Samstag, 21. Februar 2015

Ranting about - Opferhass

Nehmen wir mal an, ich würde die Behauptung aufstellen, dass ein junges Mädchen beschlossen habe, von zu Hause wegzulaufen und ein neues Leben mit ihrem Lover anzufangen. Bis hierhin vielleicht eine Geschichte, wie sie gar nicht so selten passiert, nicht wahr?
Fügen wir dem Ganzen noch die Info hinzu, dass die Kleine zehn Jahre alt ist, und betrachten es erneut. Ich nehme doch mal stark an, dass spätestens jetzt überwiegend Unglaube die Gesichter ziert. Ich würde jedenfalls mit mindestens sieben gleichzeitig hochgezogenen Augenbrauen auf so ein Szenario reagieren. Andere behaupten aber faktisch nichts anderes als das.

Wer auf Zack ist, denkt jetzt bereits an Natascha Kampusch - und ist goldrichtig. Ich habe gerade ihr Buch gelesen und jetzt muss ich über das Drumherum um diesen sogenannten Fall ein paar Worte loswerden. Gleich, nachdem ich meine Tränen getrocknet habe - und das ist kein blöder Witz, denn einiges in dem Buch hat mich nicht nur fürchterlich erschüttert, sondern auch zu Tränen gerührt.
Nicht die Umstände der Entführung, wohlgemerkt. Darauf war ich durchaus vorbereitet, als ich dieses Buch - 3096 Tage - zur Hand nahm. Auch wenn mich die schieren Zahlen der Gewaltanwendungen, von denen es berichtet, ganz schon geschockt haben. Aber was mich wirklich betroffen gemacht hat, war der kleine Blick auf das Nachspiel und auch die Ablehnung, die einem abgemagerten, achtzehnjährigen Mädchen entgegenschlug, das auf der Straße Leute darum bat, für sie die Polizei zu rufen. Wieder einmal Gründe, sich für die Zugehörigkeit zur menschlichen Spezies gehörig zu schämen.
Aber das soll gar nicht mal mein Thema sein. Mir geht es um das, was kürzlich mit dem Erscheinen des Films zum Fall wieder einmal hochkochte und was ich nur Opferhass nennen kann.

Googelt man ‚Natascha Kampusch heute’, stolpert man an dritter Stelle über einen Link, unter dem sich ein offenbar selbsternannter Investigativ-Journalist darüber auslässt, wieso die Schilderungen von Natascha offensichtlich lückenhaft und vor allem zweifelhaft sein müssen.
Da ist zum Beispiel die Rede davon, dass die Mutter des Täters von ihrem Sohn behauptet, er könne einem Mädchen niemals etwas angetan haben. Und wir alle wissen ja, wie hieb- und stichfest so eine Aussage ist. Auch davon, dass Natascha selbst sexuelle Kontakte nicht als Vergewaltigung bezeichnen wollte, ist da die Rede. Aber nicht etwa davon, was sie selbst dazu sagt.
Aber hey… Wenigstens wird nicht zu offensichtlich in Frage gestellt, dass sie tatsächlich entführt wurde. Glaube ich jedenfalls, denn ganz gelesen habe ich den riesigen Haufen Fledermausscheiße nicht. Das hat mir Kopfschmerzen und Übelkeit bereitet.

Ich will hier jetzt gar keine Verschwörungstheorien aufgreifen. Stattdessen gehe ich lieber mit ganz banaler Logik und einem gewissen Hintergrundwissen aus dem Bereich Psychologie an die Sache heran und bin mir sicher, dass mir namhafte Psychologen dahingehend nicht widersprechen würden:
Eine Zehnjährige wird entführt. Sie wird über acht Jahre lang gefangen gehalten und befindet sich völlig in der Hand ihres Entführers, der an ihr seine Allmachtsphantasien abreagiert. Es ist völlig logisch, dass sich eine Beziehung zwischen Opfer und Täter entwickelt und Natascha schildert genau das in ihrem Buch.
Interessanterweise finde ich übrigens hier und da sehr auffällige Parallelen zwischen einigen ihrer Gendanken und denen einer Frau namens Debbie Moore - sie schrieb ein Buch mit dem Titel ‚Ich war ein Opfer des Dead Man Walking‘ und es geht um ihre Bewältigung einer Vergewaltigung. Ich bin kein Psychologe, aber es erscheint mir ziemlich logisch, dass sich hier Übereinstimmungen entdecken lassen, denn Missbrauch und Machtlosigkeit sind in beiden Fällen ein zentrales Thema.
Aber zurück zu Natascha Kampusch. Sie war zehn - Z-E-H-N - Jahre alt. Sie ist nicht weggelaufen, um mit ihrem Lover ein neues Leben anzufangen. Sie wurde entführt und war einem paranoiden, vermutlich narzisstischen, vermutlich reichlich psychopathischen Mann für über acht Jahre ausgeliefert. Sie beschreibt selbst, wie und wieso sie eine Beziehung zu ihm aufbauen musste und konnte, die nicht nur auf Hass basierte - zum Überleben.
Wie es ein österreichischer Gerichts-Psychologe ausdrückte, den ich hier mit meinen eigenen Worten zitiere: Natürlich gab es sexuelle Kontakte. Der Täter wollte eine ‚perfekte Sklavin‘ und die Beziehung hätte enger nicht sein können, was nichts über Freiwilligkeit aussagt. Die Parallelen zu häuslicher Gewalt sind so überwältigend unübersehbar, dass ich jeden, der sie nicht erkennt, nur als Idioten bezeichnen kann. Und auch in solchen Fällen gibt es Sex und es besteht ein Anschein von oberflächlicher Freiwilligkeit.

Was ich bei dieser ganzen Sache sehe ist tatsächlich das, was wiederum Natascha in ihrem Buch beschreibt: Die Leute können nicht damit umgehen, dass sie den Täter nicht verteufelt. Sie können nicht begreifen, dass sie sechzehn- oder siebzehnjährige Natascha Möglichkeiten nicht voll ausgenutzt hat, die ihr zur Flucht hätten verhelfen können.
Warum? Weil sie Angst haben, es könnte ihnen ebenso ergehen. Weil sie für ihre anscheinend so heile Welt eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse brauchen. Und weil ein Opfer, das die ganzen Wegseher und Ignoranten, aus denen unsere Gesellschaft besteht, mit der Nase in ihre halbabsichtliche Blindheit stößt, unbequem ist.

Mir ganz persönlich machte im ganzen Buch eine bestimmte Stelle am meisten zu schaffen - und die veranschaulicht ganz gut, wovon ich spreche:
Die zu der Zeit sechzehn- oder siebzehnjährige Natascha wird zum ersten Mal von ihrem Entführer in einen Baumarkt mitgenommen. Zu der Zeit ist sie bereits so fest in seinem Griff, dass sie völlig eingeschüchtert ist. Aber selbst wenn sie es nicht wäre, müsste sie schon aus aller Kraft um Hilfe schreien, um jemanden auf sich aufmerksam zu machen, weil die Leute sie und den unauffälligen Mann hinter ihr einfach ignorieren. Sie ist nur ein möglicherweise zu dürrer, möglicherweise zu schüchterner Teenager, aber das… geht sicherlich niemanden was an. Ein Verkäufer, der fragt, ob er irgendwie behilflich sein kann, widmet ihr kaum eine Sekunde Aufmerksamkeit. Und da ist er nicht der Einzige…
Mich schockiert daran, dass ich vielleicht in meinem Leben schon an Menschen vorbeiging, die verzweifelt auf Hilfe hofften aber nicht fähig waren sie zu erbitten. Vielleicht habe ich schon einmal nicht in dem Moment hingesehen, wo jemand völlig verzweifelt den Blick schweifen ließ und Augen um Hilfe flehten. Vielleicht hätte ich schon einmal jemanden aus einem solchen Martyrium retten können, habe es aber nicht bemerkt.
Und was denkst du dabei? Gehörst du zu denen, die froh sind, wenn sie in sowas nicht reingezogen werden? Schaust du deine Mitmenschen an und bist der Möglichkeit gegenüber offen, dass sie deine Hilfe benötigen könnten?

Ich kenne die Antwort, die fast jeder sofort geben würde: Klar doch! Aber wo sind all die ‚Klar dochs‘, wenn ein Kind im Supermarkt von seinen Eltern zusammengeschissen wird?
Ah, ich weiß schon. Die mischen sich nicht ein, weil dann vielleicht das Kind noch mehr Ärger bekäme, wenn es erst einmal daheim ist. Und weil sie nicht wüssten, was sie genau tun sollten…
Dazu kann ich nur sagen: Fuck you too!

Ch habe mit Leuten, die ich für durchaus vernünftig halte, genau über solche Dinge diskutiert. Und ich weiß selbst nie genau im Voraus, was ich tun soll, wenn ich mit dieser gesellschaftlich akzeptierten Form von Missbrauch konfrontiert wäre. Aber untätig bleibe ich ganz sicher nicht.
Mag sein, dass ein Kind oder eine Frau unter der Fuchtel eines aggressiven Mannes oder auch ein Mann unter der Fuchtel einer aggressiven Frau zu Hause noch mehr Ärger bekommt, wenn ich mich einmische. Aber wenn es nicht meine Einmischung ist, dann kriegt das Opfer vielleicht Prügel, weil das Wetter scheiße ist. Irgendein Anlass findet sich bei Gewalt und Missbrauch sowieso immer.
Ändern kann ich es nur, wenn ich eingreife. Wahrscheinlich kann ich kaum helfen, aber vielleicht ja doch. Vielleicht biete ich ein einziges Mal einem Menschen, der seit Jahren in einem psychischen Gefängnis eingesperrt ist, einen Ausweg, indem ich einschreite. Dafür würde ich sogar Prügel in kauf nehmen, dafuq!

Und wenn dem dann so wäre und ich helfen könnte, denn würde ich wohl dem erst einmal befreiten Opfer auch noch weiter meine Hilfe anbieten. Und sei es nur, weil Opfer in unserer Gesellschaft unerwünscht sind. Eine Runde Mitleid und dann muss gut sein. Wenn sie zu anstrengend werden, überschüttet man sie lieber mit Ablehnung.
Ich hab schon gelegentlich darüber geschrieben, dass sowas durchaus zur Schaffung neuer Täter führen kann. Hier will ich nur hinzufügen, dass ich mich nicht abwende, wenn jemand meine Hilfe wirklich will. Ich gebe lediglich dann auf, wenn jemand nicht bereit ist, sich helfen zu lassen und von seinem Recht auf Selbstbestimmung als Erwachsener Gebrauch macht, denn dann bin ich machtlos, egal wie deutlich ein Missbrauch auch sein mag.

Das ändert aber nichts daran, dass ich im Grunde den Menschen, die Täter als pure Teufel darstellen und Opfern das Maul verbieten, mit Verachtung begegne. Diese Leute sind schlimmer als Missbrauchstäter, denn so ein Täter ist immer auch ein Mensch mit einer Vorgeschichte, deren einzelne Elemente ihn so sehr verformt haben, dass er zum Täter wurde. Täter sind in gewisser Weise krank und manchmal sogar hilflos ihren Impulsen gegenüber.
Aber welche Ausrede haben die ‚Normalen‘ für ihre Ignoranz? Sie sind Mittäter durch Wegsehen und Zulassen. Sie sind die Gaffer bei Autounfällen, die den Rettern den Weg versperren. Sie sind Aasgeier und eben aufgrund ihrer Normalität immer dann mitschuldig, wenn sie nicht hingesehen haben, als etwas geschah.
Und leider… leider, leider sind sie in der Überzahl.

Natascha Kampusch hat Achtung verdient. Debbie Moore hat Achtung verdient. Steffi, deren weiteren Namen ich hier nicht nenne, die ich aber mal sehr, sehr gut kannte, hat Achtung verdient.
Sie waren alle Opfer, aber sie haben überlebt. Sie tragen Narben, aber sie stehen noch. Und sie werden niemals - niemals - wegsehen, wenn anderen etwas angetan wird. Sie wissen, wie sich das anfühlt. Sie werden helfen.
Was haben die Kritiker einer Natascha Kampusch hingegen vorzuweisen? Was soll der Scheiß überhaupt, in ihrer Geschichte nach möglichen Lücken zu suchen? Hat die Frau nicht genug durchgemacht?

Ist ihr Buch die absolute Wahrheit? Ganz bestimmt nicht. Es gibt nämlich keine absolute Wahrheit und ich würde nie von einer Erwachsenen erwarten, mir minutiös und absolut wahrheitsgetreu ihre Erlebnisse als Zehnjährige wiederzugeben.
Aber ich muss nicht erst ihr erstes Interview nach ihrer Selbstbefreiung sehen, um ihr zu glauben, was sie berichtet. Es gibt keinen Zweifel daran, dass sie gefangen gehalten wurde. Und sie hat getan, was nötig war, um das zu überleben. Einschließlich zu lernen mit dem Täter auszukommen.
Aber sie hat nicht aufgegeben und ist schließlich entkommen. Dafür verdient die Frau nen verdammten Orden und keine Anfeindungen oder Verschwörungstheorien.

Ist ihre Geschichte insgesamt glaubwürdig?
Unsere Welt wäre wohl ziemlich am Arsch, wenn man bei einer achtjährigen Entführung nur noch mit den Schultern zucken würde, weil es so gewöhnlich ist.
Als Geschichtenschreiber weiß ich so einiges über Glaubwürdigkeit. Beispielsweise, dass ich in Geschichten niemals die blanke Wahrheit verwenden kann, weil die keiner glaubt. Die Wahrheit ist immer am wenigsten glaubwürdig. Vor allem, wenn sie unbequem ist.
Und die Wahrheit ist, dass so ein Wolfgang Priklopil in sehr vielen von uns steckt. Jeder von uns kennt einen, der vielleicht nur ein oder zwei Tiefschläge des Lebens davon entfernt ist, so einer zu werden. Manche von uns werden genau das tun, auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen. Andere kriegen haarscharf die Kurve.

Wir sind keine sehr liebenswerte Spezies. Aber wir haben ein Gehirn das uns befähigt, uns solchen Impulsen zu widersetzen, wenn es uns auch erst befähigt,uns solche Grausamkeiten auszudenken. Die Wahl liegt bei jedem selbst. Und damit ist nicht nur die Entscheidung über das eigene Schicksal gemeint, sondern auch darüber, auf andere offenen Auges zuzugehen und helfende Hände anstelle von Tiefschlägen zu verteilen.
Wäre der überwiegende Teil der Menschheit nicht so ignorant und egoistisch, hätten wir nämlich viel weniger Gewalttaten. Nicht das Böse in den Tätern allein ist dafür verantwortlich, sondern auch die Kälte, mit der wir generell Außenseitern und Sonderlingen begegnen und durch die wir sie zusätzlich ausgrenzen und in noch tiefere Verzweiflung stürzen.
Bis sie schließlich durchdrehen und am Ende einer weint - der dann auch wieder ignoriert wird.


So. Das war vielleicht etwas unzusammenhängend und eher ein Rant, also mache ich auch einen daraus.
Und vielleicht bringt es ja jemanden zum Nachdenken.

Im diesem Sinne…

…heute schon die Nachbarn die Kindern oder die Partner anbrüllen gehört? Oder kommen da nur Prügelgeräusche?

Dienstag, 20. Januar 2015

Dafuq des Tages - Lügenpresse = UNwort des Jahres?

Die Jury für das sogenannte Unwort des Jahres hat ihre Entscheidung für 2014 kürzlich getroffen. Sie wählte einen Begriff, den die Herrschaften von Pegida sich gerne auf ihre Demonstrationsplakate geschrieben haben. Das Wort ist Lügenpresse.

Okay, meine allererste Reaktion dazu war: Wieso UNwort? Stimmt doch.
Es wurde nicht besser gemacht, als ich mir ansah, wer diese Jury eigentlich ist. Sprachwissenschaftler (ich weigere mich, hier ein gekünsteltes -Innen anzubasteln, weil man gendering und anti-gendering echt auch übertreiben kann) und ein Journalist. Aha. Trau, schau wem, huh? Ist ja irgendwie klar, dass ein Journalist das jetzt nicht so dolle findet.
Aber schauen wir uns die ‚Urteilbegründung‘ mal kurz näher an, damit sich eine etwas informiertere Entscheidung treffen lässt:
Das Schlagwort „war bereits im Ersten Weltkrieg ein zentraler Kampfbegriff und diente auch den Nationalsozialisten zur pauschalen Diffamierung unabhängiger Medien“, hieß es zur Begründung. „Mit dem Ausdruck „Lügenpresse“ werden Medien pauschal diffamiert. Eine solche pauschale Verurteilung verhindert fundierte Medienkritik und leistet somit einen Beitrag zur Gefährdung der für die Demokratie so wichtigen Pressefreiheit.“ (Zitat FAZ, bzw. Hauptverantwortliche der Jury.)

Hmm… Also ein Nazi-Wort, wenn ich das richtig verstehe? Das geht natürlich nicht. Worte, die von Nazis verwendet wurden, darf man nicht benutzen!
Okay, oder vielleicht doch, weil die auch normales Deutsch gesprochen haben, und wir sonst gar nicht sprechen dürften? Scheint wohl so, hm?

Meine Reaktion auf den zweiten Blick sieht nun also so aus: Wieso UNwort? Stimmt doch, dafuq!
Und ich betrachte das sogar als „fundierte Medienkritik“. Es ist nämlich eine Kritik daran, dass die Medien sich herausnehmen, uns kackdreist ins Gesicht zu lügen und das sogar teilweise zuzugeben, sich aber dafür dann nicht einmal zu entschuldigen. Ich erinner nur noch mal an den WDR und die Killerspiele-Doku.
Vergessen? Da haste Link: Youtube
Das ist jetzt EIN Beispiel, das ich belegen kann, weil ich mich daran noch erinnere. Andere Halbwahrheiten, eingefärbte Darstellungen, Fehl-Implikationen, Suggestiv-Formulierungen, Sublimationen und kackdreiste Lügen sind in den sogenannten Nachrichten allerdings auch an der Tagesordnung. Und zwar nicht nur in den VIP-News, was auch immer die in einer sogenannten ‚serösen Nachrichtensendung‘ verloren haben.
Die Behauptung, die Presse würde uns kackdreist in die Fresse lügen, ist keine Nazi-Propaganda und auch keine Pegida-Propaganda, sondern ein ziemlich ernster Vorwurf, den zufälligerweise auch radikale Flachwichser aufgreifen. Warum? Weil es verdammt noch mal so dermaßen offensichtlich ist, dass auch kleine Hirne es kapiert haben.

Das ist deswegen fundierte Medienkritik, weil es inhaltlich richtig ist und die Medien es mal begreifen sollten, dafuq. Einige - wenn auch vielsagenderweise ganz und gar nicht alle - Nachrichtenorgane verpflichten sich verfickt noch mal zu „wahrheitsgetreuer und sachlicher Berichterstattung“. Das ist aus den verdammten Programmgrundsätzen der Öffentlich-Rechtlichen zitiert. Und es schließt unsachliche Behauptungen, Panikmache und Suggestionen aus, dafuq!
Selbst ich, der sich nachweislich die Freiheit nimmt, sich über so einen Scheiß kräftig aufzuregen und Rants dazu zu schreiben, halte mich mehr an die Fakten, als diverse Nachrichtenmagazine, die ich nur anschaue, wenn ich mich mal wieder gehörig aufregen will. Man kann durchaus sagen, dass jeder, der einfach irgendwelche Nachrichtenmeldungen glaubt, ohne sie im Netz zehnfach zu überprüfen, ein leichtgläubiger Idiot ist.
Da ist es ja wohl irgendwie angemessen, das Stichwort Presselüge in den Raum zu werfen, dafuq! Das ist etwas, was sich diese Heckenpenner von Sensationsjournalisten - und damit meine ich jetzt alle Nachrichtenmacher, abzüglich der sehr vereinzelten Ausnahmen mit Rest-Integrität - mal zu Herzen nehmen sollten. Dann würde vielleicht der Großteil der Bevölkerung über ein Plakat mit dem Stichwort Lügenpresse einfach nur lachen und den Kopf schütteln.

Außerdem ist es ein Unding, dass eine Jury aus Sprachwissenschaftlern sich politisch betätigt, wenn es um ein Unwort des Jahres geht, finde ich. Die Begründung ist im Grunde genommen die Aussage, dass ein beliebtes Wort einer fragwürdigen Gruppierung unangemessen für den linientreuen Bürger ist. Benutz das nicht, oder du bist ein Pegida-Sympathisant, oder wie? Uhm… Fuck you, too!
Aus meiner Sicht war dieses Unwort ein ziemlicher Griff ins Klo und das regt mich zum Vorschlag für das diesjährige Unwort an: Unwort. Es ist nämlich ein Unding, dass damit jetzt auch noch Politik gemacht wird. Diese inoffizielle Einrichtung, die aber ja trotzdem eine ziemliche Medienpräsenz hat, sollte sich mit unserer Sprache beschäftigen. Total verrückte Wortkombinationen aus mehreren Sprachen könnten gut bei denen auf der Liste stehen. Sogar ein paar besonders verrückte Anglizismen. Aber damit beeindruckt man ja keinen mehr, hm?
Womit wir wieder bei der Presselüge wären, die hier dann auch zum Vorschein kommt. Das Unwort des Jahres ist nämlich aus diesem Blickwinkel auch nur wieder der Versuch, eine Schlagzeile zu schaffen und eine politische Linie zu unterstützen.

Für mich bedeutet das, dieses Wort ganz bestimmt nicht links liegen zu lassen. Es mag nicht das Wort des Jahres sein - es ist eher das Wort des bisherigen Jahrhunderts, wenn ich mir so ansehe, was die Medien in den letzten 15 Jahren so alles verkackt haben. Aber ein Unwort ist es auch nicht.
Ich möchte es den ganzen Journalisten gerne um die Ohren klatschen, bis die kurz davor stehen, sich die Kugel zu geben vor Verzweiflung. Vielleicht sickert es ja dann mal durch. Eine freie und unabhängige Presse unterstütze ich nämlich, aber eine Presse, die nur noch nach Skandalen sucht, die sie dann aufbauschen kann, die unterstütze ich nicht.
Mittlerweile kannst du besser zehn tagesaktuellen Bloggern mit sehr verschiedenen, politischen und gesellschaftlichen Standpunkten folgen, als den Nachrichten. Mit etwas intellektueller Eigenleitung bekommst du dadurch weniger irreführende und einseitige Informationen. Und das ist doch irgendwie abartig, oder nicht?

Und mal ganz nebenbei… Wenns um Pegida geht, trägt diese Lügenpresse meiner Meinung nach eine gewaltige Mitschuld an deren Existenz. Terror ist schlimm und was momentan in der Welt mal wieder abgeht, ist ziemlich heftig. Panikmache verbessert die Situation aber nicht. Und in der Panikmache sind die Medien ganz groß. Das verkauft sich nämlich gut.
Ich weiß nicht, wie es aussehen würde, wenn es diese Panikmache nicht gäbe. Sicherlich fänden sich trotzdem genug Leute, die gerne Gewalt oder Gewaltandrohungen mit Gegengewalt begegnen wollen. Aber würden die Medien uns dabei unterstützen, einen kühlen Kopf zu bewahren, wäre der Zulauf vielleicht geringer. Es würde jedenfalls unter keinen Umständen schaden.
Wie die Dinge stehen, warte ich eigentlich nur darauf, dass der generische Moslem irgendwann den Juden der 1930er und 40er ablöst und Internierungslager geschaffen werden. KZs kann man die natürlich nicht nennen, aber Namen sind letztlich Schall und Rauch. Schuld daran wäre dann natürlich nicht nur die Lügenpresse, denn Schuld an Gräueltaten trägt jeder Einzelne, der sie begeht oder nichts dagegen unternimmt. Die Mitschuld einer Panikmacher-Presse würde aber zweifelsfrei in den Nachwehen eines solchen neuen finsteren Mittelalters der Menschlichkeit ganz schnell wieder vergessen werden, weil die Presse frei und unabhängig bleiben muss.

Wie gesagt: Ich bin für frei und unabhängig. Das gibt mir nämlich auch das Recht, diese Meinung hier zu vertreten und den Medien den Mittelfinger zu zeigen. Mit Händen und Füßen.
Für mich seid ihr, liebe Zeitungsverlage, Nachrichtenmagazine und Journalisten, blutgierige und sensationsgeile Arschlöcher, die jederzeit eines Menschen Würde und sogar Zukunft zerstören, wenn sie damit ein paar mehr Zeitungen verkaufen oder ein paar mehr Zuschauer anlocken könnt.
Euren schlechten Ruf habt ihr euch ganz allein selbst zuzuschreiben, und solange ich keine Anstrengungen sehe, sich um mehr Integrität zu bemühen, bleibt ihr eine Lügenpresse, dafuq.

Soviel dazu.

In diesem Sinne…

…möge der kaum noch marginale Unterschied zwischen BILD und anderen einfach noch weiter schrumpfen, sodass man sich wenigstens voll darauf verlassen kann, sich auf Nachrichten keinesfalls mehr verlassen zu können. Außer im Sportteil natürlich… Yaaay!

Dienstag, 6. Januar 2015

Dafuq des Tages - YouMakeMeSexy?

Alle Jubeljahre sehe ich ja mal versehentlich Werbung, weil irgendwer - ich will jetzt niemanden ansehen, aber du weißt genau, dass du gemeint bist - heimlich Free-TV guckt. Wenn dann die Glotze mal beim Aufwachen läuft, bin ich gelegentlich nicht schnell genug und es erwischt mich. Und ganz, ganz selten ist es amüsant, weil beispielsweise der Sinalco Song echt noch derselbe von vor zwanzig Jahren ist…
Heute war es nicht amüsant. Es war… der blanke Horror!

Ich meine… Ohne Scheiß! Ich wache auf, denke an nichts Böses, sehe mich, um und versuche zu eruieren, in welcher Welt ich mich genau befinde, verändere die Haltung, um meinem linken Arm ein wenig Blutzufuhr zu gewähren - jaja, das Alter - und plötzlich glotzt mich Detlef ‚DEE Ausrufezeichen‘ Soost an! Yikes!
Für mich sieht dieser Mensch, der jetzt nie in meinen Sympathie-Toplisten rangierte, seit seiner Magerkur aus wie Chucky die Mörderpuppe. Chucky hatte zwar ziemliche Pausbacken, während mich die von DEE Ausrufezeichen doch eher an einen Schädel erinnern, den ich hier stehen habe, aber die Augen… diese weitvorstehenden, aufgerissenen, niemals blinzelnden, mich aus jedem Blickwinkel verfolgenden Augen… Gahh! Angst!
Zur besonderen Betonung war neben dem gerade vom Puppenspieler bespielten… err… animierten… err… sich bewegenden DEE Ausrufezeichen, noch ein Vergleich im Hintergrund, for dem ansonsten aggressiv-klinisch weißen Hintergrund. Er heute und er damals, als er noch wie ein Mensch aussah. Ein Arschloch-Mensch, dem ich nicht die Hand geben wollen würde, zwar, aber eben ein Mensch und nicht Detlef die Mörderpuppe.
Darunter stand dann auch die Website, für die er da gerade Werbung machte. Und damit hatte er dann meine Aufmerksamkeit, wo ich ansonsten nach so einem Erlebnis am Daumen nuckeln die nächsten drei Stunden damit verbracht hätte, Let it Go zu hören und zu versuchen, diesen traumatisierenden Anblick wieder zu vergessen.

Hm? Was? Let it Go?
Ja? Und? Das Lied ist toll und Elsa ist cool, auch wenn der Film ansonsten eher Mittelmaß ist, also leck mich. ;-P

Zurück zum blanken Horror mit papierdünner Haut über dem ausgezehrten Gesicht: DEE Ausrufezeichen.
Da steht also so eine Webadresse nach dem Motto ‚IschMachDischZecksy.biz‘ und ich denke mir… Das kann der jetzt nicht ernst meinen, oder? Also zurückspulen, Augen schließen und zuhören. Uhm… Doch, der meint das ernst.
Falls jetzt jemand nicht folgen kann, mache ich das Mal an einem Beispiel fest: Du siehst eine Werbung im Fernsehen mit einem schlechten Johnny Depp Double im Edward mit den Scherenhänden Kostüm vor aggressiv-pissgelbem Hintergrund und es geht um die perfekte Massagetechnik, die er dich lehren will. Was denkst du, während er mit seinen scherenförmigen Händen beim Vortrag Männchenreihen aus Papier ausschneiden?
Groschen noch nicht gefallen? Du siehst einen dir vom Sehen bekannten Stadtstreicher in voller, abgerissener Montur vor einem rot blinkenden Hintergrund und er erzählt dir lallend - weil wir das Klischee bedienen müssen, dass alle Obdachlosen Alkoholiker sind - dass er dir beibringen kann, wie man in einer Woche Millionär wird. Was denkst du?

Ich für meinen Teil dachte: Will der mich verarschen, dafuq?!?
Diese Person, die sich so hart ins Zeug gelegt hat, nicht mehr wie ein lebender Mensch auszusehen, sondern wie eine wandelnde Gruselkabinettfigur, will MIR erzählen, wie man SEXY wird? Also das ist doch… Dafuq!?!
Ich konnte es schlucken, als er irgendwann mal einen auf Abnehmcoach gemacht hat. Das hat er ja blendend hinbekommen. So von Normalgewicht mit minimaler Plauze - was ihn fast schon respektabel machte, weil er daMIT trotzdem wie ein Derwisch durch die Gegend zappeln konnte - hin zu einem mit Haut überzogenen Skelett mit zwei gigantischen Glubschaugen in den leeren Augenhöhlen. Der passt bestimmt auch in eine dieser XS-Jeans rein.
Ich würde meine Pfunde nicht seiner Obhut anvertrauen, weil mir irgendwie ist, als würde ein von ihm entwickeltes Abnehmrezept daraus bestehen, einem zwei Wochen lang alles Essen vorzuenthalten und einem dann beizubringen, wie man seine eigenen Fettpolster abnagt und sie dann erfolgreich wieder auskotzt, aber er - oder ein Nekromant seines Vertrauens - hat das nachweislich erfolgreich absolviert. Man könnte sagen, der Erfolg ist ihm vom Gesicht abzulesen - wenn man es ansehen kann, ohne schreiend in Richtung Mama zu rennen, egal wie weit die weg wohnt.
Ah… Wahrscheinlich trainiert er Leute beim Abnehmen, indem er sie einfach verfolgt. Sieht man den hinter sich näherkommen, rennt man - egal wie erschöpft man ist - würde ich sagen.

Anyway… Abnehmen, okay. Sexy…? Da-fuckedy-fuq?!?
Ich sag ja nicht, dass man ein Adonis sein muss, um sexy zu sein. Im Gegenteil. Es kommt auf Ausstrahlung und Selbstvertrauen an und Äußerlichkeiten sind im Grunde nur ein Anfangshindernis, auch wenn die Medien uns immer was anderes erzählen wollen.
Aber irgendwas - irgendwas! - Anziehendes muss man schon haben, wenn man mit einem Vorteil in die Schlacht um die Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts ziehen will. Und irgendwas - irgendwas! - von dem Produkt, das man anderen verkaufen will, sollte man selbst vorzeigen können, sonst wirkt so eine Werbung irgendwie unglaubwürdig.
DEE Ausrufezeichen in seiner momentan Inkarnation als Untoter als Werbeträger für etwas, was mit sexy zu tun hat… Das ist wie Werbung für Gesichtschirurgie mit Sachsen-Paule, falls den noch wer kennt. Oder Helga Feddersen, für die ältere Generation. Wobei die das Opfer einer Gesichtslähmung war und nichts dafürkonnte, während Paule mit seiner Hackfresse geboren wurde. DEE Ausrufezeichen hat sich das hingegen selbst angetan.

Ich will ehrlich sein: So etwas macht mir irgendwie wirklich ein wenig Angst. Dieser Mensch, den ich wirklich schaurig finde, weil er richtiggehend besessen vom Schlankheitswahn rüberkommt, gilt als knallharter Erfolgsmensch. Es interessiert kein Schwein, dass die meisten seiner Schützlinge - ich denke da jetzt an alle möglichen Popstars-Castingopfer - heute niemandem mehr bekannt sind. Er wird als erfolgreicher Trainer gehandelt.
Dieser Mensch bietet nun ein Sexy-mach-Coaching auf seiner Website. Und ich ahne, worin es besteht. Ich werde nicht nachsehen, denn so einem abartigen Scheiß gönne ich nicht einmal den einen Hit bei Google und den einen Klick, aber ich wette meinen Arsch, dass jeder Mensch mit Normalgewicht oder mehr zuallererst mal abnehmen soll. Das mag verschleiert werden, indem es als Maßnahme fürs persönliche Wohlbefinden und zum Aufbau des Selbstwertgefühls getarnt wird, aber darauf läuft es hinaus. Und das… schmeckt mir nicht, um es mal vorsichtig auszudrücken.

Ich war in meinem Leben noch niemals gertenschlank. Ich wurde schon mit reichlich Knochenmasse geboren und rein von der Statur her könnte ich Gewichtheber sein. Dicker werden war immer leicht, schlanker werden nahezu unmöglich. Selbst als ich beim Bund für Sonderaufgaben trainiert habe und jeden Tag fünf Kilometer gejoggt bin - also in meiner ganz persönlichen Zeit der Topform - war da immer ein nennenswerter Rest and Bauch vorhanden. Selbst mit 32er Jeansweite zu fast 1,90 Höhe war ich noch immer irgendwie mopsig.
So ein Schlankheits-Irrer hätte mich daher immer weiter und weiter getrieben und vielleicht hätte ich nach Jahren der Entbehrungen auch irgendwann einen Sixpack gehabt und irgendeinem Ideal entsprochen. Auch wenn ich fürchte, mit ähnlich eingefallenen Wangen sogar noch schauriger auszusehen.

Aber was hätte ich davon gehabt, dafuq? Erfolg bei Frauen?
Ich will jetzt nicht zu massiv einen auf dicke Hose machen, aber den hatte ich von dem Tag an, als ich endlich begriff, dass ich eine Frau nicht mit meinen Bauchmuskeln, dazu bringe, ihre Prinzipien über Sex nach dem ersten Date über den Haufen zu werfen, wenn sie auch nur einen Funken Intelligenz hat. Diese Hürde nehme ich mit meinen Augen und mit meiner Fähigkeit, mich im Gespräch auf einen Menschen einzustellen und auf ihn einzulassen.
Und ganz nebenbei bedeutet das auch, dass ich nach dem Sex - und egal wie großartig oder mittelmäßig er war - bleiben darf. Nicht selten sogar für Monate. Was mir grundsätzlich entgegenkam, denn je älter ich wurde, desto weniger suchte ich mir Frauen aus, die ich nur für eine Nacht ertragen konnte.

Kurz gesagt: Ich brauchte nie einen Sixpack, um Frauen zu erobern. Ich konnte sogar den Großteil der schillernden Sixpack-Besitzer mit Leichtigkeit ausstechen, weil einfach zu viele von denen ihre Energie völlig auf die Sixpack-Erzeugung verwendet hatten und für Bildung und Einfühlungsvermögen keine Kapazitäten blieben.
Ich glaubte als Teenager mal, wenn ich schlanker wäre, würde ich mehr Erfolg haben. Und sicher ist es einfacher, wenn man noch was dazu mitbringt. Sicher hätte ich nichts dagegen, von Natur aus einfach schlank zu sein, wobei ich nicht weiß, welche wichtigen Erfahrungen mir dann heute fehlen würden. Beschweren kann ich mich allerdings auch nicht, denn ich habe ein Maximalgewicht, das mein Körper einfach nie überschreitet. Und es ist absolut okay damit zu leben. Es bedeutet zwar eine Wampe, aber keinen Kugelbauch und auch keine Fettmassen und damit gehöre ich dann doch noch zu den Glücklichen.
Zwanzig Kilo weniger würden mir nicht schaden, aber die bringen mir auch nicht wirklich viel. Selbst meine Ärzte können nicht viel zu meckern finden. Und damit bin ich wieder bei DEE Ausrufezeichen, der meiner Meinung nach seine normale Statur und eine immerhin gelegentlich entspannte Haltung gegen völligen Wahn eingetauscht hat. Seine körperliche Veranlagung mag meiner nicht völlig unähnlich sein, weswegen er sich jeden Tag abstrampeln muss, um so dürr zu bleiben. Und was hatter davon? Glücklich macht ihn das jedenfalls nicht. Sein Grinsen vor der Kamera ist so dermaßen unecht, dass ich kotzen möchte.

Werbekampagnen und Coaching-Angebote wie dieses sind mir widerlich. Ich finde sie sogar gefährlich.
Ja, viele Menschen sind zu dick. Wir haben Zugriff auf so viele Nährstoffe, dass wir unsere Körper regelmäßig überversorgen, zumal die auf Mangel eingestellt sind, weil das normal für unsere Vorfahren war. Ja, es macht Sinn, sich nicht völlig gehen zu lassen. Es ist gesünder, auf die Ernährung zu achten. Sport in Maßen ist etwas Gutes. Körperliche Fitness ist eine feine Sache.
All diese Dinge zum Heiligen Gral zu erklären, ist aber nicht - nicht, nicht, nicht! - der Weg zum Glücklichsein, dafuq! Glück und Erfolg - und damit auch Selbstbewusstsein und in letzter Instanz Anziehungskraft - kommen von innen. Wer sich selbst akzeptiert, kann auch an den eigenen Schwächen arbeiten. Die Ursache bekämpfen, statt mit den Symptomen zu ringen. Und vor allem in den Spiegel sehen, ohne sich zu Tode zu erschrecken.

Ich kann kaum ausdrücken, wie sehr mich so eine Werbung anwidert, aber ich hoffe, ich habe es halbwegs hinbekommen. Könnte ich Herrn Soost etwas wünschen, wären es zwanzig Kilo mehr und eine komfortable Zelle für ein Jahr mit einigen besonders guten Büchern über Selbsterkenntnis. Wäre er zum Stillsitzen gezwungen, würde er vielleicht diesen anderen Pfad, den man im Leben gehen kann, irgendwie entdecken.
So kann ich nur mein Mitleid und zugleich meinen Abscheu ausdrücken. Bevor jemand sich auf dieser Seite von ihm anmeldet, möge die Person lieber zu mir kommen. Wenn man mir zuhört und bereit ist, sich auf Perspektivwechsel einzulassen, kann ich ganz kostenlos auch jemanden sexy machen. Arbeitsintensiv ist das auch, weil es für die meisten eingewaltiges Umdenken erfordert, aber wenigstens behaupte ich nicht, es wäre alles eine Frage der Pfunde.
Weil das nämlich BULLSHIT ist, dafuq!!

In diesem Sinne…
…fröhlichen Jahresbeginn und viel Spaß mit dem endlich ein wenig hereinbrechenden Winter. Der kann auch schön sein. Einfach mal die Perspektive wechseln… ;-)

Happy New Year und so

14 ist rum, 15 hat begonnen und ich kann nicht sagen, dass ich sehr unglücklich darüber wäre.
In aller Offenheit, das vergangene Jahr war eher so halbwegs okay in der zweiten Hälfte und doch reichlich beschissen in der ersten Hälfte. Ich bin nicht wirklich unglücklich, dass es vorbei ist.
Nun hatte ich selbst im vergangenen Jahr keine nennenswerten Probleme und sogar Erfolgserlebnisse zu verbuchen, aber so richtig energetisch war ich nicht. Weswegen das so war, müsste ich schon mal erwähnt haben. Falls nicht, betrachten wir es einfach als privat und als weitgehend vorüber.

Wie schon seit Jahren nicht mehr, habe ich auch zu diesem Silvester keine gravierenden Veränderungen geplant. Warum sollte ich auch? Aus meiner Warte betrachtet, bin ich grundsätzlich auf dem richtigen Weg, auch wenn es mir manchmal an Energie fehlt, alle beabsichtigten Schritte zu vollziehen.
Ich habe im vergangenen Jahr zwar nicht, wie beabsichtigt, viel an den Projekten weitergearbeitet, die ich dringend fortführen möchte, aber dafür habe ich für mich einen großen Schritt getan und schreibe jetzt regelmäßig auch auf Englisch. Ich habe sogar schon einiges in der Sprache veröffentlicht und ich würde sagen, meine Sprachbeherrschung wird mit jeder geschriebenen Seite besser. Irgendwann wandert sicherlich nicht mehr der Großteil des Gescribbels in die Meh-Ablage.
Ich habe außerdem - und darauf bin ich durchaus etwas stolz - meine erste, richtige Auftragsgeschichte geschrieben. Noch bleibt mir zu lernen, nicht weitaus mehr zu liefern, als ich bezahlt bekam, aber das sind Kleinigkeiten. Ich habe für mich eine Hürde genommen und jemandes persönliche Wunschvorstellungen erfüllt. Dem Lob nach war es das investierte Geld wohl wert.

Auf der anderen Seite habe ich in den letzten Monaten praktisch keine Zeit bei Facebook verbracht, aber viel bei Youtube. Nun ist das mit Youtube neben reiner Unterhaltung auch ein Weg, Englisch gesprochen zu hören und deswegen ist es ein wenig auch ‚Studium‘, aber ehrlich gesagt ist es auch angenehm, weil sich die Leute dort gewissermaßen beruflich Mühe geben, Unterhaltungswert zu schaffen.
Facebook will ich nicht abschaffen. Aber ich schränke es vielleicht ein. Es fehlt mir eigentlich nicht wirklich. Und alles, was ich mir an ‚Banalitäten‘ vom Hals halte, räumt mir mehr Schreibzeit ein. Davon hatte ich nämlich zu wenig, obwohl ich theoretisch genug hatte.

Dieses Paradox bringt mich zur nächsten Erkenntnis des vergangenen Jahres: Ich kann nicht im gleichen Zeitraum Ablenkung in einem Computerspiel suchen und mich sinnig aufs Schreiben konzentrieren. Geht einfach nicht.
Es scheint, besonders die Spiele mit einer gewissen Komplexität, die mich anziehen, belegen mein Hirn mit Beschlag. Ich habe dann zwar weiterhin Ideen, aber ich tauche nicht in meine Schreibwelt ein und werde kreativ. Ich muss also in Zukunft genau darauf achten, wie ich meine Freizeit verwende. Computerspiele werde ich weiterhin spielen, aber dann werde ich mir eben dafür auch einen Zeitraum exklusiv freischaffen. Und wenn ich schreiben will, lasse ich die Finger davon.
No Brainer? Für manche Leute vielleicht, aber für mich war das neu. Es gab früher mal Computerspiele, die mich eher IN die Schreibstimmung gebracht haben, als aus ihr raus. Und vielleicht war ich auch weniger vollgestopft im Kopf und es war leichter…

Überleitung zum nächsten Thema gleich mit Bravour gemeistert: Wo mein Kopf so steckt und eigentlich nicht hingehört, oder doch?
Auf dem Gebiet der ganz persönlichen Entwicklung habe ich mein Leben erfolgreich weiter verkompliziert. Und das verdanke ich nicht nur Autoren wie der einzigartigen Lydia Benecke und ihrer psychologischen Arbeit mit psychopathischen Menschen, sondern auch ganz anderen Werken. Das Jahr 2014 lässt sich für mich sicherlich ganz gut unter dem Topic ‚Psychologie des Bösen‘ zusammenfassen, wobei mich die Opferperspektive ebenso interessiert hat, wie die der Täter. Und ich habe mich besonders im historischen Umfeld umgetan und viel über das Dritte Reich gelesen.
Warum? Weil ich noch immer verallgemeinernden Aussagen und Mythen aufgesessen war und endlich informierte Einschätzungen für mich selbst vornehmen wollte. Weil ich generell denke, je mehr man über etwas erfährt, desto eher mag man die Wahrheit erahnen, die IMMER irgendwo zwischen allen Berichten ungesagt vor sich hinvegetiert. Und weil das Thema stirbt - und zwar buchstäblich, denn die Augenzeugen nippeln langsam alle ab. Umso wichtiger - jedenfalls aus meiner Sicht - noch so viel wie möglich zu erfahren. Und sei es nur, um den Kindern guter Freunde eines Tages erklären zu können, weswegen dies oder jenes aus dem Geschichtsunterricht ziemlich unvollständig oder sogar völlig falsch ist. Nicht, um sie immer an die ‚Deutsche Schuld‘ zu erinnern, sondern um ihnen bewusst zu machen, dass Deutsche, Russen, Chinesen und Amerikaner alle ihre ‚Monster‘ hervorgebracht haben und dass wir davor nie sicher sein werden, weil das Monster erst einmal auf lange Zeit noch ein Teil jedes Menschen sein wird.

Ja, ich löse mich immer weiter von Pauschalisierungen, auch wenn ich nicht drum herum kommen werde, sie weiter zu verwenden. Man braucht im Grunde eine Pauschalisierung, um einen Einzelfall davon abgrenzen zu können. Aber man sollte nicht auf Basis von Klischees urteilen. Und ich versuche, genau das zu vermeiden.
Unsere Welt scheint es mir bitter nötig zu haben, denn der neue Jude ist ja der Moslem und der schießt diesmal zurück. Oder auch präventiv. Oder auch mal ganz einfach, weil schießen bekanntlich glücklich macht. Aber das macht eben noch lange nicht jeden Moslem zu Terroristen, so wie nicht jeder Deutsche ein Massenmörder war - und wie nicht jeder Mensch mit pädophiler Veranlagung Kindern ein Leids antut, was das angeht.

Ich fülle meinen Kopf also mit Wissen, um besser informierte Beurteilungen für mich selbst vornehmen zu können. Und wenn er nicht platzt, wird er sicherlich noch mehr Speicherkapazität verfügbar machen können, weil das Hirn eben so funktioniert. Irgendwann schreib ich dann ein Buch darüber und nenne es ‚Mein Leben am Rand der Gesellschaft und was ich mit meinem gesammelten Wissen alles nicht verändern konnte, obwohl ich sah, wie falsch es läuft.‘ Yay!
Beschweren will ich mich allerdings nicht, denn ich glaube das alles hält mich geistig beweglich. Ich nähere mich angeblich irgendwie den 40 und man könnte erwarten, dass ich mich endlich mal irgendwo festlege, aber stattdessen werden meine Standpunkte immer agiler. Ich begreife, dass eine feste Überzeugung eine gewaltige Macht besitzt - Hitler war beispielsweise felsenfest von seiner Bestimmung zum messianischen Retter Deutschlands überzeugt - aber fester Glaube schränkt auch ein. Und Glaube ist nicht nur eine Frage der Religion - oder Religion ist nicht nur Götterglaube, sondern beispielsweise auch Wissenschaft.
So oder so, andere mögen fanatisch glauben und einige rennen damit sogar in eine richtige Richtung, aber wenn sich die Umstände ändern, werden sie weiterrennen, selbst wenn die Richtung plötzlich falsch ist. Ich werde das nicht tun. Man könnte sagen, ich entscheide mich bewusst, ein Skeptiker zu sein. Allerdings ein optimistischer Vertreter dieser Gattung - und wer das Paradoxon aufgepfriemelt kriegt, bekommt einen Lolli… :-D

2015 beinhaltet aber neben all den Rückblicken auch Ausblicke. Mein Zweifel daran, wie ich Soulmates fortführen soll, nimmt ab. Ich denke, es besteht Grund zur Hoffnung auf eine baldige Fortsetzung, zumal ich nach einer Weile heftiger Englisch-Konzentration wieder mehr zweigleisig fahre.
Andere Geschichten will ich auf fort- oder auch zu Ende führen. Einige Geschichten sind… für mich nicht mehr zeitgemäß. Ich muss mich davon befreien und voranschreiten. Andere mögen einen Twist erleben. Was ich versprochen habe fortzusetzen, werde ich auch fortsetzen. Keine Sorge. Ich denke da mehr langfristig.

Wer immer neben meinen deutschen Sachen auch meine englischen verfolgt, mag sich außerdem fragen, ob ich durchdrehe. In aller Offenheit: Meine englischen Themen sind größtenteils verrückt und/oder abartig. Und ich mag das so.
Mich reizen Tabuthemen besonders und für mich sind eine körperliche Behinderung oder Borderline- oder Mobbingthemen ebenso Tabuthemen wie Tiersex. Ich habe schon immer gesagt, dass nicht alle meine Geschichten jedem gefallen werden und das wird sich nicht ändern. Jede meiner Geschichten mag abstoßen, überraschen und eventuell sogar unvorhergesehene und unerwünschte Regungen im Unterleib erzeugen. Das ist Teil des Pakets.
Niemand muss alles von mir lesen. Ich rate sogar davon ab, weil mir bislang noch nicht viele untergekommen sind, die mir an Verrücktheit nahekommen. Ich werde allerdings damit fortfahren und ich denke, dass es irgendwie Kunst ist. Ja, ich bin s dreist.

2015 wird sicherlich mehr von dieser Art Kunst sehen. Ich hoffe inständig, irgendwann den Dreh raus zu haben und eine gewisse Regelmäßigkeit reinzubringen. Jeden Monat eine Geschichte oder einen Fortsetzungsteil in jeder Sprache peile ich weiterhin als ersten Milestone an. Dazu will ich versuchen, besondere Gelegenheiten mit thematischem Potential zu verhackstücken - also Valentinstag, Ostern, Halloween, Weihnachten und dergleichen.
Das alles soll dazu dienen, meine Präsenz auch auf Patreon auszubauen, wo man mich mit regelmäßigen Spenden unterstützen kann. Und dafür muss ich schließlich auch was bieten.
Den Rest der Zeit werde ich vielleicht in größere Projekte investieren. Ein paar potentielle Romane liegen auf meiner Festplatte rum und harren der Fortführung. Einige mögen sogar was taugen.  Und Auftragsgeschichten werde ich auch noch mehr schreiben. Vermutlich wird das irgendwann als Erstes das Potential bieten, damit die Miete zu zahlen. Ich hätts nicht gedacht, aber es ist so.

Kann ich das alles schaffen und werde ich es einhalten? Man wird sehen.
Das reine Arbeitspensum der Schreiberei ist machbar. Wenn ich an einem Tag wie vorgestern in 15 Stunden satte 20.000 Worte zu Papier bringen kann, geht da einiges. Allerdings muss die Stimmung auch da sein, was vorgestern eindeutig der Fall war.
Sagen wir mal so: Ich werde es tun, und wenn ich daran scheitere und es nicht ganz klappt, werde ich deswegen nicht verzweifeln. Damit müsste dann auch Master Yoda zufrieden sein, oder?

So. Damit hätte ich meinen ‚Neujahrs-Blogpost‘ und nun wende ich mich der vagen Hoffnung zu, auch diesen, meinen bloggigeren Blog wieder mit regelmäßigerem Content aufleben zu lassen…

In diesem Sinne…

…frohes Neues und mögen in diesem Jahr deine Pläne zu deiner Zufriedenheit voranschreiten und sich einige deiner Wünsche erfüllen. Aber nicht alle, damit du noch was hast, worauf du dich freuen kannst. ;-)

Donnerstag, 20. November 2014

Dafuq des Tages - Gleiches Recht für alle, außer denen da…

Was unterscheidet den durchschnittlichen, nicht besonders wohlhabenden, nicht besonders berühmten und nicht besonders privilegierten Menschen in unserer westlichen Welt von den Promis, Politikern und Millionären unserer Gesellschaft?
Richtig, die Kohle und der daraus erwachsende Einfluss.
Diese ganzen Bonzen haben all das, was wir armen Schlucker nicht haben. Das war schon unseren Großeltern in ziemlich genau dieser Formulierung bekannt. Die Franzosen haben in ihrer Revolution deswegen reichlich Bonzen einen Kopf kürzer gemacht - buchstäblich, nicht sprichwörtlich - und die Russen haben in ihrer vorletzten Revolution die Bonzen gleich ganz abgeschafft - um sie dann unter dem Namen Parteifunktionär wieder einzuführen. Aber gut, so läuft das eben. Wenn plötzlich das ganze Geld herrenlos herumliegt, findet sich immer einer, der es aufhebt und sich damit zum neuen Übermenschen aufschwingt…
Jedenfalls ist ja wohl klar, dass sich diese ganzen Überprivilegierten mittels der Kohle und auch durch ihre Berühmtheit Sachen herausnehmen können, die der Normalbürger sich nicht mal erträumen darf. Sie können Gesetze biegen und brechen und haben Zugriff auf all die geheimen Medikamente, die uns die Pharmaindustrie vorenthält, sie leben in Saus und Braus, wo unsereins sich nur drei warme Mahlzeiten am Tag leisten kann und sie hören trotz all ihres Glücks und ihres Luxus nicht auf, sich zu beschweren.

Unverschämtheit, eigentlich… Was motzen diese blöden Promis denn beispielsweise rum, dass ihre Nacktbilder geklaut werden. Erst sind die so blöd, sie in der Cloud zu speichern. Naja… Zuallererst waren sie überhaupt so dämlich, sich selbst nackt zu fotografieren, wo doch jeder weiß, dass man sich gefälligst auch im eigenen Badezimmer in eine Burka - das sind diese Ganzkörper-Stoffkondome gewisser Glaubens-Splittergruppen - zu hüllen hat.
Also erst machen die so einen Scheiß, dann speichern sie das Ergebnis da, wo jeder Hans und Franz mit auch nur vagen Kenntnissen sich daran vergreifen kann und dann jammern Leute wie diese Jennifer Lawrence doch allen Ernstes darüber, dass sie sich fast schon sexuell missbraucht fühlen würden. Und dabei geschieht denen das doch recht! So gut, wie es denen geht, haben die es ja wohl verdient, dass ihre Würde mal so richtig hart trocken anal gefickt wird. So viel Glück wie diese überprivilegierten Übermenschen haben, das geht doch auf keine Kuhhaut. Da war es höchste Zeit, dass sowas endlich mal passiert.
Privat- oder gar Intimsphäre, darauf hat so ein Promi - oder ein Politiker oder Millionär - jedenfalls mal gar keinen Anspruch. Wer drolfzig Millionen in der Sekunde verdient, der hat damit ganz klar sein Recht auf so einige Menschenrechte völlig verwirkt. Dafür hatter ja die Kohle und kann sich zum Ausgleich Pelzmäntel kaufen - die natürlich von Babykarnickeln stammen und von indischen Säuglingen handgeklöppelt wurden, weil reiche oder prominente Menschen ja nur für sowas ihr Geld ausgeben…

Jetzt fragste dich, ob du im falschen Blog gelandet bist, ne? Oder du tippst dir - hoffentlich - heftig an die Stirn, kriegst vor lauter Facepalms schon Schmerzen in der Hand oder hast gerade deine Tischplatte mit dem Kopf zerschmettert…
Falls nicht, rate ich dir davon ab, weiterzulesen. Wenn du bis hierhin voll und ganz oder auch nur überwiegend deine Meinung repräsentiert fandest, wird dir der Rest vielleicht weniger gut gefallen. Diese nette kleine Zusammenfassung der Standpunkte einiger meiner Gesprächspartner der letzten Tage ist nämlich mein Dafuq des Tages. Oder eher der Woche…
Und das ist ein Dafuq?!?!?, finde ich. Ein richtig fettes, gehöriges, Kopf-Tischplatte-Kopf-Tischplatte-Dafuq!

Wie unschwer zu erkennen ist, geht es um die Frage, ob sich Promis beschweren dürfen, wenn ihre Intimsphäre verletzt wird. Ob sie überhaupt ein Recht darauf haben. Ob sie eigentlich Menschen sind oder doch nur Juden…
Sorry, den konnte ich mir nicht verkneifen, denn immerhin habe ich es in den Gesprächen mit Deutschen zu tun gehabt. Man könnte meinen, einige erinnern sich an alles mögliche bezüglich der Nazi-Zeit, aber nicht an das, worauf es eigentlich ankommt… -.-

Ich kann es mir jedenfalls nicht verkneifen, meinen Unglauben und meine eigene Meinung zum Thema zusammenzufassen und mir von der Seele zu schreiben. Und außerdem kann ich manchmal echt nicht glauben, dass ich zur gleichen Spezies wie einige andere Menschen gehöre. Wenn die normal sind, was bin ich dann? Vermutlich ein Außerirdischer…
Aber nun erst noch mal kurz zusammengefasst zum eigentlichen Thema: The Fappening durfte ja jedem ein Begriff sein, der das Internet erfolglos genug bedienen konnte, um hierher zu gelangen. Es ist allerdings nur das letzte Großereignis in einer langen reihe von Angriffen auf die Intimsphäre irgendwelcher Menschen, die im Fokus der Öffentlichkeit stehen.
Was man so Paparazzi nennt - sogenannte Fotografen, die Prominenten nachstellen und auf die Gelegenheit warten, Bilder zu schießen, die den betroffenen möglichst unangenehm sind - jagte ja schon in meiner Jugend vereinzelt Menschen vor sich her. Ich denke da jetzt nur mal an Diana - ja, die aus England - als Beispiel.
Es ist also nicht neu, aber es wird ja immer bunter und extremer. Und die Standpunkte der unbeteiligten Zuschauer werden auch immer beknackter. Die Theorie von der Mitschuld der Opfer beispielsweise finde ich ganz entzückend. Das hat für mich was von dem Vorwurf an Frauen, sie würden mit gutem Aussehen einen Vergewaltiger zu seiner Tat provozieren. Auch so ein Dafuq-Moment…

Ich will ehrlich sein: Ich verstehs irgendwie nicht. Wie können Menschen so hasserfüllt und neidzerfressen sein, dass sie einer Schauspielerin so etwas gönnen? Sooo schlecht ist die doch nicht, glaube ich… Oder doch?
Ach selbst wenn. Ich wünsche Til Schweiger oder Mel Gibson sowas auch nicht. Ich wünsche das GAR NIEMANDEM. Und ich halte das für gut und richtig,so wie ich das sehe. Es ist doch idiotisch, auch nur die Frage aufzuwerfen, ob wohl ein Promi ein Recht auf Privatsphäre hat. Natürlich hatter. Jeder hat.
Interessanterweise sieht aber sogar das Bundesverfassungsgericht das nicht exakt so… Intimsphäre ja, die ist unbedingt geschützt. Und da zählen Nacktbilder mit rein. Aber Privatsphäre, also all das, was so im eigenen Familienkreis und in den eigenen vier Wänden, aber außerhalb von Bad, Schlafzimmer oder Kopf, vor sich geht, das kann von „öffentlichem Interesse“ sein.
Sehe ich persönlich jetzt nicht so. Mich interessiert einen Scheiß, was bei Merkels zu Hause gegessen wird. Oder auch wie die wohnen. Und ich sehe auch keinerlei Grund, wieso das irgendwen sonst interessieren sollte, aber andere können da sicherlich welche erfinden. Und da es in diesem Zusammenhang immerhin gesetzliche Regelungen gibt und die so halbwegs in Ordnung sind, will ich da auch gar nicht lange drauf rumreiten. Es geht hier schließlich nicht um privates, sondern um Intimes.

Es geht darum, dass Menschen es… angemessen finden, was bei The Fappening passiert ist. Sie finden, es trifft die Richtigen. Sie finden, es ist ein Ausgleich für all das Glück, das diese Promis haben. Ein Gegengewicht für all das Geld, das die verdienen.
Was stimmt mit dieser Welt nicht, dafuq?!? Was für eine Störung hat die Mehrheit unserer Gesellschaft?
Und ja, ich spreche von einer Mehrheit, denn ich habe heute erst wieder beim Warten an einem Tisch voller Boulevardmagazine gesessen, in denen es einzig und allein um belanglose Scheiße ging. Diese Dinger verkaufen sich noch immer wie geschnitten Brot. Also interessiert es offenbar haufenweise Leute, was da drin steht. Die Berichte über die weltweite Sanitärsituation der WHO allerdings - dazu noch einen fröhlichen Welt-Toilettentag nachträglich - habe ich da nicht gesehen. Die würde wohl auch keiner kaufen. Egal, wie wichtig das Thema sein mag…

Aber gut, ich weiß, dass ich aus der Art geschlagen bin. Ich interessiere mich für einige Dinge ganz und gar nicht. Andere wollen gerne wissen, was um die Stars und Sternchen herum so passiert. Und diese Promis wollen ja auch Werbung für sich machen. Sie liefern ja reichlich Infos. Einige ziehen sich sogar ganz freiwillig aus. Einige drängen einem ihre Nacktheit sogar richtiggehend auf, wenn man nicht aufpasst, was man liest oder schaut.
Für mich ist das okay. Diese Leute sollen ihren Spaß haben. Oder ihren zwanghaften Verhaltensweisen nachkommen. Oder sich von mir aus auch selbst erniedrigen. Nicht, dass ich Nacktheit erniedrigend finde, aber manche Versuche, wirken auf mich doch sehr, sehr verkrampft.
Wenn nun aber jemand etwas aus eigenem Entschluss tut, ist das so oder so für mich in Ordnung. Ich kann es ja jederzeit ignorieren - solange es nicht so subtil und zugleich nervig ist, wie Mel Gibson Jesus-Komplex, der irgendwie unübersehbar ist, wenn man ihn erst einmal erkannt hat. Danke an dieser Stelle noch mal dafür, dass du mir Braveheart verdorben hast, Mel. Du Arsch!

Es geht also nicht um Sensationspresse, sondern um die Jagd nach Peinlichkeiten, die Promis NICHT mit der Öffentlichkeit teilen wollen. Es geht um die entwürdigende Behandlung durch Paparazzi oder um die verbrecherische Veröffentlichung gestohlener, privater Bilder. Es geht um das Recht jedes Menschen, kacken zu gehen oder zu furzen, ohne dass gleich ein Dutzend Blitzlichter ausgelöst werden.
Promis sind auch Menschen - klingt komisch, ist aber so. Auch Politiker sind Menschen. Sogar Anwälte sind Menschen. Und alle Menschen haben Grundrechte, von denen das auf Würde eines ist. Außerdem leben wir hier in einer Kultur, in der diese Grundrechte auch durchgesetzt werden können. Kein IS ‚regiert‘ unsere Städte und keine Scharia hat hier Gesetzesrang. Kein Zentralkomitee bestimmt hier und setzt die Armee ein, wie es ihm passt. Wir leben in dem Teil der Welt, dem es so in Bezug auf die Menschenrechte echt gut geht.

Ist das vielleicht der Grund? Haben solche Hansel, die den Promis für deren Erfolg und/oder Attraktivität die Pest an den Hals wünschen, keine Wertschätzung für die einfachsten Grundrechte übrig, weil sie keinen Schimmer haben, wie beschissen das Leben ohne diese rechte ist?
Manchmal denke ich das. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Schreihälse, die sich ins Fäustchen lachen, weil es einige Promis erwischt hat, nicht sehr fröhlich wären, wenn es sie selbst erwischen würde. Wahrscheinlich würden sie es mit weitaus weniger Fassung tragen, als die Betroffenen von The Fappening.

Trotzdem wünsche ich es ihnen nicht. Ich wünsche ihnen nicht die lehrreiche Erfahrung, mal ein wenig gefoltert oder erniedrigt zu werden. Ich wünsche ihnen nicht, dass sie ganze Welt über ihre Penisgröße in Kenntnis gesetzt wird. Ich wünsche ihnen nicht, dass jeder ihre peinlichsten Kindheitserlebnisse erfährt.
Ich wünsche MIR, dass sie verstehen, was sie mit ihrer Sensationsgeilheit und ihrem Hass anrichten. Ich wünsche mir, dass sie kapieren, dass es ihr Interesse ist, auf dem die ganze Regenbogenpresse aufbaut. Ich wünsche mir, dass sie einfach nach dem Grundsatz leben: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem ander’n zu.“
Aber ich sehe in dieser Hinsicht schwarz und kann nur mal wieder auf einen weiteren Riss in meinem Glauben an die Menschheit starren und ihm beim Wachsen zusehen. Wir sind als Spezies wirklich noch weit, weit entfernt von irgendeinem Stadium der Reife… -.-

Zusammenfassend bleibt mir also nur, denen, die es noch nicht kapiert haben zu sagen, dass man für beruflichen oder gesellschaftlichen Erfolg nicht mit der eigenen Würde zahlen muss. Wer das glaubt, ist ganz einfach ein Idiot. Wer das fordert, ist ein Arschloch.
Promis haben ebenso ein Recht auf Intimsphäre, wie jeder andere auch. JEDER hat ein Recht auf Intimsphäre. Wem das vorenthalten wird, der ist Opfer einer Menschenrechtsverletzung. Und die Menschenrechte sind wichtig. Frag 90% aller indischen Kinder danach, nachdem du sie ihnen erklärt hast. Sie werden staunen, dass es sowas gibt und dir dann bestätigen, dass es unbezahlbar ist, so einen Schutz zu genießen.
Sei also mal lieber dankbar und schau nicht immer nur nach den ach so süßen Kirschen in Nachbars Garten…


In diesem Sinne…

…fröhlichen Welt-Kindertag noch.

Mittwoch, 24. September 2014

Dafuq des Tages - Der deutsche Ethikrat empfiehlt…

Das Thema ist Inzest - oder für den Laien: Sex und ggf. auch Fortpflanzung unter Blutsverwandten. Blutschande, wie es früher genannt wurde. Oder unter Adeligen: Normalität.

Leider empfiehlt hier der deutsche Ethikrat weder ein gutes Buch zum Thema - was vielleicht besser gewesen wäre - noch eine wirklich sinnige und angemessene Veränderung der Gesetzeslage. Aber ich kann diesem Gremium daraus keinen echten Vorwurf machen, denn wie wir an der Zeitspanne gesehen haben, die es brauchte, um die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zumindest ansatzweise zu ermöglichen, mahlen die Mühlen der Bürokratie ungefähr so lange, wie die katholische Kirche braucht, um eine irrtümliche Hexenverbrennung zurückzunehmen (vgl. hierzu: der Fall Johanna von Orleans.)

Um zunächst mal jeden auf Stand zu bringen, hier der Link zu einem Beitrag vom Spiegel zum Thema:

Kurz zusammengefasst ist jemandem im Ethikrat plötzlich aufgefallen, dass es ein verbrieftes Recht auf sexuelle Selbstbestimmung gibt und es sich irgendwie beißt, wenn das einvernehmlichen Sex unter mündigen Geschwistern nicht mit einschließt.
Dazu an dieser Stelle kurz einen Epic Slow Clap für die namentlich nicht genannte Person: *Clap … Clap … Clap*.
Der Vorschlag der Kommission ist dann mal wieder ein typischer Fall von so viel Kompromiss, dass am Ende nicht mehr viel Lösung übrigbleibt. Dem Grundsatz nach dürften dann blutsverwandte Geschwister, sofern sie das auch beide wollen… Zum Wohle des Schutzgutes der Familie jedoch nicht, wenn sie noch in einem Familienverbund leben… Blablabla…

Mein erster Gedanke dazu: Hmm… Wenigstens kommt mal jemand auf die Idee, dass Erwachsene ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben. Es kommt mal ein klein wenig Bewegung in die Sache…
Mein zweiter Gedanke: Dafuq?!? Was sollen eigentlich diese ganzen Einschränkungen? Was ist denn bitteschön dieses ‚Schutzgut Familie‘? Ist das die Sache, die Ehepartner dazu zwingen soll, zusammenzubleiben, auch wenn sie sich lieber umbringen würden, nur damit die lieben kleinen nicht zu Scheidungskindern werden? Was zum Fick…?

Schauen wir uns mal kurz an, um welchen Paragraphen des Strafgesetzbuches es hier geht:
§ 173 - Beischlaf zwischen Verwandten

(1) Wer mit einem leiblichen Abkömmling den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Wer mit einem leiblichen Verwandten aufsteigender Linie den Beischlaf vollzieht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft; dies gilt auch dann, wenn das Verwandtschaftsverhältnis erloschen ist. Ebenso werden leibliche Geschwister bestraft, die miteinander den Beischlaf vollziehen.
(3) Abkömmlinge und Geschwister werden nicht nach dieser Vorschrift bestraft, wenn sie zur Zeit der Tat noch nicht achtzehn Jahre alt waren.

Aha… Mh-hm… Ahso…
Dem Schutz vor Missbrauch dient dieser hier also eher nicht. Dafür gibt’s andere Paragraphen. Dieser hier regelt nur den Teil mit der Verwandtschaft und dem Sex.
Ja dann… Hier mein Gegenvorschlag auf Basis einer absolut einstimmigen Entscheidung meines persönlichen Ethik- und Rechtsempfindens:
Streichen. Das ganze Ding einfach weg. Ein Paragraph weniger tut dem Gesetz gut und dieser hier ist sinnlos.

Ich weiß, dass andere das anders sehen, aber diese anderen sind grundsätzlich zuallererst mal entweder verwirrt oder bereits ausgewachsene Vollidioten. Es sind genau die Leute, die jetzt nicht mehr politisch korrekt über Schwule und Lesben lästern dürfen und daher etwas anderes brauchen, mit dem sie ihre eigene Normalität - also Frauchen heimlich verprügeln, Kinder mit Liebesentzug strafen und sich vorstellen, wie man einem Kinderschänder die Hoden abschneidet, während mit dem Fernglas die Nachbarin bespitzelt und dazu gewichst wird - von der Perversion der anderen - die ficken miteinander und haben die gleichen Eltern = abaaaartig! - abgrenzen.
Diese Leute, die sich vor lauter Feigheit nicht einmal umdrehen, wenn auf der Straße oder in der Nachbarwohnung Kin, Hund oder sonstwer verprügelt wird, stellen sich hin und bestimmen darüber, was pervers ist. Sie wollen ihr Schutzgut Familie gesichert wissen, denn sonst hätten sie kein Druckmittel gegen ihre Frau, die sie ja verlassen könnte, wenn die dumme Pute erkennt, dass sie Rechte hat.
Oder es sind einfach spießige Arschlöcher…

Es ist nämlich eine ganz einfache Sache und wir haben ein sinnvolles Gesetz zur Regelung derselben.
Zwei Menschen wollen es treiben und sind sich einig, es auch miteinander tun zu wollen. Gemäß dem Recht auf Selbstbestimmung kann man da nur sagen: viel Spaß.
Nach diesem Grundsatz werden Homosexuelle und BDSMler gesetzlich bewertet und nach ihm müssen auch Verwandte bewertet werden. Dabei muss es Gesetze und Mechanismen geben, um vor Missbrauch zu schützen. Aber wenn das ausgeschlossen ist, geht es verdammt noch mal keinen was an, ob die kleine Susi mit ihrem Bruder Heinzi oder auch mit Papa Karl rumhühnern will.
Sicherlich ist das nicht ‚normal‘ im strengsten Sinn des Wortes. Es ist aber auch nicht mehr unnormal in einer Gesellschaft, die sich weit, weit, weit von den Begrenzungen der natürlichen Selektion der Arten nach Darwin entfernt hat.
Tatsächlich ist es eigentlich sogar ziemlich normal, dass diese sexuelle Anziehung existiert, aber ich will dem mal nicht zu genau auf den Grund gehen, um den Rahmen zu sprengen.

Natürlich gibt es Gründe, die dagegen sprechen. Angefangen bei ‚ekelig‘ bis hin zu einem immerhin zumindest geringfügig erhöhten Risiko zur Weitergabe rezessiver Erbkrankheiten. Aber es gibt auch Gründe gegen BDSM. Beispielsweise kann es dabei zu Verletzungen kommen und die sind per Definition ungesund. Oder die Gründe gegen Sex mit einer Gummipuppe… Verschwendung von potentiell brauchbarem Zeugungsmaterial in einer Welt, ind er Lebensraum im Osten besiedelt…
Halt, warte… Das waren die 30er und 40er. Das gilt nicht mehr…

Fakt ist doch, dass es kein Gesetz gibt, dass Menschen mit nachgewiesener Schädigung des Erbgutes das Kinderkriegen verbietet. Außer sie sind verwandt…
Aber was bedeutet Verwandtschaft eigentlich? Gehört die wirklich auf ein Podest gehoben und heiliggesprochen?

Ich kenne einen Vater, dessen Tochters gelegentlichen Wunsch ihn einfach umzubringen ich von ganzem Herzen teile. Gerade WEGEN seiner Verwandtschaft zu ihr nimmt dieser Mensch, der so narzisstisch und antizsozial gestört ist, dass er beinahe ein Psychopath sein könnte, sich Dinge heraus, die eigentlich nur eine Antwort verdienen - eine Faust in die Fresse.
Verwandtschaft kann schön oder schrecklich sein, je nachdem, welche Individuen beteiligt sind. Inwiefern unterscheidet sie sich also von allen anderen Arten von zwischenmenschlichen Beziehungen?
Ja, es gibt Aspekte - insbesondere die Beziehung zwischen Eltern und Kindern betreffend - die besondere Beachtung verdienen, aber spätestens, wenn alle Beteiligten erwachsen sind, bestimmen sie auch alle selbst ihr Schicksal - oder haben zumindest das Recht und die Freiheit, das zu tun.
Nur ficken dürfen sie nicht, because… reasons…

Dafuq, was ist los mit dir, Menschheit? Was geht es denn andere an, was Leute einvernehmlich im Schlafzimmer tun? Was interessiert es denn andere überhaupt??
Was spielen sich einige als Sittenwächter auf? Mit welchem Recht, welcher Befugnis?

Genetik? Hatten wir im Dritten Reich schon mal, lassen wir lieber. Außer es wird von nun an jeder auf Gendefekte geprüft, der ein Kind zeugen oder empfangen will. Alles andere wäre Ungleichbehandlung.
Moral? Fuck - you! Moral ist, wenn man einschreitet, wenn anderen Unrecht oder Leid getan wird. Moral hat rein gar nichts damit zu tun, wen ich wie lange und mit welchen Hilfsmitteln ficke und wie nahe oder fern ich mit ihm oder ihr verwandt bin - immer vorausgesetzt, die andere Person will es auch.
Tradition? Am Arsch! Die gewaltsame Entfernung der Klitoris in Teilen Afrikas oder der Vorhaut in Teilen des Rests der Welt hat Tradition und das macht es nicht richtiger. Was die meisten meinen, wenn sie Tradition sagen, ist eigentlich Spießigkeit - sie wollen, dass alle zwangsweise verdonnert werden, nur gut zu finden, was sie selbst gut finden.
Bleiben nur leere Blicke und ominöse ‚Reasons‘, mehr nicht.

Ich ganz persönlich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht ganz gut wäre, wenn beispielsweise Geschwister den akzeptierten Freiraum erhalten, ihre Erfahrungen miteinander zu machen. Ich sehe keine Welt voller behinderter Hillbillys daraus erwachsen, sondern eher mehr Menschen zu einem unverkrampfteren Umgang mit ihrer eigenen Sexualität erblühen. Die meisten würden es austesten und dann gut sein lassen, weil zu viel von der speziellen Vertrautheit, bei der man sich von Kindesbeinen an kennt, einfach selten zu romantischer Liebe führt. Und falls doch, ist es auch gut so. Hauptsache die Beteiligten sind glücklich.
Ich möchte nicht nur dem deutschen Ethikrat, sondern der Mehrheit der Gesellschaft gerne raten, den Stock aus dem Arsch zu ziehen. Toleranz ist nur ein leeres Wort, wenn sie ausschließlich für die Bereiche gilt, die allgemein akzeptiert sind. Echte Toleranz bedeutet, eben genau das zu akzeptieren, was man selbst nicht versteht oder abstoßend findet.
Ich bin gegen Fremdbestimmung und für persönliche Freiheit. Und das schließt einvernehmlichen Inzest ganz eindeutig mit ein. Alles andere ist nicht nur blinder Aktionismus, sondern auch lächerliche Flickschusterei.

In diesem Sinne…

…fröhlichen, interfamiliären Beischlaf noch. :-P

Dienstag, 23. September 2014

Offener Brief an Emma Watson anlässlich ihrer Rede vor der UN

Liebe Emma,

eine schöne Rede hast du da vor den Damen und Herren der UN zum Start der HeForShe Kampagne gehalten. Dem Grundsatz nach hätte ich dem eigentlich auch mehr Zustimmung entgegenzubringen, als Ablehnung, aber du hast da die eine oder andere Frage gestellt und auch ein paar Aussagen getroffen, die ich nicht unkommentiert stehen lassen will.

Zunächst mal ist da die Sache mit der Idee und dem Wort. Feminismus sei nur ein Wort und es sei die Idee, die zähle, sagtest du. Daher solle man nicht die Idee aufgrund des unliebsamen Wortes ablehnen.
Klingt toll, aber… Ideen sind nur private Gedanken, bis sie in Worte gefasst und geteilt werden. Die Worte definieren die Idee und bestimmen sie dadurch in gewisser Weise. Angesichts des… ‚schlechten Rufs‘, den das Wort Feminismus - meiner Meinung nach nicht völlig zu Unrecht - hat, wäre vielleicht ein anderes Wort als Oberbegriff angebrachter. Der gute Joss Whedon hat da einige Überlegungen angestellt, die dich zu diesem Thema interessieren könnten. Ruf ihn mal an, das könnte euch beide noch ein Stück weiter bringen.

Davon mal ab, kann ich dir allerdings sagen, weswegen mich dieses Wort so stört: Es steht nicht für die Gelichberechtigung und Gleichbehandlung, die auch deine Kampagne als hehres Ideal erkoren hat, sondern für einen Angriff auf die männliche Hälfte der Gesellschaft. Es ist ein Banner für die Rachegelüste, die manche Frauen offenbar wegen der Dinge verspüren, die ihnen oder ihren Müttern und Großmüttern angetan wurden.
Feminismus, wie ich ihn leider zu oft miterlebt habe, ist nicht auf Harmonie oder Aussöhnung aus, sondern auf ‚Gebietsgewinne‘. Es ist ein kriegerisches Wort und der Kampf gilt dem anderen Geschlecht.
Danach beurteile ich dieses Wort, ebenso wie ich das sogenannte Christentum nach seinen Errungenschaften und Taten beurteile. Oder von mir aus auch den Nationalsozialismus. Ein anderes Messinstrument habe ich dafür nicht, denn wie man so schön sagt: Der Weg zur Hölle ist mit guten Absichten gepflastert. Oder anders ausgedrückt: Schön, wenn eine Idee gut ist, aber es kommt darauf an, was daraus gemacht wird.

Darüber hinaus habe ich aber auch mit dem Ideal selbst ein Problem, da will ich ganz offen sein. Ich störe mich daran, wenn Ideale rassistisch sind. Und Feminismus ist eine rassistische Idee durch Auslassung. Beim Feminismus werden per Definition alle Männer und Jungen außen vor gelassen. Und ebenso alle anderen Geschlechter, zu denen sich irgendwer zugehörig fühlt.
Ich finde das nicht fair, denn so, wie du recht damit hast, dass in keinem Land der Welt alle Frauen völlig fair behandelt werden, gibt es auch kein Land der Welt, in dem alle Männer fair behandelt werden. Benachteiligung ist nicht in erster Linie eine Frage des Geschlechts oder der Hautfarbe, sondern eine Frage der Machtverteilung und vielleicht auch der Lobbys.
Ungleiche Bezahlung gibt es überall und gegenüber allen möglichen Leuten. Es gibt sie überall dort, wo ein Chef oder eine Firma skrupellos genug ist, es zu versuchen und damit durchkommt. Einschränkungen bezüglich der Verfügungsgewalt über den eigenen Körper gibt es ebenfalls auch bei männlichen Menschen. Um hier mal ein Beispiel zu bringen, will ich auf Beschneidung im Kindesalter verweisen, die längst nicht mehr nur aus religiösen Gründen durchgeführt wird, sondern wegen… naja… deswegen halt. Weil Tradition und so…

Will ich hiermit den Fokus von den Frauen weg auf die armen Opfermännchen verschieben und dem Feminismus den Wind aus den Segeln nehmen? Will ich das den Ungerechtigkeiten gegenüber Frauen aufgrund von deren Geschlecht gegenüberstellen?
Nein, verdammt!

Was ich verdeutlichen will ist, dass eine Gleichbehandlungsidee nur dann etwas taugt, wenn sie alle ungleich behandelten mit einbezieht. Die IDEE wohlgemerkt, nicht notwendigerweise die jeweilige Bewegung in allen Details.
Ich verstehe, dass man sich bei begrenzten Ressourcen und limitierter Arbeitskraft erreichbare Ziele stecken muss. Ein solches Ziel - auch wenn man über die Erreichbarkeit sicherlich streiten kann - ist beispielsweise das Ziel einer einheitlichen, geschlechtsunabhängigen Bezahlung. Wobei ich auch hierbei lieber etwas über einheitliche Bezahlung für alle Infragekommenden, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung sprechen würde.
Aber selbst wenn man für ein solches, klar abgegrenztes Teilziel streitet, sollte man sich dabei zu der Idee gleicher Rechte für ALLE bekennen. Die Idee als solche nur auf einen Teil der Menschheit zu beschränken, ist nämlich rassistisch und führt am Ende dazu, dass bei einem Sieg in diesem Bereich zwangsläufig irgendeine andere Gruppe benachteiligt wird, um die Verluste wieder auszugleichen. Und dann brauchen wir eine Männerrechtsbewegung oder eine Kampagne zur Erringung gleicher Rechte für die nun benachteiligten Luxemburger oder was auch immer.

Der Vorteil dabei, in der Idee auch wirklich gleiche Rechte für alle zu propagieren ist außerdem, dass damit letztlich die aufs Korn genommen werden, die WIRKLICH für die Ungerechtigkeiten verantwortlich sind. Diejenigen, die von Ungleichbehandlung profitieren, was Männer, Frauen, Schwarze, Weiße, Schwule, Heteros oder sogar Aliens sein mögen.
Diejenigen in den jeweiligen Machtpositionen behandeln ihre Untergebenen oder Schutzbefohlenen oder zufällig ihnen sozial Untergeordneten nämlich oft ungerecht, einfach weil sie es können. Gerechtigkeit muss gelehrt und auch eingefordert werden, aber es ist kein Erfolg errungen, wenn dabei nur eine Gruppe profitiert und sich das Ungleichgewicht einfach nach woanders verschiebt.
Nur wenn rigoros alle gefordert sind, sich anständig zu verhalten, egal mit wem oder was sie es zu tun haben, ist das Ergebnis auch übertragbar. Andernfalls machen es sich die Leute mit der Macht nämlich einfach und sagen irgendwann, dass sie doch jetzt Frauen fair behandeln. Und die nun geknechteten Luxemburger (Sorry, liebe Nachbarn, aber ich brauchte eine greifbare Minderheit und ihr seid nun einmal eine kleine Nation) müssen daraufhin erst einmal eine fünfzigjährige Kampagne starten, damit überhaupt jemand darauf aufmerksam wird, dass sie jetzt die neuen Frauen sind und eine Bewegung für ihre Rechte brauchen.

Nun, da das hoffentlich halbwegs verständlich beleuchtet wurde, will ich noch etwas zum Thema Respekt loswerden. Im Zusammenhang mit Feminismus-Themen wird dieses Wort nämlich gerne und oft missbraucht. Sexualisierung, Objektifizierung und sonstiger Unfug kommen da gerne mal in schönen, dicken Scheiben auf den Teller.
Um es aber mal ganz direkt zu sagen: Das ist Bullshit.

Frauen und Männer sind unterschiedlich und das ist auch gut so. Körperliche Unterschiede sind ebenso Teil unserer Spezies, wie ein unterschiedlicher Umgang mit diesen Unterschieden. Frauen tuscheln im Privaten und möglichst ohne unerwünschte Zeugen über Männer und machen sie zu Sexobjekten - und ja, das tun sie oft und gerne und das ist auch okay - und Männer sind da etwas weniger diskret.
Ist es ein Zeichen von mangelndem Respekt, wenn sie sich dabei erwischen lassen? Das lässt sich nur individuell beurteilen, aber hinsichtlich der Gesamtheit muss die Antwort nein lauten. Männer können Frauen individuellen und allgemeinen Respekt entgegenbringen und trotzdem bemerken, dass eine spezifische Frau tolle Möpse hat. Ebenso, wie Frauen einen Mann respektieren können, auch wenn sie am liebsten nur auf seinen Knackarsch starren würden. Der Unterschied ist, dass Frauen - interessanterweise durch ihre Vergangenheit als Menschen zweiter Klasse - gelernt haben, ihr Wohlgefallen nicht so stumpf zum Ausdruck zu bringen.

Was diese Sache angeht, wird in meinen Augen viel, viel Wirbel um rein gar nichts gemacht. Ob jemand ein respektloses Arschloch ist oder nicht, lässt sich individuell recht schnell entscheiden. Dafür brauchen wir keine Definitionshilfen in Form von starren Benimmregeln. Und falls wir solche Regeln doch erstellen, müssten sie gemeinschaftlich erarbeitet werden.
Sollte das jemals geschehen, hoffe ich wirklich, dass dabei nicht die Gedankenfreiheit auf der Strecke bleibt, aber das ist ein anderes Thema.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Warum mache ich mir die Mühe, das alles überhaupt niederzuschreiben?
Die Antwort habe ich oben gegeben: Es ist eine Idee und ich gebe ihr Form mit meinen Worten und definiere sie.

Meine Idee ist ziemlich radikal, weil ich keine Lust habe, mich in kleinen, nutzlosen Konflikten um einzelne Missstände zu verzetteln. Ich strebe nach Höherem, weil ich gerne bis zu meinem Tod an der Hoffnung festhalten können will, dass es irgendwann einmal besser werden könnte mit der Menschheit. Dass wir einen Weg finden, unsere aggressive, sexbesessene Natur zu akzeptieren und trotzdem Gerechtigkeit, Verständnis und Mitgefühl vorherrschen. Zwischen jedem und jeder, ganz gleich, welche individuellen Unterschiede gerade vorliegen.
Mein Lösungsansatz ist dafür sehr einfach und im kleinen Rahmen gehalten: Ich erhoffe mir, dass Einzelne den Anfang machen und mehr individuelle Urteile fällen, statt sich Gruppendruck, gesellschaftlichem Zwang oder Medienbeeinflussung zu beugen.
Ganz genau deswegen schreibe ich das nieder und mache einen offenen Brief daraus. Irgendwie muss ich es schließlich unter die Leute bringen, selbst wenn es nur die wenigen Leser meines Blogs sind…

In diesem Sinne…

…viel Erfolg bei deinen Bemühungen, Emma. Ich hoffe, dein Horizont erweitert sich irgendwann und deine Anstrengungen schließen letztlich alle mit ein. Ich denke, das würde dir durchaus auch gefallen, denn eine Feministin wie die, die ich von früher kenne, bist du gewiss nicht. ;-)


PS: Was ich bei alledem nicht unerwähnt lassen will ist, dass ich es absolut beknackt finde, was der guten Emma nicht zuletzt aufgrund ihrer Rede da nun angedroht wird. Von wegen Veröffentlichung irgendwelcher Nacktfotos, die Hacker gestohlen haben...
Weder interessieren mich solche Fotos, noch habe ich irgendwelche Sympathien für derartige Kindereien übrig. Das ist einfach nur unterste Schublade und wenn jetzt deswegen Nacktfotos von mir gefaked werden, habe ich damit kein Probelm... :-P