist beispielsweise das Ziel einer einheitlichen, geschlechtsunabhängigen Bezahlung. Wobei ich auch hierbei lieber etwas über einheitliche Bezahlung für alle Infragekommenden, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung sprechen würde.
Aber selbst wenn man für ein solches, klar abgegrenztes Teilziel streitet, sollte man sich dabei zu der Idee gleicher Rechte für ALLE bekennen. Die Idee als solche nur auf einen Teil der Menschheit zu beschränken, ist nämlich rassistisch und führt am Ende dazu, dass bei einem Sieg in diesem Bereich zwangsläufig irgendeine andere Gruppe benachteiligt wird, um die Verluste wieder auszugleichen. Und dann brauchen wir eine Männerrechtsbewegung oder eine Kampagne zur Erringung gleicher Rechte für die nun benachteiligten Luxemburger oder was auch immer.

Der Vorteil dabei, in der Idee auch wirklich gleiche Rechte für alle zu propagieren ist außerdem, dass damit letztlich die aufs Korn genommen werden, die WIRKLICH für die Ungerechtigkeiten verantwortlich sind. Diejenigen, die von Ungleichbehandlung profitieren, was Männer, Frauen, Schwarze, Weiße, Schwule, Heteros oder sogar Aliens sein mögen.
Diejenigen in den jeweiligen Machtpositionen behandeln ihre Untergebenen oder Schutzbefohlenen oder zufällig ihnen sozial Untergeordneten nämlich oft ungerecht, einfach weil sie es können. Gerechtigkeit muss gelehrt und auch eingefordert werden, aber es ist kein Erfolg errungen, wenn dabei nur eine Gruppe profitiert und sich das Ungleichgewicht einfach nach woanders verschiebt.
Nur wenn rigoros alle gefordert sind, sich anständig zu verhalten, egal mit wem oder was sie es zu tun haben, ist das Ergebnis auch übertragbar. Andernfalls machen es sich die Leute mit der Macht nämlich einfach und sagen irgendwann, dass sie doch jetzt Frauen fair behandeln. Und die nun geknechteten Luxemburger (Sorry, liebe Nachbarn, aber ich brauchte eine greifbare Minderheit und ihr seid nun einmal eine kleine Nation) müssen daraufhin erst einmal eine fünfzigjährige Kampagne starten, damit überhaupt jemand darauf aufmerksam wird, dass sie jetzt die neuen Frauen sind und eine Bewegung für ihre Rechte brauchen.

Nun, da das hoffentlich halbwegs verständlich beleuchtet wurde, will ich noch etwas zum Thema Respekt loswerden. Im Zusammenhang mit Feminismus-Themen wird dieses Wort nämlich gerne und oft missbraucht. Sexualisierung, Objektifizierung und sonstiger Unfug kommen da gerne mal in schönen, dicken Scheiben auf den Teller.
Um es aber mal ganz direkt zu sagen: Das ist Bullshit.

Frauen und Männer sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Körperliche Unterschiede sind ebenso Teil unserer Spezies, wie ein unterschiedlicher Umgang mit diesen Unterschieden. Frauen tuscheln im Privaten und möglichst ohne unerwünschte Zeugen über Männer und machen sie zu Sexobjekten - und ja, das tun sie oft und gerne und das ist auch okay - und Männer sind da etwas weniger diskret.
Ist es ein Zeichen von mangelndem Respekt, wenn sie sich dabei erwischen lassen? Das lässt sich nur individuell beurteilen, aber hinsichtlich der Gesamtheit muss die Antwort nein lauten. Männer können Frauen individuellen und allgemeinen Respekt entgegenbringen und trotzdem bemerken, dass eine spezifische Frau tolle Möpse hat. Ebenso, wie Frauen einen Mann respektieren können, auch wenn sie am liebsten nur auf seinen Knackarsch starren würden. Der Unterschied ist, dass Frauen - interessanterweise durch ihre Vergangenheit als Menschen zweiter Klasse - gelernt haben, ihr Wohlgefallen nicht so stumpf zum Ausdruck zu bringen.

Was diese Sache angeht, wird in meinen Augen viel, viel Wirbel um rein gar nichts gemacht. Ob jemand ein respektloses Arschloch ist oder nicht, lässt sich individuell recht schnell entscheiden. Dafür brauchen wir keine Definitionshilfen in Form von starren Benimmregeln. Und falls wir solche Regeln doch erstellen, müssten sie gemeinschaftlich erarbeitet werden.
Sollte das jemals geschehen, hoffe ich wirklich, dass dabei nicht die Gedankenfreiheit auf der Strecke bleibt, aber das ist ein anderes Thema.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Warum mache ich mir die Mühe, das alles überhaupt niederzuschreiben?
Die Antwort habe ich oben gegeben: Es ist eine Idee und ich gebe ihr Form mit meinen Worten und definiere sie.

Meine Idee ist ziemlich radikal, weil ich keine Lust habe, mich in kleinen, nutzlosen Konflikten um einzelne Missstände zu verzetteln. Ich strebe nach Höherem, weil ich gerne bis zu meinem Tod an der Hoffnung festhalten können will, dass es irgendwann einmal besser werden könnte mit der Menschheit. Dass wir einen Weg finden, unsere aggressive, sexbesessene Natur zu akzeptieren und trotzdem Gerechtigkeit, Verständnis und Mitgefühl vorherrschen. Zwischen jedem und jeder, ganz gleich, welche individuellen Unterschiede gerade vorliegen.
Mein Lösungsansatz ist dafür sehr einfach und im kleinen Rahmen gehalten: Ich erhoffe mir, dass Einzelne den Anfang machen und mehr individuelle Urteile fällen, statt sich Gruppendruck, gesellschaftlichem Zwang oder Medienbeeinflussung zu beugen.
Ganz genau deswegen schreibe ich das nieder und mache einen offenen Brief daraus. Irgendwie muss ich es schließlich unter die Leute bringen, selbst wenn es nur die wenigen Leser meines Blogs sind…

In diesem Sinne…

…viel Erfolg bei deinen Bemühungen, Emma. Ich hoffe, dein Horizont erweitert sich irgendwann und deine Anstrengungen schließen letztlich alle mit ein. Ich denke, das würde dir durchaus auch gefallen, denn eine Feministin wie die, die ich von früher kenne, bist du gewiss nicht. ;-)


PS: Was ich bei alledem nicht unerwähnt lassen will ist, dass ich es absolut beknackt finde, was der guten Emma nicht zuletzt aufgrund ihrer Rede da nun angedroht wird. Von wegen Veröffentlichung irgendwelcher Nacktfotos, die Hacker gestohlen haben...
Weder interessieren mich solche Fotos, noch habe ich irgendwelche Sympathien für derartige Kindereien übrig. Das ist einfach nur unterste Schublade und wenn jetzt deswegen Nacktfotos von mir gefaked werden, habe ich damit kein Probelm... :-P

Freitag, 13. Juni 2014

Dafuq des Tages - Chrome hat bitte was gemacht???

Heute beim Einschalten des Computers und öffnen meines aktuellen Hauptbrowsers Chrome, passierte etwas Eigentümliches und irgendwie Unerfreuliches…
Ein eigenes Browserfenster öffnete sich und gab mir folgende Informationen kund und zu wissen:

Verdächtige Erweiterungen deaktiviert

Diese Benachrichtigung erscheint, weil mindestens eine Ihrer Chrome-Erweiterungen aus Sicherheitsgründen deaktiviert wurde. Diese Erweiterungen stammten nicht aus dem Chrome Web Store oder wurden ohne Ihre Zustimmung installiert.

Ich so: Uh-huh… Fuck you!
Ins Menü und nachgesehen. Wie befürchtet und vermutet wars der YouTube Unblocker und den wollte ich natürlich weiterhin verwenden, auch wenn er seltener was bringt, als eigentlich erfreulich wäre. Aber siehe da: Ich konnte ihn nicht wieder reaktivieren. Hätte ich den ganzen Hinweistext gelesen, hätte ich das auch schon gewusst. Weiter stand da nämlich:

Zu Ihrer Sicherheit können Sie nur Chrome-Erweiterungen aus dem Chrome Web Store verwenden.

Deaktivierte Erweiterungen sind ausgegraut und können nicht mehr aktiviert werden.

Da-fuq?!?!?
Are you fucking, kidding me, Google? Are you trying to fuck with me?

Es reicht also nicht mehr, dass der Browser mir erzählen will, der Unblocker wäre ganz bestimmt Malware, wenn ich ihn runterlade. Offenbar hat das zu wenig Leute abgehalten und nun, wo YouTube ja Übervater Google gehört, müssen eben andere Maßnahmen ergriffen werden. Es werden gewissermaßen andere Saiten aufgezogen…

Klar… Logisch betrachtet verstehe ich das. Google bietet auf YT mittlerweile Content, der auch bezahlt werden muss. Und sie haben ihre geschäftspolitischen Hosenscheißer-Gründe, sich beispielsweise nicht mit der deutschen GEMA anzulegen, die an sinistrer und gefühlt extrem verfassungswidriger Macht nur noch von der GEZ in den Schatten gestellt wird.
Also hat man sich daran gewöhnt, dass Zensur eben doch stattfindet, sobald es irgendwie um Geld gehen könnte. Wie viel die Menschen- und/oder Grundrechte wert sind, wenn Konzerne beteiligt sind, weiß man ja…

Aber so langsam nimmt das schon Auswüchse an, finde ich!
Google entscheidet also jetzt ganz öffentlich, was ich verwenden darf und was nicht? Über diese Deaktivierung musste man mich natürlich informieren, denn ich könnte ja zu den zehn oder zwölf Browsernutzern gehören, die es bemerken und nicht so viele Apps installiert haben, dass sie sowieso keinen Überblick haben. Aber welche Entscheidungen trifft Google zu meiner Sicherheit, über die ich nichts erfahre? Welche Webseiten werden mir beispielsweise gesperrt und sind angeblich nicht erreichbar, wenn ich sie aufsuchen will?
Freies Internet für alle - dafür hat sich Google erst kürzlich starkgemacht, als es um die Frage ging, ob es ein Zwei-Klassen-Internet geben wird. Aber Freiheit geht natürlich nur so weit, wie man es bei Google zulassen mag. Regierungen haben da nicht mitzumischen, aber individuelle User gefälligst auch nicht. Und wenn du neben Google als Suchmaschine auch einen hauseigenen Browser verwendest, biste halt gefickt.

Im Grunde weiß ich das, aber muss man mir den Umstand, dass ich ohne mein Einverständnis und gegen meinen Willen in den virtuellen Arsch gefickt werde, auch noch wie einen Haufen feuchtwarmer Hundescheiße in die Fresse reiben, dafuq?!?
Hmm… Ja, muss man wohl, denn es geht ja unter anderem darum, mir als User und Verbraucher meine absolute Ohnmacht sanft und schonend ins Hirn zu implementieren. Ich darf rumspielen, aber ich habe mich an die regeln derer zu halten, die wirklich das Sagen haben. Und es gibt nichts, was ich dagegen tun könnte.

Klar, ich könnte wieder zu Opera wechseln, aber da ich keinen Browser im Handyformat will, sondern einen verfickten Browser mit der gewohnten Bandbreite an Möglichkeiten für einen PC, müsste ich die alte Steinzeitversion von Opera benutzen, die jeden Tag mehr Macken entwickelt.
Logischerweise ist das mein Fehler. Was habe ich auch noch einen beknackten PC, wo heutzutage alle nur noch Smartphones und Tablets benutzen und mit ihren Wurstfingern nicht mehr in der Lage sind, kleine Buttons zu bedienen oder durch ganze Menüs zu navigieren? Ich Dinosaurier!

Alles mein Fehler. Ich verweigere mich der schönen, bunten, neuen Technik, die ungefähr so anspruchsvoll und facettenreich ist, wie Lego Duplo für Säuglinge und einfach nicht alle Möglichkeiten bietet, die sie nachweislich bieten könnte - und von denen ich auch Gebrauch machte, dafuq!
Ich will Barrierefreiheit im Worldwide Web, was eigentlich logisch klingt und Standard sein müsste, wären da nicht monetäre Interessen betroffen - was die Betroffenen keine Kosten und Mühen scheuen lässt, Barrieren aufzubauen, wie sie sich Zensursula nicht schöner und sinnfreier hätte ausdenken können. Und zwar nach Möglichkeit klammheimlich, aber wenns sein muss auch stumpf mit der Keule in die Fresse des Users, der ja sowieso desinteressiert und abgestumpft ist und nix mehr peilt.

Satan, ich könnte grad etwas oder jemanden in den Grand Canyon werfen. Ich flieg mal eben mit einem Ausdruck der zehn reichsten Menschen weltweit nach Amerika und erledige das… *grmbl*

Aber mal ernsthaft: Es sind Kleinigkeiten, sie einem immer mal wieder vor Augen führen, was eigentlich so Phase ist. Es ist ‚nur‘ der YouTube Unblocker, der nun in meinem Hauptbrowser ganz einfach nicht zur Verfügung steht. Es ist ‚nur‘ der HDMI-Ausgang an der Grafikkarte des ansonsten nagelneuen und tadellos funktionierenden Rechners, der nicht geht - was einem natürlich erst nach Monaten auffällt, wenn neue Monitore hersollen und sie nur VGA und HDMI haben, während die GraKa nur HDMI und DVI hat. Und dann kann man das Arbeitsgerät nicht mal eben als Garantiefall weggeben, um es ein halbes Jahr nicht wiederzusehen, weswegen man es auf sich beruhen lässt, anstatt den Hersteller und den Händler auf Schadensersatz zu verklagen, wie die Heckenpenner es verdient hätten…

Alles nur Kleinigkeiten, die sich aber zu einem großen Haufen Scheiße auftürmen, wenn man mal drüber nachdenkt. Und da ich ein schlaues Kerlchen bin, tue ich das gelegentlich. Vielleicht sollte ich eine Lobotomie erwägen, um meinen Indelligenzguozienden an den der breiten Masse anzugleichen und nicht mehr so viele Auffälligkeiten zu bemerken und Logikfehler zu entdecken.
Ja, das wäre sicherlich im Sinne aller, die mit mir Geld verdienen oder dank meiner Untätigkeit ihre Vorstellungen umsetzen möchten. Also… FUCK YOU! Not gonna happen!

Ich wünschte wirklich - und ich bin langsam so weit, mir eine Obstkiste zu schnappen und es selbst in die Hand zu nehmen, indem ich mich irgendwo hinstelle und eine Rede halte, die man nicht überhören kann - es würden mehr Leute wahrnehmen, was so vor sich geht. Ich wünschte, es würde sich endlich mal eine Bewegung formieren, die den richtigen Zielen folgt.
Meinungsfreiheit und ein Recht zur freien Entfaltung der Persönlichkeit, Religionsfreiheit und ein Recht auf unantastbare Würde. Das sind so tolle Worte, die auch noch Grundrechte darstellen sollen, aber für die sich kein Schwein interessiert. Sowas ist unbequem und deswegen sind es nur Lippenbekenntnisse. Niemand soll WIRKLICH ein Recht auf eine freie Meinung haben - oder sie wenigstens für sich behalten.
Das wäre einfach zu unbequem und schwer zu kontrollieren. Also tun wir so als ob und hintenrum wird alles, was nicht dem breiten Konsens entspricht, zur Erbsünde erklärt.

Fuck, es gibt Tage in meinem Leben, da sollte man mir wirklich keine ultimative Macht über die Welt in die Hände legen. Das könnte ein Blutbad verursachen…
Und ich würde es hinterher auch noch als notwendiges Opfer verkaufen… -.-

Anyway… Das alles hat mit einem’Zufalls‘-Ereignis des heutigen Tages angefangen und sich zu einer handfesten Gesellschaftskritik entwickelt. Ganz nebenbei ist das auch der Grund dafür, dass es in diesem Blog eher stiller geworden ist.
Momentan sehe ich leider zu oft über den Tellerrand und mir fallen zu viele Zusammenhänge auf. Die meisten Dinge, die mir ein dafuq wert wären, stehen in größeren Zusammenhängen und ich habe bereits die Erfahrung gemacht, dass es für die meisten Leute nichts Abstoßenderes gibt, als über die Probleme der Welt zu lesen.
Ich fühle mich allerdings außerstande, diese Probleme einfach zu ignorieren und deswegen fließen sie in meine Posts leider ein. Lebt damit und hört auf zu lesen, wenns euch nicht passt… :-P


In diesem Sinne…
…Big Brother is still watching you, as he/she/it always did.





Freitag, 4. April 2014

Milde Gaben für den räudigen Köter?

Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz und gar sicher, wie ich das Thema am besten anpacke, also mache ich es geradeheraus.

Dem einen oder der anderen ist sicherlich schon mal aufgefallen, dass ich gelegentlich von meinen Vorstellungen gesprochen habe, wie ich mit dem Schreiben Geld verdienen könnte.
Ich will keine Bücher herausbringen, die dann Leute kaufen müssen. Ich will lieber meine Geschichten weiterhin frei einsehbar jedem zur Verfügung stellen. Auch wenn ich durchaus erwägen würde, für meine Fans eBooks oder sogar gedruckte Bücher zu realisieren. Aber dann lieber zum Selbstkostenpreis oder sowas.
Trotzdem muss ich leider irgendwie wirtschaftlich denken und außerdem ist die Zeit, die ich in den Verdienst meines Lebensunterhalts investiere, ja nun auch Zeit, die ich nicht mit schreiben verbringen kann.

Es gibt eine Lösung, die ich eigentlich fast schon maßgeschneidert für meine Bedürfnisse finde. Ich habe sie kürzlich entdeckt und mir auch gleich alles eingerichtet, einfach weil es so schön zu meinem Traum passt.
Davon will ich nun berichten:

Einfach gesagt gibt es so etwas wie eine Crowdfunding-Plattform im Abo-Stil für Künstler.
Auf der Seite http://www.patreon.com/ kann ich mir als Autor einen Account anlegen und andere Leute können sich entschließen, mir Geld zu spenden. Angefangen bei einem Dollar im Monat, können Leute, die meine Sachen lesenswert finden, mir auf diesem Weg nicht nur Geld spenden, sondern ich erfahre auch davon und kann gewissermaßen Belohnungen aushändigen. Wer Kickstarter kennt, versteht das Prinzip sicherlich sofort.
Der Unterschied zum herkömmlichen Crowdfunding ist, dass ich eben nicht ein Projekt vorstelle und einen Betrag festsetze, ab dem ich es realisieren kann. Stattdessen bekomme ich in meinem Fall monatlich eine Spende von jedem sogenannten Patron - spendewilligen Fans gewissermaßen.

Die Idee dahinter ist tatsächlich, dass Künstler für ihre Arbeit einfach finanzielle Unterstützung erhalten. Leute, die YouTube-Videos, Musik oder Comics machen. Oder eben auch Kurzgeschichten schreiben.
Was ich als Belohnung für die Unterstützung auslobe, ist schnell umrissen. Für ein paar Dollar im Monat gibt’s Danksagungen über meinen Geschichten oder auch überall, wo ich mich so herumtreibe an prominenten Stellen. Für mehr gibt’s für den Moment erst einmal die eine oder andere Möglichkeit, auf Elemente in Geschichten Einfluss zu nehmen oder sogar Szenen zu erhalten, die mitgestaltet werden können.
Mehr Möglichkeiten habe ich allerdings im Hinterkopf. Einschließlich solcher Sachen wir eBooks und Printversionen von Geschichten. Was natürlich eine Geldfrage ist und dementsprechend von der Menge der Spenden abhängt, die ich erhalte.

Für den Anfang ist das hier also wirklich mehr eine Sache für Leute, die sagen, dass ihnen meine Geschichten so viel Spaß gemacht haben, dass sie dafür mal was springen lassen würden.
Dabei ist es natürlich auch möglich, einmalige Spenden abzugeben. Es ist zwar vom Prinzip her als monatliche Sache gedacht, aber wie lange jemand beschließt zu spenden - also wie viele Monate am Stück - bleibt jedem selbst überlassen.

Logischerweise werde ich versuchen, meine Patrons auch irgendwie bei der Stange zu halten, indem ich mir was für sie ausdenke. Spezielle Geschichten beispielsweise, die erst später oder sogar viel später frei zugänglich werden. Oder sonstwelche Aktionen.
Es hängt alles nicht zuletzt davon ab, ob sich Leute finden, die wirklich Geld ausgeben wollen, weil ihnen meine Geschichtengefallen. Ohne Patrons muss ich mir darüber auch keine Gedanken machen.

Wer nun ernsthaft darüber nachdenkt, kann am Ende einen Link finden, der zu meinen Patreon-Profil führt. Ein kleiner Haken für einige mag sein, dass die Seite leider nur auf Englisch verfügbar ist. Daran kann ich unglücklicherweise nichts ändern. Ich kann höchstens Hilfe anbieten, falls jemand sich dennoch da durchkämpfen und ein Patron werden will.
Sollte diese Sache sich für mich gut entwickeln, wird sich das logischerweise auf die Menge an Geschichten auswirken - und zwar natürlich positiv.
Zeit ist ein wesentlicher Problemfaktor für mein liebstes Hobby - das Schreiben. Geld aus einer solchen Quelle bedeutet, dass ich weniger Zeit in andere Arbeit investieren muss, um meine Rechnungen zu zahlen. Weniger Arbeit ergibt mehr Freizeit, mehr Freizeit führt zu mehr Geschichten.
Ziemlich simple und irgendwie logische Kette, oder? :-D

Es soll nun aber bitte nicht der Eindruck entstehen, ich würde meine ganze Schreiberei kommerzialisieren wollen.
Der Sinn - und der Masterplan hinter der ganzen Sache - ist im Grunde auf das Gegenteil ausgerichtet. Eben um zu vermeiden, jemals Geld verlangen zu müssen, soll dieser Weg jedem ermöglichen, zu geben, was er oder sie KANN.
Nicht ein paar Euro pro Kurzgeschichte wie bei Amazon oder ein paar Euro mehr für ein Buch - beispielsweise einen ‚Junge Liebe Roman‘ - sondern beispielsweise umgerechnet nicht einmal einen Zehner im Jahr als Dankeschön für alle Geschichten in meinem Blog.

Das Beispiel basiert auf einem Dollar pro Monat als Spende, was umgerechnet gerade 8,76 Euro ergeben würde. Machen das zweihundert Leute, könnte ich mich gewissermaßen umgerechnet mehr als einen Monat lang voll und ganz voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren. Was ein bis zwei Dutzend zusätzliche Geschichten oder Kapitel (die längeren Varianten und nicht die ganz kurzen) ergäbe. Also ein bis zwei Geschichten mehr pro Monat.
Sicherlich macht es hierbei die Masse. Und ich hoffe ehrlich, dass ich irgendwann eine solche zusammenbekomme, damit ich mich voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren kann.
Dieser Weg hier und das, was ich in Kürze als kleinen Überblick über meine zukünftigen Pläne posten werde, wird diesen Traum vielleicht wahr werden lassen. Und zwar unter Umständen mit deiner Hilfe.

Und damit hab ichs dann für diese Sache auch.
Es liegt jetzt ganz allein bei dir, ob du kannst, willst und wirst. Ich werde es niemandem vorwerfen, wenn es nicht geht. Nicht einmal, wenn wer nicht will.
Ich möchte auch nicht betteln. Stattdessen überlasse ich es jedem selbst, zu entscheiden, ob meine Geschichten einen Obolus - eine Spende - wert sind. Ich werde ganz gewiss niemanden fragen, weswegen er oder sie nicht gespendet hat.
Aber ich werde auch ohne jeden Zweifel jedem auf die Nase binden, wer die großartigen Menschen sind, die sich dafür entscheiden.

Allen zukünftigen Patrons sage ich nun schon einmal Danke!
Mit deiner Hilfe finde ich einen Weg an Verlagen und Geldmaschinen wie Amazon vorbei. Du wirst dir das auf die Fahne schreiben können. Du wirst dabei mitgeholfen haben und darauf kannst du dann durchaus auch ein wenig stolz sein.

Zu meinem Patreon-Profil geht es hier: http://www.patreon.com/MikeKojoteStone
(Nicht vergessen: Englisch!)

Mittwoch, 19. März 2014

Dafuq des Tages - Beschneidung

Darauf gebracht wurde ich durch die Lektüre des zweiten Buches von Mark Benecke über skurrile, witzige oder unglaubliche Forschung. Die Lektüre kann ich nur empfehlen, weil es sich um reale Forschungsgebiete handelt, die von realen Wissenschaftlern beackert wurden. Wie auch immer einige von ihnen auf die Idee gekommen sein mögen…
Das Thema sind jedenfalls Beschneidungen und deren Auswirkung auf die Empfindlichkeit der Eichel. Zwei Dinge, über deren Zusammenhänge ich auch schon gelegentlich mal nachgedacht habe.

Meine persönliche Vermutung war, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass beschnittene Männer über mehr Stehvermögen verfügen. Wegen der Abstumpfung einer freiliegenden Eichel und der ‚Resistenz‘ gegenüber der Reibung beim Sex.
Als Nicht-Beschnittener habe ich mir da so meine Gedanken gemacht und fand das nicht unlogisch. Auch wenn ich dankbar war, dass ich verschont blieb, denn alles, was ich über Beschneidung weiß, lässt mir die Haare zu Berge stehen.
Und jetzt stehen die sogar noch mehr als vorher…

Was ich nämlich nicht wusste, war, dass Beschneidungen nicht etwa primär aus hygienischen Gründen vorgenommen werden.
Das Argument hätte ich akzeptieren können, auch wenn ich es eigentlich blödsinnig finde, denn was sich unter der Vorhaut so sammelt, lässt sich schon mit einer verfickten Katzenwäsche beseitigen. Man muss da nicht die Wurzelbürste ansetzen oder so.
Und falls doch, gibt es bei der jeweiligen Person mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein generelles Sauberkeitsproblem. Da würde dann auch eine Beschneidung nichts mehr retten…

Aber es wäre irgendwie okay gewesen. Hygienevorstellungen variieren und die für ihre Beschneidungen bekannten Menschen jüdischen Glaubens finden auch Schweinefleisch unrein. Worüber ich jetzt echt kein Urteil abgeben will. Es zeigt einfach nur, dass sie sich eine Menge Gedanken über Sauberkeit machen.
In diesem Kontext wäre es also so gewesen, dass die Beschneidung aus einem - richtigen oder falschen oder halbrichtigen oder was auch immer - Notwendigkeitsdenken heraus erfolgt. Der kleine Racker soll vor Krankheiten und Problemen geschützt werden.
Hehres Anliegen und nicht mit solchen Eingriffen wie der operativen Entfernung der Klitoris in manchen Gegenden Afrikas zu vergleichen, bei denen es um die ‚medizinische Vorsorge‘ gegen die ‚natürliche Geilheit‘ der Frau geht…

Ähh… Denkste!
Offenbar ist der eigentliche und wahre Grund für die Beschneidungstradition die Annahme, dass der Penis tatsächlich abgestumpft wird und dadurch der Mann weniger Sex will. Ganz grob vereinfacht ausgedrückt.
DAFUQ!!?!!</b>

Noch mal für mich zum Mitschreiben: Da wird einem Knirps, dessen Einverständnis kein Schwein interessiert, im Kindesalter die Vorhaut weggeschnitten und der Bub muss von da an damit leben, dass es an seiner Nülle reibt und scheuert.
Das ist sogar beabsichtigt, damit das Ding abstumpft und er weniger mit seinem männlichen Zentralorgan denkt, wenn er mal erwachsen ist. Es ist der Sinn der Sache…

Bin ich jetzt der Einzige, der findet, dass es damit in die gleiche Kategorie wie eine Klitorisamputation fällt?
Ich meine… Sicher ist Letzteres noch wesentlich heftiger, weil es letztlich Lustgefühle in dieser Region auf Null zurückschraubt. Aber es ist doch die gleiche Kategorie, oder etwa nicht?
Und außerdem ist es Folter, dafuq! Wenn ich jemandem etwas antue, um ihm Unwohlsein zu bereiten und nicht über dessen Einverständnis verfüge, ist das Folter. Egal, welche Gründe ich dafür zu haben meine. Es sei denn, ich es wäre medizinisch notwendig und ich hätte die Autorität verliehen bekommen, über sowas zu entscheiden.
Nicht einmal zum Wohle der Menschheit oder auch nur eines Teiles davon wäre es akzeptabel, denn sonst wäre Doktor Mengele ja wohl kein Monster, sondern einfach nur ein Forscher gewesen, duh?!

Also wieder noch einmal zum Mitschreiben: Es gibt eine Tradition der Kinderfolter, weil irgendwelche Kulturkreise der Meinung sind, das wäre richtig so und es läge an ihnen zu entscheiden, wie viel Einfluss sie auf die Libido eines zukünftigen Erwachsenen nehmen dürfen.
Und diese Tradition wird nicht etwa im hintersten Winkel des Kongo oder auf Bora Bora gepflegt, sondern ist fester Bestandteil von Subkulturen in unserer ach so zivilisierten, westlichen Gesellschaft. Nicht nur bei Juden, sondern auch in vielen Teilen Amerikas und dort beispielsweise auch bei Protestanten oder sonst was…

In meinem Begriffsverständnis ist doch aber Kindesmissbrauch - und ja, ich wage es, eine Beschneidung hiermit praktisch gleichzusetzen - die absolut schlimmste Straftat der Welt.
Also… Wo zum Henker sind die ganzen Leute, die mich auf Facebook mit ihren Forderungen nach Todesstrafe für alle nerven, die jemals ein Kind auf dem Schoß hatten und Hoppe-Hoppe-Reiter gespielt haben (ja, ich überdramatisiere, fuck you!), wenn es um diese Sache geht, dafuq??
Wo sind die Lynchmobs, die sich der Eltern dieser armen Kinder annehmen, denen verdammt noch mal am Schwanz rumgeschnitten wird, weil die Ollen einen Dachschaden haben? Wo sind die Polizisten, die diese Leute vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag schleppen, weil es hier verfickt noch eins um Verletzungen der Menschenrechte geht??

Welche?
Na, wie wäre es mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung? Freie Entfaltung der Persönlichkeit? Fucking Menschenwürde?!?

Ich weiß… Es gibt noch immer reichlich Leute, die der Meinung sind, es wäre ihre Angelegenheit, über die sexuelle Ausrichtung ihrer Kinder zu bestimmen. Und wohl so ziemlich alle Leute versuchen, ihr eigenes Wertekonstrukt an ihre Kinder weiterzugeben.
Bestenfalls als Vorschlag, den das Kind annehmen kann oder nach seinen Vorstellungen verändern darf, schlechtestenfalls mit psychischer und/oder physischer Gewalt.
Ich frage jetzt gar nicht erst nach, wo eigentlich die Facebook-Lynchmobs bei dieser Art von Eltern stecken. Dergleichen gilt ja auch hierzulande oft noch als Erziehung und nicht als das, was es ist: gesellschaftlich akzeptierter und ratifizierter Kindesmissbrauch.

Aber mal von diesen Massen an Vollhonks abgesehen, sollte sich der vernünftig denkende Mensch, der das Wort Selbstbestimmung und das verbriefte Recht darauf auch nur im Ansatz begreift, doch an dieser Stelle bewusst sein, dass ein so massiver Eingriff in die Entwicklung, wie er hier geplant ist, wenn das Messer angesetzt wird, einfach nur Unrecht ist.
Mal davon abgesehen, dass es nicht einmal funktioniert, dafuq!! Es wirkt nicht und ist deswegen auch noch Stuss. Was aber natürlich niemanden davon abhält, es weiterhin als Tradition zu betrachten und darauf zu beharren.
Es ist so sinnvoll und nützlich wie die amerikanische Idee des ‚virginity pledge‘ - Jungfräulichkeitsschwurs - die letztlich nur dazu führt, dass die Eidleister sich nicht trauen, bei genitalen Problemen durch Sex auch zum Doc zu gehen, weil ja jeder weiß, dass sie geschworen haben, bis zur Ehe zu warten und sie sich nun schämen. Was die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten dann fördert und ungewollte Schwangerschaften zur Folge hat…

Ich frage mich echt, ob ich wirklich im einundzwanzigsten Jahrhundert lebe oder ob mir da jemand einen Bären aufgebunden hat.
Statt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und auf Aufklärung zu setzen, wird manipuliert, gezwungen und nicht zuletzt auch an den kindlichen Probanden, die sich nicht wehren können, herumoperiert. Aber das kann ja nicht fascho sein, weil es nicht primär nur Deutsche machen, oder wie…?

Ich bin jedenfalls mal absolut dagegen. Ich finde es mit sofortiger Wirkung nicht mehr strange und irgendwie überflüssig, keinen Kindern am Schwanz rumzuschneiden, sondern verbrecherisch. Und missbräuchlich.
Ich finde alle, die die ihren Kindern sowas antun, gehören vor Gericht. Egal, ob sie sich nun der Idee dahinter bewusst waren oder nicht. Unwissenheit schützt schließlich nicht vor Strafe und außerdem informiere ich mich ja wohl eingehend, bevor ich meinem Kleinen irgendwas abschneiden lassen.
Selbst wenn alle in der Familie das gut finden und auch der Rabbi oder sonstwelche Gestörten mir sagen, dass ‚datt so muss‘.

Ich bin gegen Kinderfolter, wie ich auch gegen Mussbrauchstaten bin. Und für mich ist das hier sogar noch eine Stufe schlimmer, weil es einfach akzeptiert wird. Keiner sagt so richtig was dagegen, weil es ja eine kulturelle Eigenheit ist.
Fuck you! Von wegen Eigenheit!

Es wird leider noch immer allen möglichen Kindern von ihren Eltern eine Riesenmenge Scheiße ins Hirn gedrückt. Und gegen vieles davon lässt sich nichts unternehmen, auch wenn es schrecklich ist, sich vorzustellen, als womöglich transsexuelles Kind in einem erzkatholischen Dorf aufzuwachsen. Über das Trauma kommt man wahrscheinlich lebenslang nicht weg…
Aber tätliche Übergriffe auf Kinder - und Beschneidungen zählen dazu - können doch wohl verhindert werden. Da gibt’s verfickte Gesetze gegen. Warum greifen die hier nicht, dafuq??

Das Kindeswohl, liebes Bundeskabinett - das sich 2012 dem Thema zuwandte und regelte, dass es nur durch Ärzte und mit Betäubung geschehen darf - IST gefährdet, wenn Eltern ohne medizinische Notwendigkeit beschließen dürfen, ihren Sprösslingen Stücke des Körpers wegschneiden zu lassen.
Wer das nicht glaubt, der darf sich gerne mal mit Klebeband die Vorhaut zurückgezogen festtapen und dann einen ganz normalen Tag verleben. Oder - sofern weiblich - was dort im Slip platzieren, wo es bei jeder Bewegung auf die Klitoris drückt.

Das ist das Gefühl, dem die Knirpse nach dem Eingriff zwangsweise ausgesetzt werden. Nebst allen Risiken eines solchen Eingriffs und einer Narkose und sonstwas.
Da müssen diese Kids dann durch. Und zwar für den Rest ihres Lebens. Ohne Rücksicht darauf, ob sie vielleicht eine überdurchschnittlich sensible Eichel haben mögen. Fuck… Ohne Rücksicht darauf, ob sie das wollen!
Und weit, weit vor dem Zeitpunkt, wo sie die Gesamtfunktion ihres Penis auch nur ansatzweise einschätzen können. Weit, weit vor dem Zeitpunkt, wo man von einer informierten und freiwilligen Einwilligung sprechen könnte.

Ich will da ganz ehrlich sein: Es schert mich einen Scheiß, was der jüdische, muslimische oder protestantisch-beschneidungsfreudige Einzeltäter dazu zu sagen hat. Es kratzt mich einen Dreck, ob sich da jetzt jemand in der Ausübung einer Religion oder Tradition eingeschränkt sieht.
Religionen und Traditionen kann jeder am eigenen Körper ausleben, wenn er oder sie erwachsen ist. Wer sich dann irgendwo rumschnibbeln lassen will - bitteschön.
Aber lasst die Finger von euren Kindern, dafuq! Die können sich nicht wehren und haben es so schon schwer genug, weil sie zwangsläufig von euch und eurem kranken Gedankengut, das Kindesfolter als akzeptabel einstuft, vergiftet werden.


In diesem Sinne…

…ein Hoch auf die Menschenrechte, die sogar von ihren Erfindern nicht beachtet werden und auch sonst kein Schwein interessieren, wenn Tradition oder Religion im Weg stehen.

Mittwoch, 5. März 2014

Toughts on - Flow

Und ich spinne nicht! :-D

Ich habe schon des Öfteren versucht, Leuten ein ganz bestimmtes Erlebnis zu beschreiben, das ich gelegentlich beim Schreiben habe. Und ich habe dazu einen Begriff benutzt, der mir einfach passend erschien. Oder den ich mal irgendwo aufgeschnappt haben mag und der zum Kontext passte.
Letzteres erweist sich gerade als recht wahrscheinlich, wie ich erfahren durfte.

Die Rede ist von dem, was offenbar nicht nur ich den ‚Flow‘ nenne.
Ein Zustand, in dem ich nicht mehr gezielt einzelnen Gedanken folge oder über die Umsetzung in schriftlicher Form nachdenke, sondern einfach nur noch schreibe und es gewissermaßen aus mir heraus fließt. Und in dem ich völlig Zeit und Raum vergesse und ganz und gar im eigentlichen Schreiberlebnis gefangen bin.
Und offenbar ist das ein durchaus gut dokumentiertes und gar nicht so seltenes Phänomen.
Hier ein Link zum Thema zur Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)

Für mich ist bei dieser Sache entscheidend, dass ich mir der Geschichte, die ich da entfalte, bewusst bin. Dass ich weiß, was ich da eigentlich erzähle und entweder einen fixen Endpunkt habe, auf den ich mich dann zubewegen kann oder für mich das Ende ganz und gar offen ist und sich völlig frei entfalten darf.
Offensichtlich muss ich dazu außerdem die Charaktere kennen. Aber scheinbar muss ich nicht erst ausknobeln, wie sie auf bestimmte Dinge reagieren, sondern bewältige diese Fragen direkt im Schreibprozess. Was die Theorie unterstützt, dass für mich meine Charaktere durchaus mit realen Personen vergleichbar sind, deren Reaktionen auf bestimmte Ereignisse ich sicher vorhersagen kann.
Und ebenfalls offensichtlich ist, dass ich störungsfrei dabei sein muss. Tatsächlich machen mit Störungen sogar ziemlich stinkig, wenn ich in diesen Zustand gerate und dann aus ihm herausgerissen werde. Das ist… ein Verlust, möchte ich sagen. Wie wenn ich aus einer wunderbaren Situation heraus gerupft werde.

In dem Beitrag in der Wikipedia wird das Thema Sucht angesprochen. Der Psychologe, der das Thema wohl erstmals wissenschaftlich ergründet hat, spricht von einer ‚positiven Sucht‘.
Das kann und will und muss ich so unterschreiben, denn es ist wirklich ein suchterzeugendes Gefühl in diesen Flow zu geraten und es zu erleben. Es ist erfüllend, befriedigend und erhebend und danach stellt sich zwar eine leichte… ‚Ausgelaugtheit‘ ein, weil viel Kreativität in den Schaffensprozess geflossen ist, aber auch ein wirklich schönes Gefühl der Zufriedenheit, gepaart mit einem leisen Bedauern darüber, dass es vorbei ist.
Diese Sucht ist mir also mehr als recht. Ich bin gerne ein Flow-Junkie. ;-D

Angestoßen wurden meine neuesten Überlegungen in dieser Hinsicht von der wunderbaren Lydia Benecke - der Frau des recht bekannten Mark Benecke. Als Psychologin bringt sie öfter ziemlich interessante Themen auf und ich bin ihr dafür wirklich dankbar.
Bis zu einem gewissen Punkt dachte ich nämlich, dass ich… naja… spinne.

Ich meine… Ich weiß wohl, dass ich bestimmte ‚transzendente‘ Erfahrungen beim Schreiben und auch bei anderen Tätigkeiten, die gewissermaßen (siehe Wiki-Artikel) passend zwischen Unter- und Überforderung lagen, gemacht habe. Aber wenn ich anderen davon erzählt habe, haben die oft geguckt wie Autos, nur nicht so schnell…
Jetzt habe ich quasi den wissenschaftlichen Beleg dafür, dass ich nicht allein dastehe. Und das ist zwar völlig unwichtig, aber dennoch ein gutes Gefühl.

Die Frage, die ich für mich noch nicht beantworten kann, ist die Frage nach der Motivation.
Wieder auf den Wiki-Artikel zurückgreifend, kann ich ziemlich sicher sagen, dass ich entweder intrinsisch oder selbstbestimmt extrinsisch motiviert bin. Ich tue es also entweder um der Sache willen (des Schreibens und Erschaffens von Fantasiewelten) oder freiwillig und gerne aufgrund der Tatsache, dass das Ergebnis geschätzt wird.
Da ich nicht frei von dem Wunsch nach Anerkennung für meine Schreiberei bin, ist es vielleicht Zweiteres, aber manchmal würde ich schon sagen, dass ich allein um des Schreibens willen schreibe. Zumal mir gerade im Schaffensprozess oft egal ist, welche Zielgruppe eigentlich damit etwas anfangen können wird und ich es allein um meiner persönlichen Beschäftigung mit dem Thema willen eine Sache angehe.

Ich habe keine Ahnung, ob das überhaupt für irgendwen von Bedeutung ist, außer für mich. Aber wenn ich über so etwas nachdenke, spielen derartige Überlegungen durchaus eine Rolle und ich gehe der Frage eben nach.
Und wer das hier liest, muss da eben durch… ;-P

Für andere finde ich das Thema deswegen interessant, weil diese Form von Erlebnis eben nicht nur auf eine Tätigkeit wie das Schreiben beschränkt ist. Wer den Wiki-Artikel gelesen hat, ist sicherlich darüber gestolpert, dass es beispielsweise etwas ist, was bei Computerspielen schon herstellerseitig versucht wird anzubahnen.
Und ausnahmsweise kann ich daran mal gar nichts Schlechtes finden. Für den Spieler ist es ein wunderbares Erlebnis und für die Spielehersteller ist es verkaufsfördernd, weil sie ja die Weichen dafür gestellt haben. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Alle gewinnen, keiner verliert.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieser Art von Empfindung gegenüber zu öffnen, weil es einfach großartig ist.
Ich verstehe, weswegen beispielsweise auch von einem Flow bei Sinneseindrücken gesprochen wird. Schöne Bilder, schöne Geräusche, schöne Gerüche oder Empfindungen. Ja, das kann ich nachvollziehen.
Und ich fürchte, in unserer Welt der Hektik nehmen sich viel zu wenig Leute die Zeit, so etwas auch wirklich zu genießen. Einfach mal alles stehen und liegen zu lassen um einen Sonnenuntergang oder ein Musikstück voll und ganz - von Anfang bis Ende - auszukosten und nichts weiter zu tun, als das zu genießen.
Die Leute denken heutzutage leider viel zu oft, sie müssten zumindest alibimäßig nebenher etwas Sinnvolles tun. Und berauben sich damit eines wirklich tollen Erlebnisses.

Also tu das nicht. Lass dich nicht berauben. Wenn etwas deine Sinne mit Beschlag belegen will, was du genießen kannst - oder wenn du völlig in einer Tätigkeit aufgehen kannst - dann… Warum dafuq nicht!?!
Wenn nicht gerade irgendwelche Menschenleben oder Jobs davon abhängen, kann keiner was dagegen sagen, wenn du mal völlig in einer Sache aufgehst. Und wer dennoch motzen will, ist ein Arsch und verdient keine Aufmerksamkeit.
Also gib dem Flow eine Chance. Gib DIR eine Chance einen Flow zu erleben. In welchem Zusammenhang und bei welcher Tätigkeit auch immer.


In diesem Sinne…

…fröhlichen Genuss eines wunderbaren Moments. :-D

Freitag, 7. Februar 2014

Regenbogenmomente - Ein guter Ort… zum Sterben

Eines vorweg: In den nächsten Posts von mir kann es um den Tod und das Sterben gehen, wie es uns allen blüht. Nicht abstrahiert, wie es in den Nachrichten passiert, sondern nah, weil es um Familienangehörige und dergleichen geht.
Und wie ich in den letzten Wochen erneut bestätigt bekommen habe, geht jeder Mensch mit dem näher rückenden Tod anders um. Wenn du also zu den Leuten gehörst, die sich damit nicht gern beschäftigen und das Thema von sich schieben, dann schieb das Weiterlesen bitte auch von dir.
Und das meine ich weder vorwurfsvoll, noch ironisch, sarkastisch oder zynisch. Ich urteile nicht darüber, wie Leute sich mit dem Tod auseinandersetzen. Ich spreche nur für mich und nicht für andere. Und ich habe auch allerhöchstens für diejenigen neue Perspektiven anzubieten, die eben wirklich bereit sind, sich damit zu konfrontieren.


Zur Sache:
Jemand in meinem Umfeld ist gestorben. Und zwar nicht überraschend, sondern zumindest seit Anfang Januar absehbar. Da kam es nämlich zu einer erneuten Hirnblutung bei der Mutter einer Person, die mir sehr, sehr wichtig ist. Und dieses Mal war dann klar, dass nicht - wie bei den Malen in den drei Monaten davor - noch Hoffnung besteht.
Bei dieser erneuten Blutung stand von Anfang an im Raum, dass der Tod nun zu einer Wahrscheinlichkeit wird, die sich zur Gewissheit entwickelt. Keine Eventualität mehr. Und auch kein Risiko, wegen der Operationen. Es wurde klar, dass es wieder passieren würde und dass es zu Ende geht.

Den Zwischenfall an sich überstand die Frau dank einer Notoperation. Und aus dem künstlichen Koma erwachte sie - falls man von Wachsein da noch sprechen konnte. Ansprechbar oder zur Kommunikation fähig war sie nämlich nicht. Und wie gravierend die Schädigungen des Hirns nun letztendlich waren, wird man niemals mehr erfahren.
Wäre aktive Sterbehilfe in Deutschland erlaubt, wäre sie eine Kandidatin gewesen. Das nächste Aneurysma stand ihr im Grunde schon bevor. Auch wenn niemand mit Bestimmtheit sagen konnte, wann es passieren würde, war schlussendlich klar, dass mit den Adern in ihrem Kopf etwas nicht mehr stimmte.

Nachdem die Behandlung im Krankenhaus soweit abgeschlossen war, fiel deswegen die Entscheidung, sie in ein Hospiz zu verlegen. Das ist ein privat- und/oder spendenfinanziertes Pflegeheim, wo Leute zum würdevollen Sterben hingehen. Und dieser Ort ist der Anlass dafür, dass ich diesen Post den Regenbogenmomenten zuordne.

Es mag grausam klingen, jemanden an einen Ort zu bringen, wo er oder sie sterben soll. Es mag Leute geben, die immer der Meinung sind, Leben sollte erhalten werden. Koste es, was es wolle. Aber diese Leute sollen erst einmal eine solche Situation erleben und dann reden wir weiter.
Der Tod war eine Gewissheit und keine Möglichkeit mehr. Nur der Zeitpunkt stand noch nicht fest. Der Standpunkt der Patientin zur Sache war klar. Sie hatte sich vor ihrer ersten Hirnblutung und auch danach, als sie zunächst auf dem Wege der Besserung zu sein schien, absolut deutlich dazu geäußert und auch eine Patientenverfügung lag vor.
Es war keine willkürliche Entscheidung irgendwelcher Angehöriger oder Ärzte. Aber selbst wenn es das gewesen wäre, wäre es ein Akt der Gnade gewesen.

Ich selbst hatte in dieser ganzen Geschichte nicht die Rolle eines trauernden Angehörigen, sondern eines tröstenden Freundes und Partners. Und deswegen sind mir die Begleitumstände besonders deutlich aufgefallen, zumal ich mit dem Tod nicht auf Kriegsfuß stehe und mein Mitgefühl sehr spezifisch auf Personen und unmittelbare Situationen geeicht ist.
Das soll heißen, dass ich jederzeit jemanden stützen kann, der gerade zusammenbricht, wenn mir diese Person nahe ist. Und ich fühle dann auch ihren oder seinen Schmerz. Aber der Umstand, dass da jemand im Sterben liegt, stürzt mich nicht an und für sich in Verzweiflung.

Durch diese Rolle als Begleiter der allernächsten Angehörigen war ich aber vor Ort und konnte alles live und in Farbe miterleben. Und ich durfte einen Ort kennenlernen, wie ich noch nie einen gesehen habe. Einen Ort, der mich zutiefst beeindruckt hat und vor dessen Mitarbeitern ich nicht einfach den Hut ziehe, sondern mit tief verneige und den Kniefall mache, weil sie tausend Mal besser Menschen sind, als ich es je sein könnte.
Es fällt mir schwer, diesen Ort mit einfachen Worten zu charakterisieren, weil er einfach so weit jenseits der üblichen Bezugsrahmen liegt. Er ist idyllisch, harmonisch, pietätvoll, warm, freundlich und schön. Aber das trifft es einfach nicht wirklich. Es wird ihm nicht gerecht.

Stell dir vor, du gehst an einen Ort, wo ein Mensch liegt, der dir so nahe steht wie eine… sagen wir eine vertraute Tante. Und du weißt bereits, dass sie halbseitig gelähmt ist, kaum ein verständliches Wort herausbringt und vermutlich sowieso niemanden mehr erkennt.
Aber sie liegt nicht in einem Krankenhausbett. Sie ist nicht festgeschnallt, weil sie mit dem einen, noch beweglichen Arm Infusionen oder die künstliche Ernährung ziehen könnte, denn von diesen Dingen ist sie frei. Und sie liegt in einem Zimmer, das mehr einem liebevoll eingerichteten Hotelzimmer oder noch eher einem Raum in einer kleinen, familiären Pension gleicht.
Sie liegt da und irgendwer kümmert sich darum, dass der CD-Player jederzeit neu bestückt wird, damit sie sanfte Musik hört und die Kerzen niemals verlöschen. Du kannst dort nachts um drei Uhr ankommen und es wird so sein. Du kannst dich darauf verlassen, auch wenn es in der Nacht nur eine Aufsichtsperson gibt.

Du kommst in dieses Gebäude und egal zu welcher Zeit werden sich alle Mitarbeiter dort - die teilweise ehrenamtlich diesen unfassbaren Job machen - mit einem liebevollen Lächeln begrüßen. Kein nettes Grinsen oder unangemessenes Lachen, sondern ein mitfühlendes Lächeln, das dir Mitgefühl auf unaufdringliche Weise signalisiert.
Wenn du dich sichtlich schwertust, sind sie bei dir und gehen mit dir. Reden sanft mit dir und begleiten dich auch gegebenenfalls zu der Person, die du besuchst. Und wenn du eine Pause brauchst und im Aufenthaltsraum Ablenkung suchst, ist da jemand, der ganz normale Gespräche mit dir führt und eventuell sogar mit dir scherzt, ohne dabei jemals die Grenzen der Schicklichkeit zu überschreiten.

An diesem Ort war es IMMER leise. Niemand hat jemals die Stimme gehoben. Keine harschen Worte sind gefallen. Auch nicht unter den Mitarbeitern und selbst dann nicht, wenn mal etwas nicht ganz rund lief.
Es war so harmonisch, dass ein herunterfallender Gegenstand wie ein startender Düsenjäger auffiel. Dass man eine Nadel hätte fallen hören können, selbst wenn mehrere Leute anwesend waren.

Ich kann kaum zum Ausdruck bringen, wie unglaublich beeindruckt ich von Menschen bin, die FREIWILLIG andere Leute beim Sterben begleiten. Die tagtäglich dem Verfall zusehen und neben der notwendigen Pflege für kranke Menschen auch noch Aufmerksamkeit geben. Sich um die oft alten Leute kümmern, mit ihnen reden und ihnen auf eine Weise begegnen, die selbst den wirklich schlimm erkrankten die Würde lässt.
Binnen acht Tagen starben dort acht oder neun Leute. Und man bekam davon kaum etwas mit, wenn man nicht selbst betroffen war. Aber die Mitarbeiter waren demnach im Grunde täglich mit dem Tod konfrontiert. Und sie haben trotzdem ihren Job auf eine Art gemacht, die sich in keinem Arbeitszeugnis auch nur ansatzweise würdigen ließe.

In meinen Augen nehmen diese Menschen für die Betroffenen wie für die Angehörigen dem unvermeidlichen Tod den Schrecken. Dank ihnen ist dieses Hospiz ein guter Ort zum Sterben. Und ich verzweifle fast daran, diesen Menschen meinen Dank nicht angemessen aussprechen zu können.

Ich will damit auch nicht die Arbeit der Pfleger und Pflegerinnen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen herabwürdigen. Dort finden sich ebenfalls aufopferungsvolle Menschen. Aber sie arbeiten in einem System, das innerhalb unserer Gesellschaft integriert ist.
In diesem Hospiz standen jedoch Effizienz und Wirtschaftlichkeit NICHT an erster Stelle. Dort DURFTEN die Mitarbeiter sich Zeit für ihre Gäste - ein eindeutiges Statement bei der Benennung der Patienten - nehmen. Keine Stoppuhr lief, wenn sie für die Körperpflege sorgten und es gab auch kein Drängen in irgendeiner Form, weil eines der zehn Betten so ‚lange‘ belegt war.
Für mich steht dieser Ort einfach jenseits der normalen Bewertungsskala. Eine Zwanzig auf der Skala von Eins bis Zehn. Und ich bin wirklich dankbar, dass ich das erleben durfte, auch wenn der Anlass natürlich durchaus ein anderer hätte sein dürfen.

Und deswegen waren die Besuche dieses Hospizes Regenbogenmomente. Umso mehr wegen des traurigen Anlasses. Und umso erstaunlicher, weil ich eine doch sehr kühle Einstellung dem Sterben gegenüber habe.
Ich werde kaum jemals vergessen, dass eine Stunde und zwanzig Minuten nach Eintreten des Todes das Zimmer und die Verstorbene hergerichtet waren, obwohl es mitten in der Nacht passierte und eine Person sich darum allein und neben ihren Aufgaben kümmern musste.
Und wenn man davon sprechen kann, einen Raum mit einer Toten zu betreten und eine POSITIVE Schwingung zu fühlen, dann in diesem Fall. Nur ich selbst kann ermessen, wie erstaunlich es ist, dass mich das so nachhaltig bewegt hat, wo ich doch tote Körper als totes Fleisch betrachte. Und deswegen sage ich, dass es eben wirklich außergewöhnlich war.

Ich bin nicht zufrieden damit, wie wenig all diese Worte die Aura dieses einzigartigen Ortes transportieren. Und ich wünschte, ich könnte mich noch mehr darüber auslassen und meinen Bezugsrahmen vermitteln.
Ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der sich von Orten leicht einfangen lässt. Ich spüre nicht die Last des Leidens bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz, sondern vollziehe lediglich verstandesmäßig nach, was dieser Ort bedeutet. Und ich spüre auch nicht mehr als eine gewisse architektonische Ehrfurcht in alten Kirchengebäuden.
Aber dieses Hospiz - oder vielmehr die Menschen, die den Ort zu dem machen, was er ist - haben mich fühlen lassen, wo ich mich befand. Auf eine nachhaltig positive Weise.
Ein wirklich guter Ort zum Sterben.


In diesem Sinne…
…jeder kann mithelfen, indem er so einem Hospiz anbietet, was immer der Einzelne zu leisten imstande ist. Ob nun Hilfe im Garten oder auch einfach nur ein paar Besuche für einen der Gäste, damit diese Leute Gesellschaft genießen können.

Ruhig mal drüber nachdenken…