Freitag, 4. April 2014

Milde Gaben für den räudigen Köter?

Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz und gar sicher, wie ich das Thema am besten anpacke, also mache ich es geradeheraus.

Dem einen oder der anderen ist sicherlich schon mal aufgefallen, dass ich gelegentlich von meinen Vorstellungen gesprochen habe, wie ich mit dem Schreiben Geld verdienen könnte.
Ich will keine Bücher herausbringen, die dann Leute kaufen müssen. Ich will lieber meine Geschichten weiterhin frei einsehbar jedem zur Verfügung stellen. Auch wenn ich durchaus erwägen würde, für meine Fans eBooks oder sogar gedruckte Bücher zu realisieren. Aber dann lieber zum Selbstkostenpreis oder sowas.
Trotzdem muss ich leider irgendwie wirtschaftlich denken und außerdem ist die Zeit, die ich in den Verdienst meines Lebensunterhalts investiere, ja nun auch Zeit, die ich nicht mit schreiben verbringen kann.

Es gibt eine Lösung, die ich eigentlich fast schon maßgeschneidert für meine Bedürfnisse finde. Ich habe sie kürzlich entdeckt und mir auch gleich alles eingerichtet, einfach weil es so schön zu meinem Traum passt.
Davon will ich nun berichten:

Einfach gesagt gibt es so etwas wie eine Crowdfunding-Plattform im Abo-Stil für Künstler.
Auf der Seite http://www.patreon.com/ kann ich mir als Autor einen Account anlegen und andere Leute können sich entschließen, mir Geld zu spenden. Angefangen bei einem Dollar im Monat, können Leute, die meine Sachen lesenswert finden, mir auf diesem Weg nicht nur Geld spenden, sondern ich erfahre auch davon und kann gewissermaßen Belohnungen aushändigen. Wer Kickstarter kennt, versteht das Prinzip sicherlich sofort.
Der Unterschied zum herkömmlichen Crowdfunding ist, dass ich eben nicht ein Projekt vorstelle und einen Betrag festsetze, ab dem ich es realisieren kann. Stattdessen bekomme ich in meinem Fall monatlich eine Spende von jedem sogenannten Patron - spendewilligen Fans gewissermaßen.

Die Idee dahinter ist tatsächlich, dass Künstler für ihre Arbeit einfach finanzielle Unterstützung erhalten. Leute, die YouTube-Videos, Musik oder Comics machen. Oder eben auch Kurzgeschichten schreiben.
Was ich als Belohnung für die Unterstützung auslobe, ist schnell umrissen. Für ein paar Dollar im Monat gibt’s Danksagungen über meinen Geschichten oder auch überall, wo ich mich so herumtreibe an prominenten Stellen. Für mehr gibt’s für den Moment erst einmal die eine oder andere Möglichkeit, auf Elemente in Geschichten Einfluss zu nehmen oder sogar Szenen zu erhalten, die mitgestaltet werden können.
Mehr Möglichkeiten habe ich allerdings im Hinterkopf. Einschließlich solcher Sachen wir eBooks und Printversionen von Geschichten. Was natürlich eine Geldfrage ist und dementsprechend von der Menge der Spenden abhängt, die ich erhalte.

Für den Anfang ist das hier also wirklich mehr eine Sache für Leute, die sagen, dass ihnen meine Geschichten so viel Spaß gemacht haben, dass sie dafür mal was springen lassen würden.
Dabei ist es natürlich auch möglich, einmalige Spenden abzugeben. Es ist zwar vom Prinzip her als monatliche Sache gedacht, aber wie lange jemand beschließt zu spenden - also wie viele Monate am Stück - bleibt jedem selbst überlassen.

Logischerweise werde ich versuchen, meine Patrons auch irgendwie bei der Stange zu halten, indem ich mir was für sie ausdenke. Spezielle Geschichten beispielsweise, die erst später oder sogar viel später frei zugänglich werden. Oder sonstwelche Aktionen.
Es hängt alles nicht zuletzt davon ab, ob sich Leute finden, die wirklich Geld ausgeben wollen, weil ihnen meine Geschichtengefallen. Ohne Patrons muss ich mir darüber auch keine Gedanken machen.

Wer nun ernsthaft darüber nachdenkt, kann am Ende einen Link finden, der zu meinen Patreon-Profil führt. Ein kleiner Haken für einige mag sein, dass die Seite leider nur auf Englisch verfügbar ist. Daran kann ich unglücklicherweise nichts ändern. Ich kann höchstens Hilfe anbieten, falls jemand sich dennoch da durchkämpfen und ein Patron werden will.
Sollte diese Sache sich für mich gut entwickeln, wird sich das logischerweise auf die Menge an Geschichten auswirken - und zwar natürlich positiv.
Zeit ist ein wesentlicher Problemfaktor für mein liebstes Hobby - das Schreiben. Geld aus einer solchen Quelle bedeutet, dass ich weniger Zeit in andere Arbeit investieren muss, um meine Rechnungen zu zahlen. Weniger Arbeit ergibt mehr Freizeit, mehr Freizeit führt zu mehr Geschichten.
Ziemlich simple und irgendwie logische Kette, oder? :-D

Es soll nun aber bitte nicht der Eindruck entstehen, ich würde meine ganze Schreiberei kommerzialisieren wollen.
Der Sinn - und der Masterplan hinter der ganzen Sache - ist im Grunde auf das Gegenteil ausgerichtet. Eben um zu vermeiden, jemals Geld verlangen zu müssen, soll dieser Weg jedem ermöglichen, zu geben, was er oder sie KANN.
Nicht ein paar Euro pro Kurzgeschichte wie bei Amazon oder ein paar Euro mehr für ein Buch - beispielsweise einen ‚Junge Liebe Roman‘ - sondern beispielsweise umgerechnet nicht einmal einen Zehner im Jahr als Dankeschön für alle Geschichten in meinem Blog.

Das Beispiel basiert auf einem Dollar pro Monat als Spende, was umgerechnet gerade 8,76 Euro ergeben würde. Machen das zweihundert Leute, könnte ich mich gewissermaßen umgerechnet mehr als einen Monat lang voll und ganz voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren. Was ein bis zwei Dutzend zusätzliche Geschichten oder Kapitel (die längeren Varianten und nicht die ganz kurzen) ergäbe. Also ein bis zwei Geschichten mehr pro Monat.
Sicherlich macht es hierbei die Masse. Und ich hoffe ehrlich, dass ich irgendwann eine solche zusammenbekomme, damit ich mich voll und ganz aufs Schreiben konzentrieren kann.
Dieser Weg hier und das, was ich in Kürze als kleinen Überblick über meine zukünftigen Pläne posten werde, wird diesen Traum vielleicht wahr werden lassen. Und zwar unter Umständen mit deiner Hilfe.

Und damit hab ichs dann für diese Sache auch.
Es liegt jetzt ganz allein bei dir, ob du kannst, willst und wirst. Ich werde es niemandem vorwerfen, wenn es nicht geht. Nicht einmal, wenn wer nicht will.
Ich möchte auch nicht betteln. Stattdessen überlasse ich es jedem selbst, zu entscheiden, ob meine Geschichten einen Obolus - eine Spende - wert sind. Ich werde ganz gewiss niemanden fragen, weswegen er oder sie nicht gespendet hat.
Aber ich werde auch ohne jeden Zweifel jedem auf die Nase binden, wer die großartigen Menschen sind, die sich dafür entscheiden.

Allen zukünftigen Patrons sage ich nun schon einmal Danke!
Mit deiner Hilfe finde ich einen Weg an Verlagen und Geldmaschinen wie Amazon vorbei. Du wirst dir das auf die Fahne schreiben können. Du wirst dabei mitgeholfen haben und darauf kannst du dann durchaus auch ein wenig stolz sein.

Zu meinem Patreon-Profil geht es hier: http://www.patreon.com/MikeKojoteStone
(Nicht vergessen: Englisch!)

Mittwoch, 19. März 2014

Dafuq des Tages - Beschneidung

Darauf gebracht wurde ich durch die Lektüre des zweiten Buches von Mark Benecke über skurrile, witzige oder unglaubliche Forschung. Die Lektüre kann ich nur empfehlen, weil es sich um reale Forschungsgebiete handelt, die von realen Wissenschaftlern beackert wurden. Wie auch immer einige von ihnen auf die Idee gekommen sein mögen…
Das Thema sind jedenfalls Beschneidungen und deren Auswirkung auf die Empfindlichkeit der Eichel. Zwei Dinge, über deren Zusammenhänge ich auch schon gelegentlich mal nachgedacht habe.

Meine persönliche Vermutung war, dass ich mir durchaus vorstellen könnte, dass beschnittene Männer über mehr Stehvermögen verfügen. Wegen der Abstumpfung einer freiliegenden Eichel und der ‚Resistenz‘ gegenüber der Reibung beim Sex.
Als Nicht-Beschnittener habe ich mir da so meine Gedanken gemacht und fand das nicht unlogisch. Auch wenn ich dankbar war, dass ich verschont blieb, denn alles, was ich über Beschneidung weiß, lässt mir die Haare zu Berge stehen.
Und jetzt stehen die sogar noch mehr als vorher…

Was ich nämlich nicht wusste, war, dass Beschneidungen nicht etwa primär aus hygienischen Gründen vorgenommen werden.
Das Argument hätte ich akzeptieren können, auch wenn ich es eigentlich blödsinnig finde, denn was sich unter der Vorhaut so sammelt, lässt sich schon mit einer verfickten Katzenwäsche beseitigen. Man muss da nicht die Wurzelbürste ansetzen oder so.
Und falls doch, gibt es bei der jeweiligen Person mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein generelles Sauberkeitsproblem. Da würde dann auch eine Beschneidung nichts mehr retten…

Aber es wäre irgendwie okay gewesen. Hygienevorstellungen variieren und die für ihre Beschneidungen bekannten Menschen jüdischen Glaubens finden auch Schweinefleisch unrein. Worüber ich jetzt echt kein Urteil abgeben will. Es zeigt einfach nur, dass sie sich eine Menge Gedanken über Sauberkeit machen.
In diesem Kontext wäre es also so gewesen, dass die Beschneidung aus einem - richtigen oder falschen oder halbrichtigen oder was auch immer - Notwendigkeitsdenken heraus erfolgt. Der kleine Racker soll vor Krankheiten und Problemen geschützt werden.
Hehres Anliegen und nicht mit solchen Eingriffen wie der operativen Entfernung der Klitoris in manchen Gegenden Afrikas zu vergleichen, bei denen es um die ‚medizinische Vorsorge‘ gegen die ‚natürliche Geilheit‘ der Frau geht…

Ähh… Denkste!
Offenbar ist der eigentliche und wahre Grund für die Beschneidungstradition die Annahme, dass der Penis tatsächlich abgestumpft wird und dadurch der Mann weniger Sex will. Ganz grob vereinfacht ausgedrückt.
DAFUQ!!?!!</b>

Noch mal für mich zum Mitschreiben: Da wird einem Knirps, dessen Einverständnis kein Schwein interessiert, im Kindesalter die Vorhaut weggeschnitten und der Bub muss von da an damit leben, dass es an seiner Nülle reibt und scheuert.
Das ist sogar beabsichtigt, damit das Ding abstumpft und er weniger mit seinem männlichen Zentralorgan denkt, wenn er mal erwachsen ist. Es ist der Sinn der Sache…

Bin ich jetzt der Einzige, der findet, dass es damit in die gleiche Kategorie wie eine Klitorisamputation fällt?
Ich meine… Sicher ist Letzteres noch wesentlich heftiger, weil es letztlich Lustgefühle in dieser Region auf Null zurückschraubt. Aber es ist doch die gleiche Kategorie, oder etwa nicht?
Und außerdem ist es Folter, dafuq! Wenn ich jemandem etwas antue, um ihm Unwohlsein zu bereiten und nicht über dessen Einverständnis verfüge, ist das Folter. Egal, welche Gründe ich dafür zu haben meine. Es sei denn, ich es wäre medizinisch notwendig und ich hätte die Autorität verliehen bekommen, über sowas zu entscheiden.
Nicht einmal zum Wohle der Menschheit oder auch nur eines Teiles davon wäre es akzeptabel, denn sonst wäre Doktor Mengele ja wohl kein Monster, sondern einfach nur ein Forscher gewesen, duh?!

Also wieder noch einmal zum Mitschreiben: Es gibt eine Tradition der Kinderfolter, weil irgendwelche Kulturkreise der Meinung sind, das wäre richtig so und es läge an ihnen zu entscheiden, wie viel Einfluss sie auf die Libido eines zukünftigen Erwachsenen nehmen dürfen.
Und diese Tradition wird nicht etwa im hintersten Winkel des Kongo oder auf Bora Bora gepflegt, sondern ist fester Bestandteil von Subkulturen in unserer ach so zivilisierten, westlichen Gesellschaft. Nicht nur bei Juden, sondern auch in vielen Teilen Amerikas und dort beispielsweise auch bei Protestanten oder sonst was…

In meinem Begriffsverständnis ist doch aber Kindesmissbrauch - und ja, ich wage es, eine Beschneidung hiermit praktisch gleichzusetzen - die absolut schlimmste Straftat der Welt.
Also… Wo zum Henker sind die ganzen Leute, die mich auf Facebook mit ihren Forderungen nach Todesstrafe für alle nerven, die jemals ein Kind auf dem Schoß hatten und Hoppe-Hoppe-Reiter gespielt haben (ja, ich überdramatisiere, fuck you!), wenn es um diese Sache geht, dafuq??
Wo sind die Lynchmobs, die sich der Eltern dieser armen Kinder annehmen, denen verdammt noch mal am Schwanz rumgeschnitten wird, weil die Ollen einen Dachschaden haben? Wo sind die Polizisten, die diese Leute vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag schleppen, weil es hier verfickt noch eins um Verletzungen der Menschenrechte geht??

Welche?
Na, wie wäre es mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung? Freie Entfaltung der Persönlichkeit? Fucking Menschenwürde?!?

Ich weiß… Es gibt noch immer reichlich Leute, die der Meinung sind, es wäre ihre Angelegenheit, über die sexuelle Ausrichtung ihrer Kinder zu bestimmen. Und wohl so ziemlich alle Leute versuchen, ihr eigenes Wertekonstrukt an ihre Kinder weiterzugeben.
Bestenfalls als Vorschlag, den das Kind annehmen kann oder nach seinen Vorstellungen verändern darf, schlechtestenfalls mit psychischer und/oder physischer Gewalt.
Ich frage jetzt gar nicht erst nach, wo eigentlich die Facebook-Lynchmobs bei dieser Art von Eltern stecken. Dergleichen gilt ja auch hierzulande oft noch als Erziehung und nicht als das, was es ist: gesellschaftlich akzeptierter und ratifizierter Kindesmissbrauch.

Aber mal von diesen Massen an Vollhonks abgesehen, sollte sich der vernünftig denkende Mensch, der das Wort Selbstbestimmung und das verbriefte Recht darauf auch nur im Ansatz begreift, doch an dieser Stelle bewusst sein, dass ein so massiver Eingriff in die Entwicklung, wie er hier geplant ist, wenn das Messer angesetzt wird, einfach nur Unrecht ist.
Mal davon abgesehen, dass es nicht einmal funktioniert, dafuq!! Es wirkt nicht und ist deswegen auch noch Stuss. Was aber natürlich niemanden davon abhält, es weiterhin als Tradition zu betrachten und darauf zu beharren.
Es ist so sinnvoll und nützlich wie die amerikanische Idee des ‚virginity pledge‘ - Jungfräulichkeitsschwurs - die letztlich nur dazu führt, dass die Eidleister sich nicht trauen, bei genitalen Problemen durch Sex auch zum Doc zu gehen, weil ja jeder weiß, dass sie geschworen haben, bis zur Ehe zu warten und sie sich nun schämen. Was die Verbreitung von Geschlechtskrankheiten dann fördert und ungewollte Schwangerschaften zur Folge hat…

Ich frage mich echt, ob ich wirklich im einundzwanzigsten Jahrhundert lebe oder ob mir da jemand einen Bären aufgebunden hat.
Statt aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen und auf Aufklärung zu setzen, wird manipuliert, gezwungen und nicht zuletzt auch an den kindlichen Probanden, die sich nicht wehren können, herumoperiert. Aber das kann ja nicht fascho sein, weil es nicht primär nur Deutsche machen, oder wie…?

Ich bin jedenfalls mal absolut dagegen. Ich finde es mit sofortiger Wirkung nicht mehr strange und irgendwie überflüssig, keinen Kindern am Schwanz rumzuschneiden, sondern verbrecherisch. Und missbräuchlich.
Ich finde alle, die die ihren Kindern sowas antun, gehören vor Gericht. Egal, ob sie sich nun der Idee dahinter bewusst waren oder nicht. Unwissenheit schützt schließlich nicht vor Strafe und außerdem informiere ich mich ja wohl eingehend, bevor ich meinem Kleinen irgendwas abschneiden lassen.
Selbst wenn alle in der Familie das gut finden und auch der Rabbi oder sonstwelche Gestörten mir sagen, dass ‚datt so muss‘.

Ich bin gegen Kinderfolter, wie ich auch gegen Mussbrauchstaten bin. Und für mich ist das hier sogar noch eine Stufe schlimmer, weil es einfach akzeptiert wird. Keiner sagt so richtig was dagegen, weil es ja eine kulturelle Eigenheit ist.
Fuck you! Von wegen Eigenheit!

Es wird leider noch immer allen möglichen Kindern von ihren Eltern eine Riesenmenge Scheiße ins Hirn gedrückt. Und gegen vieles davon lässt sich nichts unternehmen, auch wenn es schrecklich ist, sich vorzustellen, als womöglich transsexuelles Kind in einem erzkatholischen Dorf aufzuwachsen. Über das Trauma kommt man wahrscheinlich lebenslang nicht weg…
Aber tätliche Übergriffe auf Kinder - und Beschneidungen zählen dazu - können doch wohl verhindert werden. Da gibt’s verfickte Gesetze gegen. Warum greifen die hier nicht, dafuq??

Das Kindeswohl, liebes Bundeskabinett - das sich 2012 dem Thema zuwandte und regelte, dass es nur durch Ärzte und mit Betäubung geschehen darf - IST gefährdet, wenn Eltern ohne medizinische Notwendigkeit beschließen dürfen, ihren Sprösslingen Stücke des Körpers wegschneiden zu lassen.
Wer das nicht glaubt, der darf sich gerne mal mit Klebeband die Vorhaut zurückgezogen festtapen und dann einen ganz normalen Tag verleben. Oder - sofern weiblich - was dort im Slip platzieren, wo es bei jeder Bewegung auf die Klitoris drückt.

Das ist das Gefühl, dem die Knirpse nach dem Eingriff zwangsweise ausgesetzt werden. Nebst allen Risiken eines solchen Eingriffs und einer Narkose und sonstwas.
Da müssen diese Kids dann durch. Und zwar für den Rest ihres Lebens. Ohne Rücksicht darauf, ob sie vielleicht eine überdurchschnittlich sensible Eichel haben mögen. Fuck… Ohne Rücksicht darauf, ob sie das wollen!
Und weit, weit vor dem Zeitpunkt, wo sie die Gesamtfunktion ihres Penis auch nur ansatzweise einschätzen können. Weit, weit vor dem Zeitpunkt, wo man von einer informierten und freiwilligen Einwilligung sprechen könnte.

Ich will da ganz ehrlich sein: Es schert mich einen Scheiß, was der jüdische, muslimische oder protestantisch-beschneidungsfreudige Einzeltäter dazu zu sagen hat. Es kratzt mich einen Dreck, ob sich da jetzt jemand in der Ausübung einer Religion oder Tradition eingeschränkt sieht.
Religionen und Traditionen kann jeder am eigenen Körper ausleben, wenn er oder sie erwachsen ist. Wer sich dann irgendwo rumschnibbeln lassen will - bitteschön.
Aber lasst die Finger von euren Kindern, dafuq! Die können sich nicht wehren und haben es so schon schwer genug, weil sie zwangsläufig von euch und eurem kranken Gedankengut, das Kindesfolter als akzeptabel einstuft, vergiftet werden.


In diesem Sinne…

…ein Hoch auf die Menschenrechte, die sogar von ihren Erfindern nicht beachtet werden und auch sonst kein Schwein interessieren, wenn Tradition oder Religion im Weg stehen.

Mittwoch, 5. März 2014

Toughts on - Flow

Und ich spinne nicht! :-D

Ich habe schon des Öfteren versucht, Leuten ein ganz bestimmtes Erlebnis zu beschreiben, das ich gelegentlich beim Schreiben habe. Und ich habe dazu einen Begriff benutzt, der mir einfach passend erschien. Oder den ich mal irgendwo aufgeschnappt haben mag und der zum Kontext passte.
Letzteres erweist sich gerade als recht wahrscheinlich, wie ich erfahren durfte.

Die Rede ist von dem, was offenbar nicht nur ich den ‚Flow‘ nenne.
Ein Zustand, in dem ich nicht mehr gezielt einzelnen Gedanken folge oder über die Umsetzung in schriftlicher Form nachdenke, sondern einfach nur noch schreibe und es gewissermaßen aus mir heraus fließt. Und in dem ich völlig Zeit und Raum vergesse und ganz und gar im eigentlichen Schreiberlebnis gefangen bin.
Und offenbar ist das ein durchaus gut dokumentiertes und gar nicht so seltenes Phänomen.
Hier ein Link zum Thema zur Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Flow_(Psychologie)

Für mich ist bei dieser Sache entscheidend, dass ich mir der Geschichte, die ich da entfalte, bewusst bin. Dass ich weiß, was ich da eigentlich erzähle und entweder einen fixen Endpunkt habe, auf den ich mich dann zubewegen kann oder für mich das Ende ganz und gar offen ist und sich völlig frei entfalten darf.
Offensichtlich muss ich dazu außerdem die Charaktere kennen. Aber scheinbar muss ich nicht erst ausknobeln, wie sie auf bestimmte Dinge reagieren, sondern bewältige diese Fragen direkt im Schreibprozess. Was die Theorie unterstützt, dass für mich meine Charaktere durchaus mit realen Personen vergleichbar sind, deren Reaktionen auf bestimmte Ereignisse ich sicher vorhersagen kann.
Und ebenfalls offensichtlich ist, dass ich störungsfrei dabei sein muss. Tatsächlich machen mit Störungen sogar ziemlich stinkig, wenn ich in diesen Zustand gerate und dann aus ihm herausgerissen werde. Das ist… ein Verlust, möchte ich sagen. Wie wenn ich aus einer wunderbaren Situation heraus gerupft werde.

In dem Beitrag in der Wikipedia wird das Thema Sucht angesprochen. Der Psychologe, der das Thema wohl erstmals wissenschaftlich ergründet hat, spricht von einer ‚positiven Sucht‘.
Das kann und will und muss ich so unterschreiben, denn es ist wirklich ein suchterzeugendes Gefühl in diesen Flow zu geraten und es zu erleben. Es ist erfüllend, befriedigend und erhebend und danach stellt sich zwar eine leichte… ‚Ausgelaugtheit‘ ein, weil viel Kreativität in den Schaffensprozess geflossen ist, aber auch ein wirklich schönes Gefühl der Zufriedenheit, gepaart mit einem leisen Bedauern darüber, dass es vorbei ist.
Diese Sucht ist mir also mehr als recht. Ich bin gerne ein Flow-Junkie. ;-D

Angestoßen wurden meine neuesten Überlegungen in dieser Hinsicht von der wunderbaren Lydia Benecke - der Frau des recht bekannten Mark Benecke. Als Psychologin bringt sie öfter ziemlich interessante Themen auf und ich bin ihr dafür wirklich dankbar.
Bis zu einem gewissen Punkt dachte ich nämlich, dass ich… naja… spinne.

Ich meine… Ich weiß wohl, dass ich bestimmte ‚transzendente‘ Erfahrungen beim Schreiben und auch bei anderen Tätigkeiten, die gewissermaßen (siehe Wiki-Artikel) passend zwischen Unter- und Überforderung lagen, gemacht habe. Aber wenn ich anderen davon erzählt habe, haben die oft geguckt wie Autos, nur nicht so schnell…
Jetzt habe ich quasi den wissenschaftlichen Beleg dafür, dass ich nicht allein dastehe. Und das ist zwar völlig unwichtig, aber dennoch ein gutes Gefühl.

Die Frage, die ich für mich noch nicht beantworten kann, ist die Frage nach der Motivation.
Wieder auf den Wiki-Artikel zurückgreifend, kann ich ziemlich sicher sagen, dass ich entweder intrinsisch oder selbstbestimmt extrinsisch motiviert bin. Ich tue es also entweder um der Sache willen (des Schreibens und Erschaffens von Fantasiewelten) oder freiwillig und gerne aufgrund der Tatsache, dass das Ergebnis geschätzt wird.
Da ich nicht frei von dem Wunsch nach Anerkennung für meine Schreiberei bin, ist es vielleicht Zweiteres, aber manchmal würde ich schon sagen, dass ich allein um des Schreibens willen schreibe. Zumal mir gerade im Schaffensprozess oft egal ist, welche Zielgruppe eigentlich damit etwas anfangen können wird und ich es allein um meiner persönlichen Beschäftigung mit dem Thema willen eine Sache angehe.

Ich habe keine Ahnung, ob das überhaupt für irgendwen von Bedeutung ist, außer für mich. Aber wenn ich über so etwas nachdenke, spielen derartige Überlegungen durchaus eine Rolle und ich gehe der Frage eben nach.
Und wer das hier liest, muss da eben durch… ;-P

Für andere finde ich das Thema deswegen interessant, weil diese Form von Erlebnis eben nicht nur auf eine Tätigkeit wie das Schreiben beschränkt ist. Wer den Wiki-Artikel gelesen hat, ist sicherlich darüber gestolpert, dass es beispielsweise etwas ist, was bei Computerspielen schon herstellerseitig versucht wird anzubahnen.
Und ausnahmsweise kann ich daran mal gar nichts Schlechtes finden. Für den Spieler ist es ein wunderbares Erlebnis und für die Spielehersteller ist es verkaufsfördernd, weil sie ja die Weichen dafür gestellt haben. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Alle gewinnen, keiner verliert.

Ich kann nur jedem empfehlen, sich dieser Art von Empfindung gegenüber zu öffnen, weil es einfach großartig ist.
Ich verstehe, weswegen beispielsweise auch von einem Flow bei Sinneseindrücken gesprochen wird. Schöne Bilder, schöne Geräusche, schöne Gerüche oder Empfindungen. Ja, das kann ich nachvollziehen.
Und ich fürchte, in unserer Welt der Hektik nehmen sich viel zu wenig Leute die Zeit, so etwas auch wirklich zu genießen. Einfach mal alles stehen und liegen zu lassen um einen Sonnenuntergang oder ein Musikstück voll und ganz - von Anfang bis Ende - auszukosten und nichts weiter zu tun, als das zu genießen.
Die Leute denken heutzutage leider viel zu oft, sie müssten zumindest alibimäßig nebenher etwas Sinnvolles tun. Und berauben sich damit eines wirklich tollen Erlebnisses.

Also tu das nicht. Lass dich nicht berauben. Wenn etwas deine Sinne mit Beschlag belegen will, was du genießen kannst - oder wenn du völlig in einer Tätigkeit aufgehen kannst - dann… Warum dafuq nicht!?!
Wenn nicht gerade irgendwelche Menschenleben oder Jobs davon abhängen, kann keiner was dagegen sagen, wenn du mal völlig in einer Sache aufgehst. Und wer dennoch motzen will, ist ein Arsch und verdient keine Aufmerksamkeit.
Also gib dem Flow eine Chance. Gib DIR eine Chance einen Flow zu erleben. In welchem Zusammenhang und bei welcher Tätigkeit auch immer.


In diesem Sinne…

…fröhlichen Genuss eines wunderbaren Moments. :-D

Freitag, 7. Februar 2014

Regenbogenmomente - Ein guter Ort… zum Sterben

Eines vorweg: In den nächsten Posts von mir kann es um den Tod und das Sterben gehen, wie es uns allen blüht. Nicht abstrahiert, wie es in den Nachrichten passiert, sondern nah, weil es um Familienangehörige und dergleichen geht.
Und wie ich in den letzten Wochen erneut bestätigt bekommen habe, geht jeder Mensch mit dem näher rückenden Tod anders um. Wenn du also zu den Leuten gehörst, die sich damit nicht gern beschäftigen und das Thema von sich schieben, dann schieb das Weiterlesen bitte auch von dir.
Und das meine ich weder vorwurfsvoll, noch ironisch, sarkastisch oder zynisch. Ich urteile nicht darüber, wie Leute sich mit dem Tod auseinandersetzen. Ich spreche nur für mich und nicht für andere. Und ich habe auch allerhöchstens für diejenigen neue Perspektiven anzubieten, die eben wirklich bereit sind, sich damit zu konfrontieren.


Zur Sache:
Jemand in meinem Umfeld ist gestorben. Und zwar nicht überraschend, sondern zumindest seit Anfang Januar absehbar. Da kam es nämlich zu einer erneuten Hirnblutung bei der Mutter einer Person, die mir sehr, sehr wichtig ist. Und dieses Mal war dann klar, dass nicht - wie bei den Malen in den drei Monaten davor - noch Hoffnung besteht.
Bei dieser erneuten Blutung stand von Anfang an im Raum, dass der Tod nun zu einer Wahrscheinlichkeit wird, die sich zur Gewissheit entwickelt. Keine Eventualität mehr. Und auch kein Risiko, wegen der Operationen. Es wurde klar, dass es wieder passieren würde und dass es zu Ende geht.

Den Zwischenfall an sich überstand die Frau dank einer Notoperation. Und aus dem künstlichen Koma erwachte sie - falls man von Wachsein da noch sprechen konnte. Ansprechbar oder zur Kommunikation fähig war sie nämlich nicht. Und wie gravierend die Schädigungen des Hirns nun letztendlich waren, wird man niemals mehr erfahren.
Wäre aktive Sterbehilfe in Deutschland erlaubt, wäre sie eine Kandidatin gewesen. Das nächste Aneurysma stand ihr im Grunde schon bevor. Auch wenn niemand mit Bestimmtheit sagen konnte, wann es passieren würde, war schlussendlich klar, dass mit den Adern in ihrem Kopf etwas nicht mehr stimmte.

Nachdem die Behandlung im Krankenhaus soweit abgeschlossen war, fiel deswegen die Entscheidung, sie in ein Hospiz zu verlegen. Das ist ein privat- und/oder spendenfinanziertes Pflegeheim, wo Leute zum würdevollen Sterben hingehen. Und dieser Ort ist der Anlass dafür, dass ich diesen Post den Regenbogenmomenten zuordne.

Es mag grausam klingen, jemanden an einen Ort zu bringen, wo er oder sie sterben soll. Es mag Leute geben, die immer der Meinung sind, Leben sollte erhalten werden. Koste es, was es wolle. Aber diese Leute sollen erst einmal eine solche Situation erleben und dann reden wir weiter.
Der Tod war eine Gewissheit und keine Möglichkeit mehr. Nur der Zeitpunkt stand noch nicht fest. Der Standpunkt der Patientin zur Sache war klar. Sie hatte sich vor ihrer ersten Hirnblutung und auch danach, als sie zunächst auf dem Wege der Besserung zu sein schien, absolut deutlich dazu geäußert und auch eine Patientenverfügung lag vor.
Es war keine willkürliche Entscheidung irgendwelcher Angehöriger oder Ärzte. Aber selbst wenn es das gewesen wäre, wäre es ein Akt der Gnade gewesen.

Ich selbst hatte in dieser ganzen Geschichte nicht die Rolle eines trauernden Angehörigen, sondern eines tröstenden Freundes und Partners. Und deswegen sind mir die Begleitumstände besonders deutlich aufgefallen, zumal ich mit dem Tod nicht auf Kriegsfuß stehe und mein Mitgefühl sehr spezifisch auf Personen und unmittelbare Situationen geeicht ist.
Das soll heißen, dass ich jederzeit jemanden stützen kann, der gerade zusammenbricht, wenn mir diese Person nahe ist. Und ich fühle dann auch ihren oder seinen Schmerz. Aber der Umstand, dass da jemand im Sterben liegt, stürzt mich nicht an und für sich in Verzweiflung.

Durch diese Rolle als Begleiter der allernächsten Angehörigen war ich aber vor Ort und konnte alles live und in Farbe miterleben. Und ich durfte einen Ort kennenlernen, wie ich noch nie einen gesehen habe. Einen Ort, der mich zutiefst beeindruckt hat und vor dessen Mitarbeitern ich nicht einfach den Hut ziehe, sondern mit tief verneige und den Kniefall mache, weil sie tausend Mal besser Menschen sind, als ich es je sein könnte.
Es fällt mir schwer, diesen Ort mit einfachen Worten zu charakterisieren, weil er einfach so weit jenseits der üblichen Bezugsrahmen liegt. Er ist idyllisch, harmonisch, pietätvoll, warm, freundlich und schön. Aber das trifft es einfach nicht wirklich. Es wird ihm nicht gerecht.

Stell dir vor, du gehst an einen Ort, wo ein Mensch liegt, der dir so nahe steht wie eine… sagen wir eine vertraute Tante. Und du weißt bereits, dass sie halbseitig gelähmt ist, kaum ein verständliches Wort herausbringt und vermutlich sowieso niemanden mehr erkennt.
Aber sie liegt nicht in einem Krankenhausbett. Sie ist nicht festgeschnallt, weil sie mit dem einen, noch beweglichen Arm Infusionen oder die künstliche Ernährung ziehen könnte, denn von diesen Dingen ist sie frei. Und sie liegt in einem Zimmer, das mehr einem liebevoll eingerichteten Hotelzimmer oder noch eher einem Raum in einer kleinen, familiären Pension gleicht.
Sie liegt da und irgendwer kümmert sich darum, dass der CD-Player jederzeit neu bestückt wird, damit sie sanfte Musik hört und die Kerzen niemals verlöschen. Du kannst dort nachts um drei Uhr ankommen und es wird so sein. Du kannst dich darauf verlassen, auch wenn es in der Nacht nur eine Aufsichtsperson gibt.

Du kommst in dieses Gebäude und egal zu welcher Zeit werden sich alle Mitarbeiter dort - die teilweise ehrenamtlich diesen unfassbaren Job machen - mit einem liebevollen Lächeln begrüßen. Kein nettes Grinsen oder unangemessenes Lachen, sondern ein mitfühlendes Lächeln, das dir Mitgefühl auf unaufdringliche Weise signalisiert.
Wenn du dich sichtlich schwertust, sind sie bei dir und gehen mit dir. Reden sanft mit dir und begleiten dich auch gegebenenfalls zu der Person, die du besuchst. Und wenn du eine Pause brauchst und im Aufenthaltsraum Ablenkung suchst, ist da jemand, der ganz normale Gespräche mit dir führt und eventuell sogar mit dir scherzt, ohne dabei jemals die Grenzen der Schicklichkeit zu überschreiten.

An diesem Ort war es IMMER leise. Niemand hat jemals die Stimme gehoben. Keine harschen Worte sind gefallen. Auch nicht unter den Mitarbeitern und selbst dann nicht, wenn mal etwas nicht ganz rund lief.
Es war so harmonisch, dass ein herunterfallender Gegenstand wie ein startender Düsenjäger auffiel. Dass man eine Nadel hätte fallen hören können, selbst wenn mehrere Leute anwesend waren.

Ich kann kaum zum Ausdruck bringen, wie unglaublich beeindruckt ich von Menschen bin, die FREIWILLIG andere Leute beim Sterben begleiten. Die tagtäglich dem Verfall zusehen und neben der notwendigen Pflege für kranke Menschen auch noch Aufmerksamkeit geben. Sich um die oft alten Leute kümmern, mit ihnen reden und ihnen auf eine Weise begegnen, die selbst den wirklich schlimm erkrankten die Würde lässt.
Binnen acht Tagen starben dort acht oder neun Leute. Und man bekam davon kaum etwas mit, wenn man nicht selbst betroffen war. Aber die Mitarbeiter waren demnach im Grunde täglich mit dem Tod konfrontiert. Und sie haben trotzdem ihren Job auf eine Art gemacht, die sich in keinem Arbeitszeugnis auch nur ansatzweise würdigen ließe.

In meinen Augen nehmen diese Menschen für die Betroffenen wie für die Angehörigen dem unvermeidlichen Tod den Schrecken. Dank ihnen ist dieses Hospiz ein guter Ort zum Sterben. Und ich verzweifle fast daran, diesen Menschen meinen Dank nicht angemessen aussprechen zu können.

Ich will damit auch nicht die Arbeit der Pfleger und Pflegerinnen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen herabwürdigen. Dort finden sich ebenfalls aufopferungsvolle Menschen. Aber sie arbeiten in einem System, das innerhalb unserer Gesellschaft integriert ist.
In diesem Hospiz standen jedoch Effizienz und Wirtschaftlichkeit NICHT an erster Stelle. Dort DURFTEN die Mitarbeiter sich Zeit für ihre Gäste - ein eindeutiges Statement bei der Benennung der Patienten - nehmen. Keine Stoppuhr lief, wenn sie für die Körperpflege sorgten und es gab auch kein Drängen in irgendeiner Form, weil eines der zehn Betten so ‚lange‘ belegt war.
Für mich steht dieser Ort einfach jenseits der normalen Bewertungsskala. Eine Zwanzig auf der Skala von Eins bis Zehn. Und ich bin wirklich dankbar, dass ich das erleben durfte, auch wenn der Anlass natürlich durchaus ein anderer hätte sein dürfen.

Und deswegen waren die Besuche dieses Hospizes Regenbogenmomente. Umso mehr wegen des traurigen Anlasses. Und umso erstaunlicher, weil ich eine doch sehr kühle Einstellung dem Sterben gegenüber habe.
Ich werde kaum jemals vergessen, dass eine Stunde und zwanzig Minuten nach Eintreten des Todes das Zimmer und die Verstorbene hergerichtet waren, obwohl es mitten in der Nacht passierte und eine Person sich darum allein und neben ihren Aufgaben kümmern musste.
Und wenn man davon sprechen kann, einen Raum mit einer Toten zu betreten und eine POSITIVE Schwingung zu fühlen, dann in diesem Fall. Nur ich selbst kann ermessen, wie erstaunlich es ist, dass mich das so nachhaltig bewegt hat, wo ich doch tote Körper als totes Fleisch betrachte. Und deswegen sage ich, dass es eben wirklich außergewöhnlich war.

Ich bin nicht zufrieden damit, wie wenig all diese Worte die Aura dieses einzigartigen Ortes transportieren. Und ich wünschte, ich könnte mich noch mehr darüber auslassen und meinen Bezugsrahmen vermitteln.
Ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der sich von Orten leicht einfangen lässt. Ich spüre nicht die Last des Leidens bei einem Besuch der Gedenkstätte Auschwitz, sondern vollziehe lediglich verstandesmäßig nach, was dieser Ort bedeutet. Und ich spüre auch nicht mehr als eine gewisse architektonische Ehrfurcht in alten Kirchengebäuden.
Aber dieses Hospiz - oder vielmehr die Menschen, die den Ort zu dem machen, was er ist - haben mich fühlen lassen, wo ich mich befand. Auf eine nachhaltig positive Weise.
Ein wirklich guter Ort zum Sterben.


In diesem Sinne…
…jeder kann mithelfen, indem er so einem Hospiz anbietet, was immer der Einzelne zu leisten imstande ist. Ob nun Hilfe im Garten oder auch einfach nur ein paar Besuche für einen der Gäste, damit diese Leute Gesellschaft genießen können.

Ruhig mal drüber nachdenken…

Freitag, 8. November 2013

Ranting about - Zeitverschwendung


Kennt ihr diesen Moment, wenn ihr feststellt, dass ihr total eure Zeit verschwendet?
Einen Tag lang setzt man sich hin und schreibt. Eine Geschichte mit einem Thema, dass man interessant findet. Ein mehr oder minder großer Spritzer Erotik, weil ich das eben mag. Eine Prise Humor, weil das nie schadet. Und ein einfacher, aber hoffentlich nicht dämlicher Plot.
Um und bei 6.000 Worte sind ein realistisches Ergebnis bei sowas. Und mit ein wenig Korrekturarbeit an späteren Tagen, wenn das gute Stück ein wenig abgehangen hat, macht es vorzeigbar. Alles in allem - sage ich jetzt mal - 12 investierte Stunden.

Das wird dann hochgeladen. Im Blog, auf dieser und jener Plattform, in meiner Facebook-Gruppe und wo auch immer sonst noch. Und die lieben Leute, die gelegentlich gerne mal einen meiner Ergüsse lesen, lassen sich auch nicht lumpen und geben mir Feedback.
An dieser Stelle sei gesagt, dass ich euch sehr zu schätzen weiß, Dudes & Dudines, Bro‘s & Sis‘s (…ses? Something like that…)!
Die Welt ist rund und ich bin zufrieden, wenn mir ein paar Leute sagen, dass es ihnen gefallen hat. Ehrlich jetzt. Einer reicht schon, dann hat es sich gelohnt.

Aber…
Dann stöbert man ein wenig bei FB rum und stößt in einer Gruppe auf einen Post mit einem Bild. Nicht mal eines, das man sofort ansehen kann. Anklicken und Vorschau oder Download und so. Keine nackten Titten, keine Geschlechtsteile. Freu im Bikini und dazu gehört ein Profil, das so laut Fake schreit, dass es fast schon wieder echt sein könnte.
Der Post löst eine Diskussion über Fakes und Profile und die nicht sehr anspruchsvollen Typen aus, die sowas liken. Immerhin 31 Mal.

Gah!
Fucking 31 fucking times, dafuq???!
Ein Bild, wie ich es im Dutzend billiger kriege, wenn ich bei der Google Bildersuche Bikini & Urlaub & Strand eingebe, kassiert 31 Likes?? Einundfuckingdreißig in vierundfuckingzwanzig Stunden?
Ich könnt KOTZEN!

Es ist ja nicht so, dass ich nicht akzeptieren könnte, dass meine Geschichten das Durchschnittshirn überfordern und ein gewisses Mindestniveau an Grips erfordern. Klingt jedenfalls besser, als wenn ich mir denke, dass ich scheiße bin und nur Freaks meine Geschichten mögen.
Und außerdem sind meine Leser keine Freaks. Ich mag euch, Dudes & Dudines. Kein Scheiß!
Also ich akzeptiere. Und ein Like anklicken ist ja auch harte Arbeit. Und wofür überhaupt. Der Scheiß - also meine Geschichten - kosten ja nix. Und was nix kostet, ist auch keinen Aufwand wert.

Aber why, why, WHY dafuq bekommt dann ein verschissenes FAKE-Bild 31 Likes von Leuten, die sich vermutlich wünschen, dass ihre Wichsvorlage mal zur Abwechslung nicht dafür bezahlt wird, sexy auszusehen, es aber im Grunde besser wissen???
Ich meine… LEUTE!
Das ist doch nicht normal!

Mal ganz davon ab, dass der Arbeitsaufwand - Bild aus einer Modelkartei klauen, hochladen, fertig zu 12 Stunden Arbeit - in keinem Verhältnis steht…
Wieso zum Henker sitzt der Finger fürs Like bei einem Bild so locker und für eine Geschichte muss man um jede Ein-Klick-Bewertung betteln?
Bei dem Belohnungssystem ist es doch kein Wunder, wenn die Leute immer weniger Arbeit investieren und nur noch die strunzdämlichen Sachen unters Volk bringen. Wer macht sich denn bitteschön freiwillig MEHR Arbeit für WENIGER Feedback?
Aber hinterher ist das Gejammer, dass man nur noch Mist präsentiert bekommt, dann wieder allgegenwärtig. Und zwar meistens von den Hauptverantwortlichen selbst…

Das geht mir ohne Witz auf die Nüsse. Und ich muss das mal loswerden:
Die Medienwelt ist gar nicht scheiße. Die bedienen einfach nur die Nachfrage einer Mehrheit, die scheiße ist. Nicht die Fernsehsender, Spieleentwickler und Filmproduzenten sind kacke, sondern das Publikum.
Der größte, grenzdebile Mist wird von tonnenweise Idioten hochgejubelt und statt zumindest im Gegenzug als niveauvoller Konsument einen Gegenpol zu schaffen und im kleinen Rahmen die weniger bescheuerten Sachen hochzujubeln, bedauern sich die Intelligenten lieber und finden solche Dinge wie Daumen nach oben geben zu bourgeoise für ihre weiterentwickelte Sensibilität.
Mit dem Ergebnis, dass die Leute, die den weniger bescheuerten Kram produzieren, sich irgendwann fragen, wozu sie sich die Mühe machen, wenns sowieso keiner mag, weil sie ja kein Feedback kriegen.

Man muss kein Statistiker sein, um hier eine Zukunftsprognose aufzustellen. Ehrlich nicht…

In diesem Sinne…
…fröhlichen Abwärtstrend in Sachen Niveau weiterhin.

Montag, 2. September 2013

Thoughts on - das Lolita-Phänomen


Wie angedroht bin ich noch nicht mit dem Thema durch.
Eben habe ich einen Rant zu Cherice Moralez, StaceyRambold und Richter Todd Baugh abgelassen. Da ging es um Rechtsprechung und eventuell vorschnelle Verurteilung.
Hier geht es nun um die Hintergründe des Falles einer 14jährigen Schülerin, die einvernehmlichen oder auch nicht einvernehmlichen Sex mit ihrem 48-jährigen Lehrer hatte.

Ich habe einen nicht uninteressanten Artikel dazu gefunden, der direkt Bezug zum Fall nimmt. Er ist auf Englisch, aber definitiv einen Blick wert. Auch wenn ich mit den Schlussfolgerungen der Autorin ganz und gar nicht übereinstimme.


Ich kenne selbst Fälle von Frauen, die sich absichtlich und wissentlich für deutlich ältere Männer interessiert haben. Und ich kenne Fälle, die denen der Schreiberin des Beitrags ähneln.
Ich kenne eine Nymphomanin. Und wenn man so jemanden mal wirklich kennengelernt hat, ist an dem Begriff eigentlich nichts mehr witzig. Das dreckige Lachen des typischen Durchschnittsmannes bei diesem Wort bleibt einem dann leicht im Hals stecken.
Selbsthass und zwanghafte Verhaltensweisen sind nicht erotisch, sondern ziemlich hässlich. Sex ist da so ziemlich das Letzte, worauf ich Lust habe.

Aber jetzt gerade geht es nicht um die Menschen, die aufgrund welcher Faktoren auch immer innerlich so zerstört sind, dass sie in einer abstrakten Form von selbstverletzendem Verhalten älteren Männern hinterher schleichen.
Diese Fälle gibt es ohne Zweifel und diese jungen Frauen brauchen Hilfe. Aber sie sind ganz einfach nicht der ganze Kuchen.

Das Lolita-Phänomen ist nicht einseitig, sondern beidseitig. Es zieht nicht nur ältere Männer zu jungen Frauen, sondern auch junge Frauen - Mädchen - zu älteren Männern.
Frauen sind oft in ihrer emotionalen Entwicklung weiter als Männer, wenn es um die Pubertät geht. Gleichaltrige Jungs sind oftmals viel zu kindisch für die neuen Bedürfnisse. Und selbst etwas ältere Jungs erfüllen noch nicht so ganz die Vorstellungen.
Erwachsene Männer hingegen haben aus der Ferne betrachtet alles, was manchen jungen Mädchen begehrenswert erscheint. Sie sind reif, gefestigt, väterlich und doch anfällig für die Reize, mit denen die Frauen gerade zu spielen lernen.

Die erfolgreiche Verführung eines reiferen Mannes ist ein Sieg mit sehr vielen unterschiedlichen Facetten. Und sicherlich auch mit einigen ziemlich hässlichen Falltüren, denn wir Männer werden in sexueller Hinsicht nur sehr, sehr langsam erwachsen und können sehr wohl ganz allein körperlich auf so eine Verführung reinfallen.
Die ersehnte emotionale Beziehung oder gar eine intellektuelle Verständigung finden in so einem Fall extrem selten statt. Für den Mann geht es um erotische Reize und für das Mädchen sicherlich zumindest nicht ausschließlich oder auch gar nicht darum.
Keine gute Grundlage für eine Win-Win-Situation.

Aber deswegen sind 30 Jahre Altersunterschied dennoch nicht immer eine missbräuchliche Sache.
Man bedenke: Ist er 90 und sie 60, kräht kaum noch ein Hahn danach. Ist er 60 und sie 30, ist Neid und missgünstiger Zweifel die vorherrschende Reaktion. Und ist er 50 und sie 20, wird das noch einmal um eine Zehnerpotenz gesteigert.
Aber mit jedem Jahr, das sie dann jünger ist als 20, wird die Sache plötzlich ‚komisch‘. Bis offene Ablehnung klar vorherrscht.

NATÜRLICH ist eine 14jährige keine echte Partnerin für einen 40-jährigen. Ihr fehlt es an Lebenserfahrung, um etwas in die Partnerschaft einzubringen. Ihr fehlt die Reife für eine langfristige Beziehung. Ihre Prioritäten sind noch ganz anders. Sie beginnt gerade erst mit alldem, was er bereits hinter sich hat.
Das kann doch nicht gutgehen!
Oder?

Um bei der Wahrheit zu bleiben: Es geht selten gut.
Die Hürden sind riesig. Es gibt so unglaublich viele Unterschiede, dass man daran verzweifeln kann. Und insbesondere die junge Frau entwickelt sich so rasant weiter, dass die Beziehung kaum eine Chance auf Dauerhaftigkeit hat.
Aber…!

So eine Verbindung kann - wenn wir gerade mal den Sex kurz vergessen - ziemlich aufregend sein.
Jugendliche haben eine oft noch nicht sehr voreingenommene Weltsicht. Sie haben Energie Tatendrang. Und sie haben einen riesigen Wissensdurst.
Eine jugendliche Frau kann einen erwachsenen Mann dazu bringen, die Welt noch einmal mit jüngeren Augen zu sehen. Unmögliches erscheint plötzlich wieder machbar. Wissen und Erfahrungen, die angesammelt wurden, können weitergegeben werden und werden oft aufgesogen, wie von einem Schwamm.
Altersbedingte Weisheit kann angenommen werden und dabei helfen, einige Fehler nicht erst selbst machen zu müssen. Synergien können entstehen.
KÖNNEN, wohlgemerkt.

Ich bin den 40 nahe und habe generell gerne Gesprächspartner, die auch mal älter sind. Sofern sie nicht in ihrer Denkstruktur völlig festgerostet sind, was leider in diesem Alter sehr häufig ist.
Aber ich habe auch mit der Zeit einzelne junge Menschen kennengelernt, deren Intelligenz und Anpassungsfähigkeit mit sehr beeindruckten. Es gab nie eine Beziehung mit einem extremen Altersunterschied, aber es gab und gibt Freundschaften, die jede Altersgrenze ignorieren.
Weil ich Menschen eben aufgrund ihrer Kapazitäten und nicht aufgrund fehlenden Wissens oder geringerer Erfahrung beurteile.

Eine Meinung kann auch eine 14-jährige haben. Und sie kann diese auch vertreten und verargumentieren.
Sicherlich kann ich sie aufs Glatteis führen, weil ich Übung darin habe. Aber das kann ich mit nur geringfügigem Mehraufwand auch bei einer 34-jährigen oder einer 54-jährigen.
Tatsächlich ist es oft bei älteren Menschen viel leichter sie zu manipulieren, weil man nur ihr Wesen erkennen muss, um die richtigen Hebel zu entdecken. Bei Jugendlichen steht dieses Wesen noch nicht endgültig fest und sie können sich derartigen Manipulationen besser erwehren, wenn die denn überhaupt Willenskraft und Intelligenz genug dafür aufweisen.

Sicherlich ist es dafür möglich, andere Manipulationsmittel zu finden. Die Begierden und Wünsche von Jugendlichen sind sehr leicht zu erkennen und teilweise auch für Erwachsene sehr leicht zu erfüllen.
Aber das setzt voraus, dass ich überhaupt manipulieren WILL!

Klar sind viele Affären bei extremen Altersunterschieden Nutzverhältnisse für eine Seite. Der Mann kriegt knackiges Jungfleisch. Oder das Mädchen einen erfahrenen Lover fürs erste Mal.
Aber… Wenn das für beide das ist, was sie sich wünschen, ist doch eigentlich - ganz amoralisch betrachtet - alles in Butter. Beide bekommen, was sie wollen. Keiner wird benachteiligt.

Aber, aber… Was, wenn der Mann die Naivität nur ausnutzt und sich an dem Mädchen befriedigt, ohne deren Bedürfnisse zu beachten? Was, wenn er ihre Unerfahrenheit benutzt, um von ihr Sachen zu verlangen, die sie aus Unkenntnis mitmacht? Was, wenn…?
Dann ist er ein Arsch. Und gegen Arschlöcher ist in keiner Phase des Lebens ein absolut zuverlässiges Kraut gewachsen. Vom Teenager bis ins Rentenalter fallen wir auf Arschlöcher rein. Selbst die größte Vorsicht schützt davor nicht.

Die Frau, die den oben verlinkten Artikel verfasste, hat reichlich schlechte Erfahrungen gemacht. Und eine ‚Lolita‘ hat gute Chancen, ebenfalls welche zu machen. Unsere Welt ist nämlich leider voller Arschlöcher.
Aber deswegen ist eine Beziehung oder Affäre dieser Art noch lange nicht per se missbräuchlich. Das stimmt einfach nicht.

Und vor allem KANN auch eine 14-jährige sehr wohl einvernehmlich sexuellen Handlungen zustimmen. Wenn sie nicht geistig zurückgeblieben ist, steht sie zwei Jahre vor der eingeschränkten Geschäftsfähigkeit und vier Jahre vor der Volljährigkeit.
Aus meiner Sicht steht sie zwar auch noch locker vierzehn bis zwanzig Jahre vor der geistigen Vollreife und durchschnittlich ebenso weit vor der geistigen Erstarrung in festgefahrenen Denkmustern, aber für Sex muss man nicht erst 30 werden, um ihn haben und auch genießen zu können.

Sex ist eines der Grundbedürfnisse unserer Körper. Wir werden geboren, um ihn zu haben. Naturgemäß, um Kinder zu kriegen oder zu zeugen, aber das ist nicht der Punkt. Unsere Körper sind ab einem bestimmten Punkt in der Pubertät bereit und willens, ihn zu haben. Und daran ist nichts falsch.
Mit wem wir ihn haben, ist allein unsere Entscheidung. Und Altersunterschiede sind dabei ebenso eine Frage der beteiligten Individuen, wie kulturelle Unterschiede. Leichter wird es damit nicht, aber unnatürlich ist es ganz klar auch nicht, wen junge Frauen sich reife Männer suchen.
Die sind nämlich oftmals auch wirklich ein wenig bessere Exemplare als Gleichaltrige, was den Gesamteindruck angeht.

Missbrauch ist geschlechts-, kultur- und altersunabhängig. Missbrauch ist facettenreich und kann physisch, emotional oder psychisch wirken. Missbrauch ist etwas, wovor jeder einen gewissen Schutz genießen sollte.
Aber nicht alles, was für den einen Missbrauch ist, ist es deswegen für jeden anderen auch. Und manches, was strenggenommen Missbrauch ist, ist eine für fast jeden gültige Realität des Lebens.
Oder denkt irgendwer, dass ein typisches Arbeitsverhältnis in der heutigen Zeit wie einvernehmlicher Sex ist, bei dem beide Parteien in vollem Umfang bekommen, was sie auch geben? In der Arbeitswelt nutzt immer eine Seite die andere aus. Und danach kräht kein Hahn…

Sex auf der anderen Seite ist einfach nur Sex. Wenn alle sich an die vereinbarten Spielregeln halten und keiner dem anderen was Böses will, ist auch kein Leid zu befürchten. Und dennoch ist niemand sicher vor emotionalen Verletzungen, denn sobald Gefühle ins Spiel kommen, kann und wird es irgendwann wehtun.
Mit 14, mit 34 und mit 64. Wir lernen nur, besser damit umzugehen.

Die Lösung für all die Missbrauchsprobleme, die nicht exakt Vergewaltigungen sind, liegt einer Meinung nach in einer Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit.
Übergriffe sind die eine Sache, Fehlentscheidungen der späteren Opfer eine andere. Wenn jungen Menschen mehr über die Konsequenzen ihrer Handlungen beigebracht würde, konnten sie weisere Entscheidung treffen oder zumindest bewusster Risiken eingehen.
Das gilt für den Straßenverkehr ebenso, wie für den Geschlechtsverkehr.

Und was die Eltern der ‚lieben Kleinen‘ angeht:
Auf die Nase fallen werden sie so oder so irgendwann. Abschottung bis zum 18ten macht keinen Sinn. Aufklärung, Erziehung zur Eigenverantwortlichkeit und Unterstützung, wenn mal was schief läuft, sind Trumpf.
Wie beim Gehen lernen, werden sie fallen und sich wehtun. Aber man kann ihnen aufhelfen und sie trösten, wenn es passiert. Vor allem kann und sollte man aber erklären und besprechen, anstatt Vorwürfe zu machen oder die eigenen Wunschvorstellungen auf den Nachwuchs zu projizieren.
Dann wird das meist von ganz alleine.


Abschließend will ich sagen, dass ich weiß, dass es ein kontroverses Thema ist. Es gibt leider viel zu viel Missbrauch jeder Art in unserer Welt. Und deswegen sind unsere Kinder und Freunde auch dauernd derartigen Risiken ausgesetzt.
Ich will Vergewaltigungen und Manipulationen, die im Missbrauch Schutzbefohlener gipfeln, nicht schönreden. Ich will nur eine andere Seite dieser Medaille beleuchten.

Ich kenne Leute, die mit 20 oder 30 Jahren Altersunterschied GUTE Erfahrungen gemacht haben. Es sind nicht viele. Aber ganz ehrlich gesagt kenne ich auch niemanden, der bei Gleichaltrigkeit uneingeschränkt gute Erfahrungen gemacht hat.
Altersunterschiede sind eine ebenso große oder kleine Hürde wie Größenunterschiede oder Unterschiede in der Hautfarbe. Es kommt immer auf die beteiligten Individuen und auf die äußeren Umstände an.
Pauschale Urteile haben in der Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen einfach keinen Platz. Das sollten am besten alle begreifen.

Deswegen bin ich GEGEN Missbrauch und FÜR Selbstbestimmung in persönlichen Belangen. Auch für Jugendliche. Sogar für Kinder, auch wenn da uneingeschränkte Freiheit sicherlich der falsche Weg ist.
Schaut nicht auf das, was die Gesellschaft sagt. Schaut euch die Beteiligten genau an. Auf die kommt es nämlich an.

In diesem Sinne…
…fröhlichen Lynchmord an mir, weil ich es gewagt habe, dieses Thema nicht wie offiziell gutgeheißen zu betrachten.

Ranting about - Internet use your brains!

Heute habe ich einen Zweiteiler, den ich loswerden möchte. Dies ist Teil eins meiner Gedanken zu dieser Sache.

Noch immer schaue ich mir gerne mal auf YouTube Sachen wie LeNews von LeFloid an. Ich bin bei Weitem nicht immer auch nur ansatzweise einer Meinung mit dem jungen Mann, der mir manchmal ein wenig zu unreflektiert urteilt. Aber das kann man sicherlich auch über mich sagen.
Normalerweise winke ich solche Gedanken also ab. Er hat schließlich einen Channel und sein Erfolg basiert zu einem gewissen Teil auf Polarisation und Plakativität.
Heute muss ich allerdings mal Korinthen kacken, nachdem ich mir ein Thema etwas näher angesehen habe…

Ich bin es aus den allgemeinen ‚Nachrichten‘ gewöhnt, dass ich nicht die ganze Wahrheit erfahre. Es ist einfacher, eine saftige Schlagzeile zu formulieren, wenn man mildernde Umstände des Falles oder zusätzliche Informationen, die alles in einem anderen Licht erscheinen lassen, einfach weglässt.
Die Bildzeitung ist berüchtigt für sowas, aber meiner unbescheidenen Meinung (und einigen stichhaltigen Aufdeckungen diverser Einzelpersonen) nach tun sie es alle. Egal ob sie nun öffentlich-rechtlich oder privat, boulevard oder seriös sind.

Bei einigen jugendlichen Newsformaten im Netz hatte ich allerdings den Eindruck, man würde sich tatsächlich um Wahrheitsgehalt bemühen und versuchen, es anders zu machen.
Ja… Auch in meinem Alter kann man noch naiv sein…

Ich will LeFloid und anderen jetzt gar keine gravierenden Vorwürfe machen. Der fragliche Fall ist ziemlich haarig und die öffentliche Meinung ist ziemlich eindeutig. Es ist ein schnell dahin rasender Zug und wer nicht darauf aufspringt, riskiert reichlich Zorn seitens besagter Allgemeinheit.
Perfekt für mich, oder? ;-D

Um zur Sache zu kommen: Es geht um folgende ‚Newsmeldung‘:
(Startzeit für die fragliche Sache bereits eingestellt.)
Sieht auf den ersten und sogar zweiten Blick ziemlich eindeutig aus. 30 Tage Haft für einen Vergewaltiger. Buuhh!
Aber auf den dritten Blick wird’s dann irgendwie… schwammig, finde ich.

Zum einen war der Täter seit der damaligen Tat im Jahr 2008 bereits in psychologischer Behandlung. Er stand unter Beobachtung und wurde betreut. Er war nicht ‚frei‘ im eigentlichen Wortsinn.
Er hat sicherlich auch keine Strafe dabei abgesessen, aber er hat auch nicht unbehelligt in den Tag hinein leben können. Und rein rechtlich zählt so eine Therapie schon etwas. Auch wenn natürlich die meisten Leute meinen, einem Vergewaltiger und Kinderficker stünde nur eine Endlösung als Therapie zu.
Nun hat der Richter beschlossen, in nur noch für 30 Tage einsitzen zu lassen. Der Täter wird wohl weiter therapiert und er hat knackige 15 Jahre Bewährung, in denen er weiterhin unter Beobachtung steht.

Für einen Vergewaltiger noch immer eine viel zu milde Strafe, sagen die Allermeisten. Aber ich behaupte, dass man nur mal genauer hinsehen müsste, um die geforderten 20 Jahre Haft ebenfalls als ziemlich unpassend zu betrachten.
Zumindest in einem Rechtssystem, das noch immer dem verfickten Grundsatz ‚in dubio pro reo‘ folgt.

Sicherlich ist es korrekt, dass in Montana per Gesetz gilt, dass ein unter 16-jähriger Mensch keinen einvernehmlichen Sex haben kann. Und wenn wir mal für einen Moment den gegebenen Fall vergessen, ist das ziemlich beknackt.
Wenn zwei 15-jährige Teenager Sex haben, vergewaltigen sie sich nämlich demnach gegenseitig. Und das ist… völlig banane.
Aber Gesetz ist Gesetz und deswegen - ja, richtig: DESWEGEN - ist der Mann für Vergewaltigung verurteilt worden.

Hört man sich den Richter an, hatte der offenbar ordentliche Zweifel daran, dass es eine Vergewaltigung nach den ansonsten geltenden Voraussetzungen war. Er ging offensichtlich von einem Einvernehmen zwischen Täter und Opfer aus, das nur wegen des Wortlauts des Gesetzes nicht vor Gericht zählt.
Und wenn es eine Vergewaltigung aufgrund gesetzlicher Formalitäten war, bei der das Opfer eigentlich sehr wohl rummachen wollte und nur aus Altersgründen nicht durfte, sind Zweifel an einer knallharten Haftstrafe ziemlich angebracht, finde ich.
Das ist nämlich der verdammte Job des Richters. Er muss nicht den Rachedurst des Volkes befriedigen, sondern gerechte Urteile fällen, die im Zweifel (in dubio) milde für den Angeklagten ausfallen (pro reo).

Wenn ein begründeter Zweifelbesteht, dass da jemand zu etwas gezwungen wurde, dann ist es nicht die Aufgabe eines Richters, zu beurteilen, wie beknackt ein Techtelmechtel zwischen einer 14jährigen und einem 48-jährigen ist.
NATÜRLICH ist das keine vernünftige Beziehung. Und Gesetze zum Schutz Minderjähriger machen auch durchaus Sinn. Aber bei einem Bruch der Gesetze ohne eine konkrete Schädigung von irgendwem kann man doch bitteschön keine ZWANZIG Jahre Haft verhängen.
Das steht doch in keinem Verhältnis zum Raum! (Um den zu verstehen, müsste man Sonnenallee gesehen haben. ;-) )

Ob oder ob nicht Cherice Moralez und Stacey Rambold eine ‚richtige‘ Affäre miteinander hatten, können im Grunde nur die beiden wissen. Der Richter muss den Fall betrachten, wie er sich darstellt. Und ich applaudiere tatsächlich Richter Baugh für das mutige Urteil.
Leider konnte er das Opfer nicht mehr selbst befragen, denn die junge Dame hat sich 3 Jahre nach der Sache das Leben genommen. Und hier liegt für mich übrigens der Hase im Pfeffer, der meine Nase gehörig jucken lässt…

Die Mutter von Cherice ist überzeugt, dass ihre Tochter sich wegen der Vergewaltigung das Leben nahm. Aber ohne der Mutter zu nahe treten zu wollen: Ihre Tochter hatte mehrfach Sex mit ihrem Lehrer. Und anfangs hats keiner gemerkt.
Natürlich sucht die Mutter einen Schuldigen. Und sie findet ihn in besagtem Lehrer. Das ist der einfache Weg.

Sich einzugestehen, dass etwas schon ziemlich in Unordnung ist, wenn sich ein Teenager in Richtung erheblich älterer Männer orientiert und dass womöglich der Haussegen ziemlich schief hing, wäre der sehr viel unangenehmere Weg. Und den geht der Mensch ja bekanntlich ungern.
Und die Schuld an dem Selbstmord bei psychischem Druck zu suchen, wie er von allen Seiten auf das Mädel einwirkte, nachdem der Fall schon längst öffentlichkeitswirksam ausgeschlachtet worden war, ist auch nicht so dolle.
Schließlich gäbe es dann nicht nur einen Schuldigen, sondern Hunderte oder Tausende.

Was wirklich geschah und wie die Dinge sich dargestellt haben, wird nun niemand mehr erfahren. Nur Ex-Lehrer Rambold weiß es noch. Und der wird sich in seinem Kopf die Dinge auch ein wenig zurechtgebogen haben, sodass man auf eine Autobiographie von ihm nicht zu warten braucht. Die Wahrheit ist verschütt gegangen.
Was bleibt ist eine Hexenjagd. Der Richter soll abgesetzt werden, weil er ein unmögliches Urteil gefällt hat. Er ist jetzt der neue Arsch in der Geschichte. Obwohl er offenbar seinen Job zu machen versuchte.

Hat er sich bescheuert ausgedrückt, als er davon sprach, dass das Mädel reifer wirkte und Ähnliches?
Hat er. Aber das ändert nichts daran, dass er nach einem Rechtsprinzip entschieden hat, das uns allen lieb und teuer sein sollte. Denn ohne dieses Prinzip stehen wir bald alle wegen Terror- oder Spionageverdacht vor irgendeinem Kadi, wenn wir mal das falsche Wort in der falschen Unterhaltung benutzen.

Ich weiß nicht, ob es eine Vergewaltigung gab. Und Richter Baugh weiß es wohl auch nicht.
Aber wie ich weiß wohl auch er, dass es nicht unvorstellbar ist, das ein 14-jähriges Mädchen sich an einen 48-jährigen Mann ranmacht. Und dass sie womöglich auch den kompletten Weg bis zur ‚third base‘ und darüber hinaus geht.
Als ich 14 war, wäre ich diesen Weg mit einigen Frauen auch gegangen. Und ein paar davon waren deutlich über 30. Nur war es damals nicht so, als hätte ich einen lolitahaften Charme im Repertoire gehabt…

Man mag jetzt denken, dass ich die Sache hier ins Lächerliche ziehen will. Aber ich meine das ernst und gehe in einem ‚Thoughtson‘ gleich noch darauf ein.
Dieser Beitrag dreht sich aber eher um Rechtsprechung, Medien-Meinungsmache, elterliche Selbstherrlichkeit und Lynchjustiz.

Es wäre wirklich schön, wenn die Dinge immer einfach schwarz oder weiß wären. Sind sie aber nicht.
Stacey Rambold hätte erfahren und beherrscht genug sein sollen, nicht dem Charme einer so jungen Frau zu erliegen. Aber er ist kein Kinderschänder oder Vergewaltiger, weil es ihm passiert ist.
Ein Kinderschänder ist er so oder so nicht, selbst wenn er geschändet haben sollte. Und Vergewaltigung setzt der Logik nach voraus, dass die Partnerin nicht wollte. Egal, was ein dämliches Gesetz dazu meint.
Ist das nicht gegeben, hat sich der Mann dennoch etwas zuschulden kommen lassen. Und das ist es, was ich aus der Urteilsbegründung von Richter Baugh auch herauslese.

Es wurde falsch gehandelt und es wurden Gesetze gebrochen. Dafür ist eine Strafe vorgeschrieben.
Aber nachdem der Täter in diesem Fall schon Therapien macht und von einer ganzen Nation gehasst wird, hat er vielleicht tatsächlich genug am Arsch und braucht keine zusätzlichen Jahre im Bau. Glücklich wird der nämlich so oder so nicht mehr in seinem Leben.

Vielleicht hat eine ‚richtige‘ Vergewaltigung stattgefunden. Aber solange das im Zweifel steht, ist es fucking KORREKT, dass der Richter darüber vorsichtig urteilt.
Sonst haben wir nämlich ganz schnell Unschuldige in Todeszellen sitzen und vielleicht auch irgendwann Konzentrationslager für mutmaßliche Vergewaltiger, wo denen per Nahrungs- und Schlafentzug - die im Falle eines wirklich total echt begründeten Verdachts ja doch irgendwie eigentlich keine so richtige Folter sind - Geständnisse ‚erwirkt‘ werden.
Und das ist so lange witzig, bis es mal durch einen dummen Zufall DICH trifft…

Diesmal denke ich mir deswegen bei der Berichterstattung und den Reaktionen im Internet:
Use your fucking brains! Benutzt eure verschissenen Gehirne!
Mal zur Abwechslung, anstatt gleich wieder nach dem Strick zu greifen und sich auf eine neue Hinrichtung zu freuen. Es könnte - KÖNNTE - nämlich ganz anders sein, als alle es so gerne sehen wollen.
Die Dinge könnten in diesem Fall ziemlich grau und gar nicht schwarz oder weiß sein. Und wie gesagt: Im Zweifel FÜR den Angeklagten. Und nicht etwa im Zweifel den Strick für den Angeklagten…


In diesem Sinne…
…einen nachdenklichen Tag noch.